125 Liberatrix


Wir alle haben gelernt wie das Sonnensystem aufgebaut ist. Aber wie viele Asteroiden darin wirklich herumfliegen machen wir uns meist gar nicht bewusst. Inzwischen sind viele dieser mal kleineren, mal größeren Objekte Kartografiert, so auch das Objekt der heutigen Sendung 125 Liberatrix.

https://en.wikipedia.org/wiki/125_Liberatrix
https://de.wikipedia.org/wiki/Asteroideng%C3%BCrtel
https://de.wikipedia.org/wiki/Trojaner_(Astronomie)
https://de.wikipedia.org/wiki/Planet
https://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Henry_and_Prosper_Henry

 

Bild: Von NASA/JPL-Caltech/JAXA/ESA – http://dawn.jpl.nasa.gov/multimedia/images/571372main_pia14316-43_800-600.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15852353

 

 

# 125 Liberatrix

Wir wissen ja alle, dass im Sonnensystem eine Menge Asteroiden herumfliegen. Und diese Erkenntnis haben wir auch schon etwas länger gesammelt, seit wir nämlich unser Sonnensystem systematisch mit Teleskopen beobachten.

Der Asteroid 125 Liberatrix ist ein solcher Asteroid. Der Name übrigens, den man als Deutscher auch versucht sein könnte Liberatrix auszusprechen, soll eine verweiblichte Version des englischen Wortes Liberator sein. Wir werden leider wohl nie so richtig wissen, warum Prosper Henry am 11. September 1872 gerade diesen Namen wählte, aber es wird vermutet, es könnte etwas mit der Befreiung Frankreichs von den Preußen im französisch-preußischen Krieg 1870 zu tun haben. Vielleicht müssten wir Liberatrix daher auch eigentlich französisch aussprechen. Das erspare ich Dir jetzt aber einfach mal.

Liberatrix jedenfalls dreht sich in vier Stunden ungefähr einmal um sich selbst und Liberatrix gehört zu dem Hauptteil der Asteroiden im Sonnensystem im sogenannten Asteroidengürtel. Und der ist wirklich spannend! Der Asteroidengürtel liegt zwischen Mars und Jupiter. Das machen wir uns meistens gar nicht klar, wenn wir uns ein Schema vom Sonnensystem anschauen. Dass nämlich rund 600.000 Objekte zwischen Mars und Jupiter in einem riesigen Gürtel in unserem Sonnensystem herumfliegen.

Die Gesamtmasse dieser Asteroiden in diesem Hauptgürtel beträgt ungefähr 5% der Masse des Mondes und entspricht in etwa der Masse des größten Uranusmondes Titania oder auch ungefähr einem Drittel Pluto. Es ist also schon mal ganz ordentlich. Liberatrix nun ist 61,05 Kilometer groß und er besteht überwiegend aus Metallen und Mineralen. Liberatrix gehört zu einer ganzen Familie von Asteroiden die in diesem Bereich herumschwirren und ihr Entdecker Paul Henry und sein Bruder Prosper Mathieu Henry haben insgesamt 14 solcher Asteroiden entdeckt. Deswegen haben sie auch einen eigenen Krater auf dem Mond und einen anderen eigenen Krater auf dem Mars – beide jeweils Henry genannt.

Was ich spannend finde ist die Geschichte der Entdeckungen dieser ganzen Objekte. Das fand ja alles im 19. Jahrhundert statt, also zwischen 1804 und 1905, so ungefähr. Und damals, zumindest mal in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wusste man noch nicht, dass es diese 600.000 Objekte als Asteroidengürtel gab, sondern hat den Himmel beobachtet und jedes große Objekt als einen neuen Planeten gefeiert. So kam es auch, dass der Planet Neptun, als er 1846 entdeckt wurde, als 13. Planet gezählt wurde. Und ich dachte schon Plute – mal weg, mal wieder dazu – wäre eine dramatische Umgestaltung und ging immer von unseren, 9 oder 8 oder was auch immer es gerade im Moment sind, Planeten aus.

Im Jahr 1850 war es jedenfalls irgendwann völlig klar, dass es derart viele Objekte gab, dass es keinen Sinn macht, die alle als Planeten zu zählen und so hat Alexander von Humboldt – ja, DER Alexander von Humboldt – 1851 vorgeschlagen, die Zahl der großen Planeten auf 8 zu begrenzen. Und als Ausgleich für die anderen Objekte, die Klasse der Asteroiden vorgeschlagen.

Diese Asteroiden oder Kleinplaneten oder Planetoiden sind danach in rauhen Mengen entdeckt worden. Bis 1890 waren es schon über 300. Inzwischen – wie gesagt – wissen wir, dass es in diesem Gürtel mehr als 600.000 Objekte gibt und manche von diesen Asteroiden haben selber wieder eigene kleine Monde.

Neben der Form, der Größe und der Art der Umlaufbahn gibt es natürlich eine ganze Reihe von Kriterien, warum etwas ein Asteroid, ein Planetoid, ein Planet oder irgendwas anderes sein sollte. Die IAU, also die Internationale Astronomische Union, hat deswegen im Jahr 2006 eine umfassende Definition all dieser Begrifflichkeiten vorgenommen und hat für Planeten festgestellt, dass alles ein Planet ist, was sich in einer Umlaufbahn um die Sonne bewegt; eine Masse groß genug hat, um sich als Objekt im hydrostatischen Gleichgewicht zu befinden – also annähernd kugelähnlich zu sein – und das dominierende Objekt in seiner Umlaufbahn ist. Das genau ist das Kriterium, das übrigens Pluto zum Verhängnis wurde. Denn Pluto ist nicht das einzige Objekt dieser Größe in seiner Umlaufban, da gibt es mehrere und so wurde er zum Zwergplaneten herabgestuft. Armer Pluto!

Der Asteroidengürtel, in dem Liberatrix seine Heimat hat, ist im Übrigen nicht der einzige Asteroidenhaufen, den wir im Sonnensystem haben. Ganze Gruppen von Objekten kreisen zum Beispiel auf ähnlichen Bahnen, wie der Jupiter oder auch wir selber in unserer direkten Nähe haben ein paar Begleiter, die auf derselben Laufbahn um die Sonne kreisen, wie die Erde. Diese Objekte nennt man Trojaner. Das sind Gruppen von Asteroiden, die um die Sonne kreisen und sich in einer – nennen wir es mal – Beziehung zu dem eigentlichen Hauptplaneten dieser Bahn befinden.

Die Venus hat ein paar Trojaner, wir haben mindestens einen Trojaner, den man im Juli 2011 gefunden hat. Mars hat welche. Jupiter hat eine ganze Reihe und diese Trojaner tragen, bisher zumindest, Namen, die aus Homers Ilias entlehnt sind. Die vorauseilenden Asteroiden in dieser Kategory werden nach den Griechen benannt und die nacheilenden nach den trojanischen Helden.

Bis bald.

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