122 – ISO


Standards gibt es viele, aber die Königin aller Standardisierungsgremien ist sicherlich das ISO-Konsortium mit 160 Mitgliedern und schier endlosen Listen von Themen.

 

 

#122 – ISO

American National Standards Institute, AP Stylebook, Brazilan National Standards Organisation, BSI, Bureau of Indian Standards, Canadian Standards Association, European Committee for Standardisation, Interface 2010, International Electrotechnical Commission – na? Sag mir das mal nach. IEEE Standards Association, International Telecommunication Union, Association française de normalisation und … okay, ich höre jetzt auf. Das alles sind Standard-Gremien und deren Standards tauchen in meinen Recherchen für die verschiedenen Episoden immer wieder auf.

So habe ich mich zum Beispiel ganz kurz gefreut, dass ich heute über Fotografie reden kann, bis ich festgestellt habe, dass es nicht die 122, sondern die 1222 ist, was der Standard für Stativ-Verbindungen in der Fotografie wäre. Oahh, ist das nicht spannend?!

Und diese Standard-Gremien haben ja meistens auch noch verschiedene Arbeitsgruppen und verschiedene Stufen in ihrer Standardisierung. Das heißt, es gibt ganz viele Listen. Also die verschiedenen Standards in den Arbeitsgruppen sind durchnummeriert usw.

Die Arbeitsgruppe 122 beschäftigt sich im ISO-Gremium beispielsweise mit Verpackungen. Ich stelle mir vor, wie das wohl sein muss, wenn man auf einer Party steht, wir kennen ja alle die Situation: Man trifft neue Leute, unterhält sich “Na, was machst Du? – Aha, Gehirnchirurg. Und Du? – Naja, also, ich bin im ISO-Gremium als Beisitzer.” Und dann “Ahh, das ist ja spannend! Was macht man denn so im ISO-Gremium? Was ist denn so der Standard, um den Du Dich bemühst?” Und dann sagst Du: “Verpackungen!” Und nach einer kurzen Pause fragt Dich dann Dein Gegenüber: “Ich bin mir sicher, das ist interessant. Was sind denn das dann so für Standards?” Und dann kannst Du sagen, da gibt es 41 verschiedene Standards, die man inzwischen schon verabschiedet hat. Darunter so Schmuckstücke wie Graphical Symbols for handling and storage of Packages. Zu Deutsch: Der Kram, der auf Packungen draufgedruckt wird, damit man weiß, wie man die handhaben muss.

Oder wie wäre es mit den zwei verschiedenen Standard, nämlich ISO 65901 und 65902, die sich mit der Handhabung von Verpackungssäcken beschäftigen? Da gibt es nämlich einen Teil 1 für die Papiersäcke und einen Teil 2 für Säcke, die aus Thermoplastik gemacht sind. Aber es dürfte ja auch jedem klar sein, dass mit zwei Standards das Ganze nicht umfassend beschrieben ist, deswegen gibt es noch fünf weitere, die sich zum Beispiel auch mit der Messbarkeit und der Lagerung von leeren Papiersäcken oder leeren Thermoplastiksäcken beschäftigen. Oder dem Testen von solchen Säcken. Habe ich gesagt fünf? Nein, ich habe weiter runter gescrollt! Da sind dann mindestens noch mal fünf und ich weiß gar nicht, wo in den anderen Standards sonst noch überall Transportsäcke beschrieben werden.

Naja, vielleicht aber schon etwas interessanter könnten natürlich die weitergehenden Standards sein. Da gibt es Standards, die sich etwa mit der Verwendung von sogenannten RFID-Chips in Containern und Transporteinheiten beschäftigen. Das ist schon spannend. Da geht es um diese kleinen Mini-Chips, die eine eindeutige Nummer von sich geben, sobald sie in die Nähe einer Empfangsantenne kommen. Denn das ist ganz eindeutig eine Schlüsseltechnologie, die ganz umfassend beeinflusst, wie wir Warenwirtschaft heutzutage betreiben – sowohl im Kleinen, als auch im Großen.

In jedem Fall, auch wenn ich mich jetzt gerade auch so ein bisschen lustig darüber gemacht habe, leistet das ISO-Gremium unglaublich wichtige Arbeit. Auch wenn es vielleicht nicht ganz so partytauglich ist. Allein die Tatsache, dass wir weltweit mit einheitlichen Systemen Handel treiben und Verpackungen durch die Gegend schieben können, haben wir wahrscheinlich auch der Arbeit dieser Arbeitsgruppe 122 zu verdanken. Denn ISO-Standards haben auf jeden Fall immer wichtige Signalwirkungen, selbst in Ländern, die nicht direkt ISO-Standards übernehmen und von denen gibt es gar nicht mehr so viele. 164 Länder sind inzwischen ISO-Mitglied.

