113 – Big Mac Happiness Report


Es gibt für alles mögliche Statistiken und Ranglisten, besonders interessant sind aber Vergleiche, die ganze Volkswirtschaften nebeneinander stellen. KKP Indices sind solche Skalen und auf einer der etablierten Listen ist Somalia auf Platz 113 im globalen Vergleich. Aber was heißt das eigentlich genau?

https://de.wikipedia.org/wiki/Kaufkraftparit%C3%A4t
https://de.wikipedia.org/wiki/Warenkorb
https://de.wikipedia.org/wiki/Big-Mac-Index
http://www.economist.com/content/big-mac-index
http://worldhappiness.report/

Bild: Wikimedia Commons

 

 

#113 – Big Mac Happiness Report

Wir Menschen lieben es Dinge zu zählen, in irgendeine Reihenfolge zu bringen und Reports und Indices dazuzubauen. Und so wundert es auch nicht, dass es zu allem möglichen Listen gibt. Der Economist hat eine ganze Menge solcher Listen, die er regelmäßig aktualisiert und veröffentlicht und es gibt ein Buch, das heißt “Die Welt in Zahlen” – ja, warum auch ausgerechnet ich dieses Buch gekauft habt, gell? Und dieses Buch sammelt alle diese Listen.

Und auf der Suche nach einem Thema für die Folge 113 blätterte ich durch dieses Buch und fand heraus, dass Somalia das Land mit der niedrigsten Kaufkraft ist, nämlich 1,13 KKP, wobei die USA 100 sind. Und dann saß ich so davor und habe gedacht “Was zur Hölle ist ein KKP und was heißt denn das wirklich?”

So. Und fangen wir doch da mal mit KKP an. KKP steht für den klangvollen Namen Kaufkraftparität. Im Englischen ist es nicht KKP, sondern da ist es PPP, nämlich Purchasing Power Parity. Der Grundgedanke dahinter ist, dass eigentlich bei funktionierenden Marktbedingungen bestimmte Güter überall denselben Preis haben müssten oder doch zumindest sehr ähnliche Preise haben müssten, wenigstens über einen längeren Zeitraum. Und dass die Wechselkurse dadurch entstehen, dass sie versuchen diese Preisunterschiede und Währungsunterschiede auszugleichen.

Wir kennen das bei uns. Es wird ja regelmäßig der Standardwarenkorb genutzt, um die Inflation zu berechnen. Das ist genau dieselbe Idee. Man nehme den Warenkorb und zwar idealerweise in immer sehr ähnlicher Zusammenstellung und kaufe jedes Jahr denselben Warenkorb und vergleiche, wieviel Geld man dafür nun ausgeben musste. Damit hat man eine Währungsschwankung. Und jetzt vergleicht man das mit dem Einkommen der einzelnen Haushalte und damit hat man eine Kaufkraftschwankung.

Den Warenkorb habe ich mir irgendwie immer, wenn ich es in den Nachrichten gehört habe vorgestellt, wie einen Einkaufswagen oder so, aber da wären ungefähr 750 Artikel drin. Das ist ein bisschen mehr, als man in einen ganz normalen Einkaufswagen reinpackt. Es gibt eine genau festgelegte Mischung, in der diese verschiedenen Sachen auftauchen müssen und da gibt es natürlich Nahrungsmittel, das macht über 10% des Warenkorbs aus. Es gibt Tabakwaren, Bekleidung, Wohnung, Wasser, Gas, Brennstoffe – es ist also ein theoretischer Warenkorb. Es sind insgesamt 12 verschiedene Warengruppen, die man da drin findet.

Der Economist hat dann eine wesentlich greifbare und wie ich finde sehr schnell verständliche Maßeinheit gefunden, um etwas sehr ähnliches zu machen. Nämlich, um vergleichen zu können, wieviel kann ich mir denn jetzt nun kaufen von meinem Geld? Und das weltweit.

Der Index, den der Economist dazu entwickelt hat, ist der sogenannte Big Mac Index. Das ist dieselbe Idee, wie der KKP – also: Eigentlich müssten Waren überall dasselbe kosten, nur die Währung schwankt. Und deswegen vergleicht der Big Mac Index den Preis eines Big Macs auf der ganzen Welt. Man kann sozusagen einsehen: Wieviel muss ich denn nun ausgeben, um einen Big Mac zu kaufen? Und umgekehrt: Wie viele Big Macs kann ich mir denn von einem durchschnittlichen Gehalt leisten?

