120 Jahre altes Bier


120 Jahre alt war ein Bier, das Taucher sicher verschlossen auf dem Grund eines Hafenbeckens gefunden haben. Nach Tests stellte sich heraus, dass es noch trinkbar war weswegen es selbstverständlich auch verkostet wurde… Grund genug die Frage zu stellen wie lange verschiedene alkoholische Getränke eigentlich haltbar sind.

Bild: Wikimedia Commons

 

 

#120 Jahre altes Bier

Ich trinke ja schon seit knapp vier Jahren prinzipiell keinen Alkohol. Das hat mal als so eine Art Projekt angefangen und blieb heute hängen und sorgte dafür, dass wir unsere Alkoholreserven, als wir dann nach Frankfurt gezogen sind, irgendwann mal gesammelt und entsorgt haben. Ich war auch immer schon der Typ Alkoholtrinker, der eigentlich allem was mehr als 15% hat, sehr skeptisch gegenübersteht und deswegen wurden dann so mitgebrachte Cognac-Flaschen oder irgendwelche Whiskeys oder sonstiges Zeug immer auf derselben Regalseite hingestellt, wo sie dann mehr oder weniger gut aussehen konnten.

Als wir dann umgezogen sind, haben wir diese ganzen Flaschen genommen und haben sie in den Ausguss geleert und ich habe noch diesen Witz gemacht, dass wenn jetzt draußen an einem der Gullideckel jemand eine Zigarette weg schnippt, wahrscheinlich die ganze Siedlung in die Luft fliegt. Wir hätten wahrscheinlich viele dieser Getränke auch noch ganz gut trinken können, wenn wir denn gewollt hätten. Denn alkoholische Getränke halten manchmal schon verdammt lang, bevor sie schlecht werden. Und manche werden schlecht, lassen sich aber trotzdem noch trinken.

So zum Beispiel die 120 Jahre alte Bierflasche, die kanadische Taucher vor einiger Zeit an die Oberfläche geholt haben. Die haben das dann getestet, haben festgestellt: Aha, es ist sogar noch Alkohol drin; es ist nicht giftig; es hat alle möglichen chemischen Stoffe inzwischen produziert, aber man kann es trinken und was macht man dann? – Natürlich, klar, logisch, man vertestet das. Ich weiß nicht, ob ich das wirklich hätte trinken wollen.

Ein bisschen ist es aber wahrscheinlich so, wie die Frage nach, warum man auf einen Berg geht. Weil er da ist. Und so gab es eine ganz formale Verkostung, bei der so Dinge festgestellt wurden wie, dass das Ganze minzig, salzig und bitter schmecken würde. Und ich habe mir dann die Frage gestellt: Wie lange kann man denn jetzt eigentlich das Zeug wirklich lagern? Das ist ja wohl auch sehr unterschiedlich, je nachdem welchen Stoff wir uns da anschauen. Cocktails zum Beispiel – so habe ich gelernt – kann man am Stück, so wie sie sind, besonders wenn sie hochprozentig sind, in ein Gefrierfach packen. Dann werden die ein bisschen ölig und vielleicht gefrieren sie auch ein wenig, aber sie erhalten sich. Sie schmecken nach wie vor weiterhin so, wie sie davor geschmeckt haben und selbst der Alkohol bleibt erhalten.

Beim Wein hängt es wohl von der Traube ab, mit der er gemacht wurde, wie lange er denn nun hält und ab wann er eigentlich nicht mehr wirklich gut schmeckt. Und Wein wird liegend gelagert. Das unterscheidet ihn von manchen anderen Getränken, nämlich zum Beispiel dem Whiskey. Whiskey profitiert nicht davon, wenn man ihn hinlegt – den lagert man stehend. Man schützt ihn aber vor Sonnenlicht.

Aber was altert denn jetzt nun an Getränken, wie Whiskey oder Wein oder Bier? Um mal eins gleich vorweg zu nehmen: Im klassischen Sinne richtig schlecht werden solche Getränke eigentlich nicht. Der Alkohol desinfiziert schon mal ganz gut. Was aber stattfindet ist die sogenannte Oxidation.

Das heißt, der Sauerstoff – zum Beispiel der in der Luft oder der, der im Getränkt, oder der, der in der Flasche ist – reagiert mit den Bestandteilen des Getränks. Gar nicht mal so sehr mit dem Alkohol selber – Alkohol ist da recht resistent – aber mit zum Beispiel mit den verschiedenen Aromastoffen in der Flüssigkeit. Jetzt gibt es Dinge, die beschleunigen diesen Prozess: Einmal die Zuführung von Luft – also wir sollten versuchen, das Ganze möglichst Luftdicht zu lagern. Der zweite Faktor ist die Wärme, die wir zuführen. Je kühler Getränke gelagert sind oder je kühler ganz generell, desto langsamer finden solche Prozesse statt. Und als dritter Faktor ist noch Sonneneinstrahlung. Einmal natürlich wegen der Wärme, aber auch, weil das bestimmte Aromastoffe und bestimmte Getränkebestandteile zersetzen kann.

Was heißt das jetzt nun für mich als Konsument? Im Endeffekt heißt das, hochprozentige Spirituosen kann man theoretisch ewig lagern. Wenn sie denn nur luftdicht, kühl und dunkel gelagert sind. Es gibt Cognacs aus dem 18. Jahrhundert, die man immer noch mit Genuss trinken kann. Genauso ist das mit hochprozentigen Likören. Auch die kann man bei fachgerechter Lagerung mehrere Jahrhunderte aufbewahren.

Wenn wir dann niedrigprozentiger werden, also Liköre mit weniger als 30% oder irgendwelche Getränke mit Sahne und Milch drin, wie zum Beispiel Bailey’s, dann ist es so, dass die normalerweise geschmacklich irgendwann leiden. Da gibt es relativ schnelle Oxidationsprozesse. Es bilden sich Aromen und irgendwann will man das einfach nicht mehr trinken. Bei Getränken wie Bailey’s spricht man von maximal fünf Jahren, die man die aufbewahrt.

Generell wäre es auch so, sobald so eine Flasche offen ist, tut man sich einen Gefallen, indem man die auch innerhalb der nächsten paar Monate auch wirklich leert. Denn sobald die Flasche offen ist, kommt natürlich zusätzlicher Sauerstoff rein; sie schließt wahrscheinlich auch nicht mehr ganz so dicht, wie sie vorher war. Das heißt, alle diese Prozesse laufen dann beschleunigt ab und das Zeug schmeckt einfach irgendwann nicht mehr. Außer: Man hebt’s gleich solange auf, dass in 120 Jahren irgendwelche Wissenschaftler-Verkoster oder Profis sich in Gruppen hinstellen können und ein bitteres, ekeliges Gesöff Probetrinken wollen. Kann man machen – muss man aber nicht!

Bis bald.

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