119 – Timbuktu


Timbuktu ist eine der berühmtesten afrikanischen Städte und UNESCO Weltkulturerbe.

Bild: Wikimedia Commons

 

 

#119 – Timbuktu

Timbuktu ist in meiner Familie ein geflügeltes Wort. Es ist sozusagen unsere Variante von “JWD” oder “Hinter’m Mond links” oder “Da, wo der Pfeffer wächst” vielleicht auch mal. Jedenfalls ganz weit weg. Und da haben wir ja auch nicht ganz Unrecht. Timbuktu – wie Du vielleicht schon in der Episode über die Sahara gehört hast – liegt ja auf dem afrikanischen Kontinent und lag mal am Rande der Sahara. Inzwischen praktisch schon mitten drin, denn die Sahara dehnt sich ja aus. Und Timbuktu ist auf Platz 119 der UNESCO Liste der Weltkulturerbestätten.

Im 15. und 16. Jahrhundert war diese Oasenstadt ein Zentrum der Kultur und des Handels; war ein wichtiger Stützpunkt gerade auch für Karawanen und durchziehende Touareg und hat mit seinen Universitäten und religiösen Stätten auch eine zentrale Rolle in der Verbreitung des Islams und des Wissens auf dem afrikanischen Kontinents gespielt.

Baulich ist Timbuktu sehr von Sandsteinen und Sandfarben geprägt und die Weltkulturerbestätte sind zum Beispiel eben historische Gebäude, wie etwa Pyramiden. Auf der Weltkulturerbeliste ist Timbuktu allerdings wegen seiner großen Moscheen. Es gibt mehrere Moscheen im Stadtbild und mehrer Mausoleen, die als Weltkulturerbe deswegen von Bedeutung sind, weil sie einfach auch zeigen, wie weit entwickelt Timbuktu damals war. Im 16. Jahrhundert lebten in Timbuktu über 100.000 Menschen. Das sind auch schon mal doppelt so viele als heute im Stadtgebiet unterwegs sind.

Leider sind besonders die Mausoleen immer wieder Ziel von islamischen Radikalen. 2012 machten zum Beispiel groß angelegte Zerstörungskampagnen, bei denen die Mausoleen systematisch eingerissen wurden, Schlagzeilen und sorgten für Entsetzen. Als sie endlich aus der Stadt vertrieben wurden, setzten sie abschließend noch die die Bibliothek von Timbuktu in Brand und zerstörten damit eine bis heute nicht ganz geklärte Anzahl von unersetzbaren Dokumenten.

Dass Timbuktu zum geflügelten Wort wurde und das nicht nur in meiner Familie, hat natürlich einen Grund. Denn Timbuktu galt als geradezu obszön reich. Es war eine Goldstadt, es war eine Handelsstadt und was natürlich den Mythos noch weiter befeuerte: Es war für Ungläubige tabu dort anzukommen. Und es war obendrein schwer zu erreichen. Der Niger fließt wenige Kilometer entfernt vorbei und die Lage am Rande der Sahara – beides macht es nicht unbedingt gerade zu einem Ziel, das sehr bequem erreichbar ist.

Heute sieht die Lage natürlich etwas besser aus. Es gibt einen kleinen Flughafen; auch Ungläubige dürfen Timbuktu anreisen, aber im 19. Jahrhundert war das schon speziell. Im 19. Jahrhundert sorgte das geradezu für einen Wettlauf der Wissenschaftler. Frankreich war gerade recht aktiv in der Region und besetzte Gebiete.

England wollte unbedingt mehr über den Kontinent wissen, natürlich auch, um seine kolonialen Bestrebungen auszubauen. Und wir Deutschen? Naja. Wir Deutschen waren ja irgendwie auch schon immer neugierig.

Bekannt mit seiner Forschung in Timbuktu und einem immerhin 3.500 Seiten fassenden Werk über Timbuktu wurde dann Heinrich Bart. Der untersuchte Timbuktu in den 1850er Jahren genauer und lebte dort unter dem Schutz eines islamischen Gelehrten und erforschte die Stadt. Heinrich Bart soll zunächst mal richtig enttäuscht reagiert haben, als er die Stadt endlich zu Gesicht bekommen hat. Die Lehmbauten, der Flugsand, alles das macht die Stadt jetzt nicht gerade zu einer strahlenden Perle Afrikas. Aber die reichhaltige und vielseitige Geschichte der Stadt und die Rolle, die es in der Geschichte gespielt hat, die macht natürlich so manches wett.

Trotzdem schafft es Timbuktu wahrscheinlich nicht auf meine persönliche Liste der Städte, die ich unbedingt sehen möchte. Ist ganz nett. Die Lehmbauten können ja vielleicht auch spannend sein, aber ich gebe es zu: Flugsand ist nicht ganz so meins!

Bis bald.

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