Der Index selber gibt einem zunächst mal aber nicht den absoluten Preis oder sowas, sondern gibt einem eine prozentuale Abweichung von der Norm. Und die Norm liegt in den USA. Das ist sozusagen die Nulllinie, auch beim KKP ist das die 100%-Marke. Dann haben wir Ausschläge darüber und darunter. Da erkennen wir, dass der teuerste Big Mac oder der höchstbewertete Big Mac mit immerhin – der absolute Preis wäre 6,44 $ – aus der Schweiz kommt. Und für 66 Cent kann man ihn in Venezuela kaufen.

So. Das ist also erst mal, wie sich die Situation darstellt. Es ist auch so, dass man nicht mehr Big Macs in der Schweiz, als in Venezuela und umgekehrt kaufen kann. Das hält sich in etwa die Waage. Denn die Preise passen sich ganz selbstverständlich den Marktgegebenheiten an. Mehr oder weniger.

Jetzt haben schlaue Menschen immer schon vermutet, dass Glück und Geld ja direkt zusammenhängt und haben dann die Vermutung aufgestellt: Es müsste wohl so sein, dass die Länder, die die geringste Kaufkraft und die wenigsten wirtschaftlichen Möglichkeiten haben, auch die Länder sein müssten, in denen die Einwohner am Unglücklichsten sind. Und umgekehrt: Die Länder, die reich sind, die über alle Mittel verfügen, die eine große Kaufkraft haben, müssten doch die glücklichsten Einwohner haben.

Irgendwann wurde sowas untersucht und dabei hat man dann festgestellt: Das stimmt so gar nicht. Der Zusammenhang ist gar nicht so direkt, wie man ihn vermuten möchte. Jetzt ist es natürlich so, dass die Länder mit der niedrigsten Kaufkraft oft auch die Länder sind, in denen gerade Krieg herrscht und dergleichen. Das heißt: Jawoll, oft sind diese Menschen dann unglücklich, aber wenn man die offensichtlichen Kriegskandidaten mal auf die Seite schiebt, dann ist es nicht mehr so direkt zusammenzufassen.

Es gibt einige westliche Länder, in denen die Menschen eher unglücklich sind. Und es gibt einige Länder, die uns als arm bekannt sind, in denen die Einwohner relativ ausgeglichen und fröhlich zu sein scheinen. Und auch dafür gibt es einen sehr praktischen und interessanten Report, nämlich den World Happiness Report. Das ist wieder so ein Index – nicht vom Economist diesmal, aber nicht weniger interessant.

Im World Happiness Report wird nämlich regelmäßig untersucht, für wie zufrieden sich Einwohner verschiedener Länder halten und das wird an verschiedenen Dingen festgemacht. Es wird dann auch versucht festzustellen, woran es denn vermutlich überwiegend liegt und da ist das Gross Domestic Product – also das Einkommen, was jeder hat – in den einzelnen Ländern ein Faktor, aber nicht der einzige.

Ein anderer Faktor ist sozialer Support – also, wie sind die sozialen Netzwerke ausgebildet. Ein weiterer Faktor ist die gesundheitliche Versorgung. Also darf ich davon ausgehen, dass ich in meinem Leben einigermaßen gut versorgt werde, wenn denn mal eine Krankheit oder ein Unfall über mich hereinbricht.

Die Freiheit bei Entscheidungen, die mein Leben betreffen, ist ein weiterer Faktor. Großzügigkeit meines Umfeldes, des Staates, der gesellschaftlichen Akteure – ein weiterer. Wie korrupt ist ein Land? Das ist auch etwas, was anscheinend direkt mit dieser Zufriedenheit korrelieren kann. Und wie sehr fühlen wir uns unterdrückt und beobachtet und kontrolliert?

In diesem Report nun liegt für den Zeitraum 2012 bis 2014 Deutschland und Venezuela relativ nah beieinander. Deutschland liegt nämlich auf Platz 26 und Venezuela auf Platz 23 von insgesamt 158 untersuchten Ländern. Am Unglücklichsten ist nach diesem Report übrigens jemand, der in Togo lebt. Und den Glücklichkeitspreis trägt die Schweiz nach Hause, die mit den teuren Big Macs.

Tja, was soll man da noch sagen? Ich selbst sortiere mich auch bei der ziemlich fröhlichen, zufriedenen Seite ein. Ich könnte mich zwar über unglaublich viele Dinge dieser Tage aufregen, aber ich bin mir gleichzeitig auch permanent bewusst, wie gut ich es erwischt habe. Und ich fühle mich ganz wohl mit den Menschen um mich herum, mit dem System, mit dem ich zu tun habe und mit den Aufgaben, die ich habe. Und das, obwohl auch bei uns der Big Mac ganz schön teuer ist.

Bis bald.

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