114 Suren des Koran


Der Koran ist eines dieser Bücher, zu dem viele Menschen eine Meinung haben, ohne viel darüber zu wissen.

Wikipedia: Koran
Deutsche Übersetzung des Koran auf islam.de
YouTube: Koran, Sure 1-79

Bild: Wikimedia Commons

 

 

#114 Suren des Koran

Heilige Bücher kommen ja immer wieder gerne in Versen daher. In Gedichtform mit besonders schöner Sprache oder einer Sprache, die besonders gut rezitiert werden kann. Der Koran ist da keine Ausnahme.

Er gilt im arabischen Original als die Vorlage für besonders gutes Arabisch und das erste wichtigste Lehrwerk für arabische Schrift und Sprache. Es sei auch praktisch unmöglich ihn ordentlich zu übersetzen, zumindest nach muslimischer Überzeugung, denn jede Übersetzung ist auch gleichzeitig eine Interpretation. Und da der Koran für das Wort Gottes steht, wäre jede Interpretation natürlich eine Irreführung.

Der Koran hat 114 sogenannte Suren. Das sind Verse, in die der Koran eingeteilt ist und diese Suren scheinen grob nach Länge sortiert zu sein. Das heißt, die längsten Suren stehen auch am Anfang des Korans. Mit Ausnahme der Sure 9 fängt jede Sure mit der Formel “Im Namen Allahs des Erbarmers des Barmherzigen” an.

Das Wort Koran heißt übrigens vermutlich in etwa soviel wie “Wiedergeben”, “Rezitieren”, “Weitererzählen” und deutet damit auch darauf hin, wie der Koran am Anfang seiner Zeit wirklich weitergegeben wurde. Das passt auch zu seiner Entstehungsgeschichte, denn Mohammed, der ja das Wort Gottes praktisch entgegennahm, konnte auch der Korangeschichte nach zunächst weder lesen noch schreiben.

Anders als die Bibel wurde der Koran sehr, sehr früh verschriftlicht, noch zu Lebzeiten Mohammeds gab es die ersten Teile des Korans in Schriftform und der Großteil des Korans, wie wir ihn auch heute noch kennen, war schon elf Jahre nach Mohammeds Tod niedergeschrieben. Es gab mehrere Anläufe, den Koran niederzuschreiben. Die heute noch gültige Fassung wurde vom Kalifen Uthman Ibn Affan, 644 – 656 lebte der, in Auftrag gegeben und in sauberem Arabisch aufgeschrieben.

Jeder einzelne Vers musste dabei von mindestens zwei Männern bezeugt werden, die bezeugen mussten, dass sie diese Worte aus dem Munde Mohammeds so gehört hatten. Es gibt nur sechs Verse im Koran, die diese Regel brechen. In diesen sechs Versen gibt es nur einen Zeugen und sie wurden trotzdem von dem Kalifen anerkannt, weswegen sie auch heute noch in der offiziellen Koranfassung enthalten sind.

Zwischen dem Koran und der Bibel gibt es ein paar interessante Unterschiede, die mir so gar nicht richtig bewusst waren. Wenn Du wie ich in der westlichen, christlichen Tradition großgezogen wurdest, dann denkst Du von der Bibel unter anderem auch als eine Art Geschichtsbuch und als eine Sammlung von Metaphern und Märchen. Und die Jahresspanne, über die hinweg diese Erzählungen in der Bibel erfasst werden, ist enorm.

Beim Koran gibt es diese Aufteilung so nicht. Zum einen sind die Suren nicht chronologisch geordnet, sondern eben nach Größe. Zum anderen ist es so, dass eigentlich alles, was in diesen Suren steht, von Mohammend in einem eher engene Zeitfenster entgegengenommen wurde.

Der Koran ist außerdem ungewöhnlich selbstreferenziell. Das heißt, er erwähnt sich selber und seine Inhalte immer wieder und nimmt Bezug auf Dinge, die an anderen Stellen offenbart wurden. Die Offenbarungen sind über 22 Jahre hinweg und enthalten sowohl Rechtsgrundlagen – eben die Grundlagen der Sharia – als auch viele Begebenheiten, Erzählungen und generelle moralische Metaphern.

Obwohl der Koran nicht chronologisch sortiert ist, ist es üblich, ihn in seiner ursprünglichen Reihenfolge zu rezitieren. Dabei wird er auch gerne in 30 Teile zerlegt, weil es eine beliebte Praxis ist zum Beispiel im Ramadan den Koran Tag für Tag, alle 30 Tage hindurch zu rezitieren, sodass man ihn einmal komplett gelesen hat, wenn der heilige Monat zu Ende geht.

Ein anderer Unterschied zur Bibel ist, dass der Koran sehr interpretationsoffen ist. Das heißt, es gibt die Notwendigkeit, ihn auszulegen. Der Koran ist eine Lehrreligion und es gibt zum Teil sehr ausführliche, große Buchsammlungen, die sich mit der Deutung und der Interpretation der einzelnen Koranstellen befassen. Was das auch heißt ist, es gibt eigentlich keine zentrale Deutung des Korans. Es ist nicht so, wie in der christlichen Welt, dass man Religionsführer hat, die mehr oder weniger die offizielle Hoheit über die Deutung haben, sondern es gibt sozusagen gelehrte Schulen und Lesarten, denen man sich verpflichten kann und entsprechende Gelehrte, die sich dazu äußern und theologische Auslegungen liefern, die dann mehr oder weniger verbindlich sind.

Wer sich des Arabischen nicht mächtig sieht und sich trotzdem mit dem Koran befassen möchte, der findet auf islam.de eine deutsche Übersetzung dieses Buches – gefördert und vorangetrieben vom Zentralrat der Muslime. Auch deren Webseite ist ein Besuch wert finde ich. Alleine schon, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Themen denn die muslimische Gemeinde in Deutschland umtreibt und wie ihr Zentralorgan darauf reagiert. Es ist interessant. Da gibt es viele interessante Materialien, Informationen und Medien zum Anschauen.

Bis bald.

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