Die Verwaltung der ISO-Organisation ist in Genf. Amtssprachen sind Englisch, Französisch und Russisch und die 164 Länder, die Mitglied sind, versuchen dann im Allgemeinen natürlich auch die jeweils rauskommenden Standards sowohl zu beeinflussen, indem sie eben daran mitarbeiten, als auch umzusetzen, sobald diese Standards verabschiedet werden. Das hat dann zum Teil direkte Auswirkung auch auf die Gesetzgebung, sodass beispielsweise bestimmte Steuervorteile an das Umsetzen von ISO-Normen gebunden werden usw.

Standardisiert kann zunächst mal alles werden. Wenn man zum Beispiel über die Liste der knapp 300 Arbeitsgruppen drüber scrollt, findet man beispielsweise, dass Arbeitsgruppe 71 sich mit Zement auseinandersetzt. Während die 76 sich beispielsweise mit Transfusionen, Infusionen und ganz allgemein allem, was irgendwie mit Blutverarbeitung zu tun hat, beschäftigt.

In der 85 geht’s um nuklear gewonnene Energie. Die 87 beschäftigt sich mit Kork. Die 92 ist Feuersicherheit, in der 96 haben wir Kräne. Die 106 ist der Zahnarztkunst gewidmet. Juwelen fallen in den Aufgabenbereich der Arbeitsgruppe 173 und die Sicherheit von Spielzeug in die 181 usw., usw. Du darfst also ganz sicher annehmen, dass ich auf diese ergiebige Liste von Themen noch mal zurückgreifen werde, irgendwann später im Anerzähler.

ISO selbst macht aber noch nicht mal gerade alles. Also, auch wenn man sich diese Liste anschaut und das Gefühl hat, es gibt Standards für fast jeden Bereich unseres Lebens, dann ist es doch so, dass ISO sehr viel in Zusammenarbeit mit anderen Committees und Vereinen durchführt. Die haben auf ihrer Webseite eine Liste dieser Vereine und die enthält mehrere hundert unabhängige Veranstaltungen, die ganz ähnliche Arbeit leisten. Also, Fachleute in Experten-Gremien zusammenfassen, die dann Papier produzieren, auf dem beschrieben ist, wie bestimmte Prozesse, Zusammensetzungen oder Verfahrensnormen aussehen sollen.

ISO hat einen gewissen Sonderstatus deswegen, weil es nicht nur 164 Mitgliedsstaaten hat, sondern auch eine ausgeprägte beratende Funktion im United Nations Economic and Social Council hat. Es war eine der ersten Organisationen, die diesen Status erlangt hat und seither natürlich eine beratende Sonderstellung einnimmt und deswegen auch für alle anderen Organisationen interessant ist als Partner.

ISO trägt sich finanziell durch die Mitgliedsbeiträge, die bestehende Mitglieder in dem Gremium einzahlen müssen. Und dadurch, dass die Standards, wenn sie denn mal veröffentlicht werden, kostenpflichtig sind und nach Kopien berechnet werden. Und die sind auch gar nicht so billig… Ich konnte jetzt leider nicht genau feststellen, wonach die einzelnen Preise berechnet werden, aber auf der ISO Webseite beispielsweise, rangieren die ISO-Standards, die unsere Arbeitsgruppe 122 produziert hat, zwischen – im billigsten Fall – 38 Schweizer Franken und im teuersten Fall 138 Schweizer Franken. Und es gibt noch deutlich teurere ISO-Standards in anderen Arbeitsgruppen.

Ein paar wenige, geradezu berühmte ISO-Standards gibt es im Übrigen auch: So gibt es beispielsweise den Standard ISO 3103, der die korrekte Methode beschreibt, Tee zu brauen und 1999 den alternativen Nobelpreis gewonnen hat. Ich persönlich finde ja ISO 5218 noch besser. Das beschreibt nämlich, wie man das menschliche Geschlecht in Datenbanken darstellen kann; definiert vier Codes, nämlich 0 für unbekannt, 1 für männlich, 2 für weiblich und 9 für not applicable.

Gott sei Dank haben wir das geklärt.

Bis bald.

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