126 – Luftbetankung


Flugzeuge durch Flugzeuge im Flug betanken. Das ist in Kürze die Beschreibung der täglichen Aufgabe der 126. Luftbetankungseinheit der US Airforce. Schon sehr früh haben Piloten, etwa durch die Weitergabe von Benzinkanistern in der Luft Betankungen vorgenommen. Inzwischen wird aber nicht nur betankt, sondern auch gleich noch nach-bewaffnet. Und mit Dronen etc. auch noch vollautomatisch…

https://de.wikipedia.org/wiki/Luftbetankung
https://en.wikipedia.org/wiki/126th_Air_Refueling_Squadron

Bild: U.S. Air Force photo by Master Sgt. Rob Wieland – http://www.af.mil/news/story_media.asp?id=123123397, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5175083

 

 

#126 – Luftbetankung

Ich bin ja Technologiefan und als solcher bin ich der Erste, der in der Reihe steht, wenn technologische Lösungen irgendwie cool, spektakulär, interessant oder sonst wie sind. Aber so manche technische Lösung existiert da draußen, die ich auch immer irgendwie etwas seltsam fand. Ich erinnere mich noch daran, dass ich als kleiner Junge meine Eltern in den Wahnsinn getrieben habe, indem ich Nachfragen stellte wie, warum es eigentlich sinnvoll ist, Autos mit einem LKW zu transportieren. Die können doch schließlich selber fahren. Oder die Frage gestellt habe, warum es eigentlich sinnvoll ist, Kleidung aus Asien an uns zu liefern, wo wir die doch selber auch produzieren könnten. usw. Das war halt einfach bevor ich verstanden habe, wie das mit dem Geld und dem Handel funktioniert.

Manches davon hat sich dann also für mich hinterher entzaubert und aufgeklärt, ich habe es verstanden. Aber das ein oder andere fühlt sich auch heute noch seltsam an und selbst wenn ich es verstanden habe. So finde ich Autotransporte immer noch irgendwie seltsam. Und in derselben Kategorie ist das heutige Thema, bei dem ich nämlich bei meiner Suche über das 126th Air Refueling Squadron gestolpert bin. Und da fielen mir gleich mehrere Fragen ein: Woher kommt eigentlich die Idee? Wer hat’s erfunden? Gibt es 126th Air Refueling Squadrons oder ist es die 126. Einheit der US Air Force, über die wir da sprechen? Und noch einige andere.

Aber um das jetzt mal zu sortieren, fangen wir mal vorne an: Luftbetankung ist genau das, was der Begriff bezeichnet. Nämlich die Möglichkeit im Flug in der Luft zu tanken. Das ist also nicht Tanken mit Luft, sondern Tanken in der Luft, über das wir hier sprechen. Betankt werden kann alles was fliegt, nämlich Flugzeuge und eben auch Helikopter. Die Betankung wird in der Regel von einem Spezialflugzeug aus vorgenommen. Das ist dann darauf ausgelegt, möglichst große Mengen Treibstoff transportieren zu können und hat eben entsprechende Tankvorrichtungen mit angebracht.

Die Grundidee der Luftbetankung ist natürlich die Reichweite von Maschinen zu vergrößern – also, es einzelnen Maschinen zu ermöglichen, länger in der Luft zu bleiben. Den Wunsch hatten auch schon die ersten Piloten und damals war es ja noch so, dass mit mehr oder weniger klassischen Benzin flog und Piloten hatten oft auch einen Benzinkanister oder mehrere Benzinkanister mit an Board. Es wird berichtet, dass schon sehr früh in den Anfängen der Luftfahrt versucht wurde, solche Benzinkanister in der Luft weiterzugeben, sodass der “Nachbarpilot” mal eben nachtanken konnte.

Jetzt weiß ich natürlich nicht, wo bei so einem Propeller-Doppeldecker-Flugzeug der Tankfüllstutzen normalerweise wäre, aber ich stelle mir das halb akrobatisch vor, in der Luft nachzutanken.

Die allererste erfolgreiche Luftbetankung, die dokumentiert wurde, fand am 27. Juni 1923 statt. Da haben zwei United States Army Air Service Piloten, nämlich Laurel Smith und John Richter mit speziell umgebauten Flugzeugen eine Luftbetankung durchgeführt. Das hat dann auch nicht mehr mit Benzinkanistern funktioniert, sondern das eine Flugzeug hatte einen 500 Liter Tank für Sprit an Board und einen mit Metall verstärkten Schlauch, den das andere Flugzeug auffangen, in seinen Tankstutzen einführen und dann eben durch das Betätigen eines Ventils, den jeweiligen Sprit abzapfen musste. So eine Art fliegende Tankstelle sozusagen, wurde da nachgebildet.

