101 – Scoville und Olf


Es gibt absurde Skalen um die seltsamsten Dinge zu messen. Heute schaut sich der Anerzähler die Messung von Geruch und die Messung von Schärfe an.

https://de.wikipedia.org/wiki/Scoville-Skala
https://de.wikipedia.org/wiki/Olf

Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Paprika#/media/File:Felfel-e_t.JPG

 

#101 – Scoville und Olf

Hol mal tief Luft und sag mir, wieviel Olf Du wahrnimmst. Keine Ahnung? Was ist das schon wieder? Ein Olf? Ein Olf ist eine Maßeinheit und zwar ist ein Olf, die Geruchsbelastung, die von einem Normmenschen – das ist eine erwachsene Person mit einem Hygienestandard von 0,7 Bädern pro Tag und 1,8 Quadratmeter Hautoberfläche bei sitzender Tätigkeit – ausgeht. Ein Olf: Ich, wenn ich 0,7 Mal am Tag bade und während ich sitze. Und damit ist Olf eine ziemlich seltsame Maßeinheit.

Eine Person ruhend ist eben ein Olf, ein zwölfjähriges Kind ist zwei Olf. Jetzt weiß ich nicht, ob ich das bestätigen kann. Meine Kinder haben definitiv manchmal mehr als zwei Olf. Ein starker Raucher hat 25 Olf. Ein Athlet nach dem Sport liegt immerhin schon mal bei 30 Olf und man kann auch andere Gegenstände und Lebewesen natürlich in Olf einsortieren. Eine Gummidichtung zum Beispiel ist 0,6 Olf pro Quadratmeter.

Was ist der Punkt fragst Du Dich? Es gibt die seltsamsten Maßeinheiten. Und warum rede ich heute über Maßeinheiten oder speziell über eine Maßeinheit, zu der ich gleich komme? – Weil ich nämlich bei der Recherche für diese Sendung gelernt habe, dass eine Pepperoni bei 101 Scoville anfängt.

Scovill ist wieder so eine Einheit und Scovill trägt ihren Namen nach Wilbur L. Scoville, der 1912 diese Skala entwickelt hat in seiner Eigenschaft als Pharmakologe. Der hatte ein Paper geschrieben, das im Journal of the American Pharmacist Association veröffentlicht wurde und sich damit beschäftigte, wie man denn den Schärfeinhalt bei Verdünnungen und beim Verkosten in einer Skala einsortieren könnte.

Und da sind wir bei einer interessanten Frage, nämlich der, wie eigentlich das mit der Schärfe zustande kommt. Das ist ein ganz spezieller Bestandteil unserer Ernährung, nämlich das Capsaicin. Das ist ein Stoff, der Schmerzrezeptoren der Schleimhäute reizt und damit die Schärfeempfindung auslöst.

Früher dachte ich ja immer, dass scharfes Essen deswegen scharf ist, weil man wirklich klitzekleine offene Stellen im Mund hat und dadurch eben dieses Gefühl entsteht. Stimmt gar nicht. Es ist einfach nur eine Reizung der Schmerzrezeptoren. Das kommt jetzt mit ein paar Nebeneffekten. Zum Beispiel kann man sich an dieses Zeug gewöhnen. Das heißt, die Dosis, ab der man Schärfe wahrnimmt, diese Hitzeempfindung im Mund hat, muss immer höher werden, je öfter man sich ihr aussetzt.

Scovill nun, gibt buchstäblich durch Verkostungen den Verdünnungsgrad mit Wasser an, ab dem keine Schärfe mehr festgestellt werden kann. Durch den beschriebenen Gewöhnungseffekt muss man natürlich dann immer wieder neue Probanten, Tester, Probeesser finden, die idealerweise über ungefähr denselben Toleranzgrad verfügen usw. Also eher problematisch.

Gott sei Dank können wir heute wesentlich technischer und automatischer messen.

So. Wie ist das jetzt nun mit den Scovill? – Hier ein paar bekannte Lebensmittel und ihre Scovill Zahlen:

Von 0 – 10 Scovill, das ist die Gemüsepaprika. Also die, die Du nehmen, aufschneiden und einfach direkt wegspachteln kannst – ohne Probleme. Die nimmt man kaum als Scharf wahr.

Die untere Schwelle für Wahrnehmung von Schärfe liegt in etwas bei 16 Scovil.

Eine Peperoni, je nachdem, welche Peperoni man denn nun erwischt, zwischen 100 und 500 Scovill.

Später dann wird es interessanter: 2,5 Tausend bis 5.000 Tauschen Scovill hat nämlich zum Beispiel schon die Tabasco-Sauce. Jalapeños liegen bei 2.500 bis 8.000 Scoville. Reiner Cayennepfeffer: 30.000 bis 50.000 und Jabaneros sind 100.000 bis 350.000 Scoville.

Es gibt ein paar Sonderzüchtungen, weil natürlich gab es dann immer wieder Versuche, möglichst scharfe, heftige Produkte zu erzeugen und es geht rauf bis ungefähr zwei Millionen Scovill für die Sorte Trinidad moruga scorpion. Das würde ich dann glaube ich auch lieber nicht mehr essen, denn zwei Millionen Scovill sind auch in etwa der Schärfegrad, den handelsübliches Pfefferspray hat. Das heißt, für Leute, die in ihrer Freizeit auch mal am Pfefferspray nuckeln mag das die richtige Paprika sein, aber für mich wäre es dann glaube ich doch zu scharf.

Das heftigste Pfefferspray, das im freien Handel erhältlich ist, hat 5,3 Millionen Scovill und die Sauce Mad Dog 357 Nr. 9 Plutonium ist mit 9 Millionen Scovill die schärfste Chilisauce der Welt. Wie weit geht die Skala eigentlich überhaupt mag man sich fragen. Die geht bis zum reinen Capsaicin und das sind dann 16 Millionen Scovill.

Was mich angeht: Ich kann ja bis ungefähr zum Cayennepfeffer wahrscheinlich mitgehen. Jalapeños, damit gehe ich noch ganz entspannt um. Das heißt, ich liege irgendwo zwischen 8.000 und 30.000 Scovill. Naaa, das mit dem Cayennepfeffer – pur würde ich ihn wahrscheinlich auch nicht essen. Dann mal doch sicherheitshalber die 8.000 Scovill.

Bis bald.

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