Die erste Luftbetankung im modernen Sinne, also mit einem Tankkoppelsystem, das so halbautomatisch funktioniert, mit Hilfe eines Schleppseils und einer Winde usw., das ist eine deutsche Weiterentwicklung. Wie muss man sich jetzt so eine Luftbetankung praktisch vorstellen? Im Endeffekt funktioniert das so: Auf einer längeren Strecke befinden sich lokal stationierte Tankflugzeuge auf irgendwelchen Militärstützpunkten usw. Spezielle wichtige Flugzeuge, etwa Bomber oder Kampfflugzeuge heben nun auf einem entfernten Flughafen ab und fliegen ihr Ziel an. Und um eben nicht Zwischenlandungen durchführen zu müssen, oder vielleicht auch manchmal, weil Zwischenlandungen nicht so einfach machbar sind oder einen nicht zu vertretenden Zeitverlust bedeuten würden, werden diese Flugzeuge dann eben jeweils an ihren Zwischenstationen in der Luft betankt.

So zum Beispiel hat die US-Luftwaffe wohl so einige Angriffe im Irak gestartet, wobei die Flugzeuge der US-Luftwaffe, B52 Bomber überwiegend, vom US-amerikanischen Festland aus flogen und dann eben auf dem Weg zu ihrem Ziel mehrmals in der Luft betankt worden sind.

Richtig absurd finde ich ja einen Angriff, den ich in der deutschen Wikipedia gefunden habe. Nämlich die sogenannte Operation Black Bug, die im Falklandkrieg im Jahr 1982 stattfand. Da wurde ein 6.250 Kilometer entferntes Ziel angeflogen. Rechnet man also An- und Abflugsdistanz zusammen, dann kommen wir langsam an die 13.000 Kilometer heran, mit ein paar Schleifen und Kurven etc. Und das war nur möglich, indem ein aufwendig orchestriertes Luftbetankungssystem erdacht und mehrfach betankt wurde. Und hier, das was ich absurd finde: Es wurden nämlich zum Teil auch Tankflugzeuge in der Luft betankt. Und das ist jetzt der Teil, den ich irgendwie schwierig zu verstehen finde. Aber – mein Gott. Vielleicht gibt es ja diese Flugzeuge mit unterschiedlichen Tankaufsätzen und es gibt Flugzeuge, die Tankflugzeuge betanken können und man muss dann diese Tankflugzeuge nehmen, um Bomber zu betanken oder irgendwie andersherum, ich weiß auch nicht.

Neben der Verlängerung der Reichweite hat Luftbetankung auch noch ein paar andere Vorteile: Beispielsweise ist es so, dass Luftbetankung Sprit sparen hilft, weil nämlich die Flugzeuge, die in der Luft betankt werden mit weniger Sprit starten können, dadurch weniger Energie für ihren ersten Anschub brauchen, dadurch weniger Lärm produzieren und dann in der Luft, wenn sie in einer sicheren Transporthöhe sind, von dortigen Maschinen betankt werden können und dann ihre echte Reichweite erreichen können.

Das wird auch mit Passagierflugzeugen getestet und ist eine Möglichkeit, unter Umständen die Belastung an Orten von Flughäfen zu senken. Dann ist es natürlich noch so: Luftbetankung mit Sprit – Okay gut. Aber gerade im Militärfall möchten wir ja vielleicht auch wiederbewaffnen oder die Crew austauchen oder, oder, oder. Dafür gibt es eine ganze Reihe an Forschungsarbeiten und eine ganze Reihe von Projekten, speziell die Neubewaffnung in der Luft ist ein Konzept, dass zurzeit wohl sehr ausführlich untersucht wird.

Und last not least, ist es vielleicht auch spannend, wenn man die Betankungsflugzeuge als eine Art Drohne umsetzen kann, sodass man eben dafür keine Crew in die Luft schicken muss, die dann stundenlang in der Gegend herumfliegt, sondern stattdessen vielleicht gezielt ferngesteuert betanken kann.

Tja, all das lässt mich nach wie vor mit diesem Gefühl zurück, dass es schon irgendwie seltsam ist, Flugzeuge hochzuschicken, um andere Flugzeuge zu betanken, damit beide miteinander weniger Sprit verbrauchen und weiter fliegen können. Das widerspricht halt irgendwie ein ganz klein bisschen meiner völlig unwissenschaftlichen Intuition.

Und das 126th Air Refueling Squadron, gibt es auch ein 125. und ein 127.? – Das sieht nicht so aus. Ich habe gesucht. Das 125., was am nächsten kommt, ist ein Fighter Squadron. Und dann gibt es die 127th Air Refueling Group. Und ich muss sagen: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ein Squadron und ein Group jetzt dasselbe oder unterschiedlich oder nur so was ähnliches sind. Vielleicht bist ja Du, was militärische Bezeichnungen angeht, etwas gewitzter und kannst mich da mal aufklären. Das wäre mir ganz recht, weil ich war dann irgendwann zwischen den verschiedenen Einheitsbezeichnungen echt so ein bisschen lost.

Bis bald.

1 comment for “126 – Luftbetankung

  1. Februar 15, 2016 at 3:25 pm

    Natürlich braucht ein Flugzeug das mit weniger Gewicht startet, weniger Treibstoff zum erreichen der Flughöhe.
    Aber den Energieaufwand steckt man dann natürlich wieder beim Start des Tankflugzeugs rein (mehr noch, weil das Tankflugzeug ebenfalls ein Eigengewicht hat).

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