132 – Die goldenen Drachen des Zhang Heng


Manche Erfindung halten wir ja ganz selbstverständlich für ein Produkt der Neuzeit. Doch in Wirklichkeit sind viele Prinzipien schon vor langer Zeit entdeckt worden und manches Gerät existiert schon länger als man meint. So zum Beispiel der Seismograph, ein Gerät zur Erdbebenaufzeichnung, dessen Prinzip von einem Chinesischen Astronomen in der Han Dynastie entdeckt wurde.

https://en.wikipedia.org/wiki/Zhang_Heng
https://de.wikipedia.org/wiki/Seismograph
http://www.epochtimes.de/newsletter/erstaunliche-technische-hoechstleistungen-im-alten-china-a1049463.html

Bild: Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=551234

 

 

#132 – Die goldenen Drachen des Zhang Heng

Heute wird es wieder historisch. Wir befinden uns im Jahr 132 am Hof des chinesischen Kaisers. Es ist die Han Dynastie, die herrscht und im alten China gab es schon ein ausgeprägtes Bedürfnis nach wissenschaftlichen Erkenntnissen. Man nahm zwar immer noch sämtliche Himmels- und Erdregungen als Zeichen der Götter wahr. Man beobachtete den Sternenhimmel, um daraus die Zukunft abzuleiten, aber gleichzeitig hat das alte China mit die briliantesten Mathematiker und Wissenschaftler der Menschheitsgeschichte hervorgebracht.

Im Jahr 132 nun war einer dieser Hof-Mathematiker auf der Position des Chef-Astronomen – ein Mann namens Zhang Heng. Er war schon im Jahr 112 n. Chr. an den Hof berufen worden, weil er durch herausragende mathematische Leistungen aufgefallen war. Dort war er dann zunächst mal in einer Reihe verschiedener Beamtenposition tätig, bis er dann Chef-Astronom wurde und als solcher dann am Hof sich mit der Sternenkunde und der Kartographie überwiegend beschäftigte.

In einer dem Kaiser so nahen Position ist man natürlich immer auch ein Stück weit Politiker und so hat Zhang Heng eine ganze Reihe von Entscheidungen mit beeinflusst und sich damit natürlich auch nicht nur Freunde gemacht. Im Jahr 132 war Zhang für kurze Zeit das Gespött des gesamten Hofes. Er hatte nämlich behauptet, er könne etwas, dass zu der damaligen Zeit völlig undenkbar war, nämlich auf hunderte Kilometer Entfernung Erdbeben bemerken.

Und nicht nur das – er sagte, er könne auch noch die Richtung angeben, aus der ein Erdbeben stammt. Zu diesem Zweck hatte er ein großes bronzefarbenes Gefäß anschleppen lassen, das innen eine Art Pendel enthielt und außen von neun Drachen getragen wurde, die alle kleine Kügelchen zwischen den Zähnen hielten, die jederzeit herausfallen konnten.

Zhang Heng ließ sich jedoch nicht beirren und behauptete steif und fest, mit diesem Gerät könne er Aussagen darüber treffen, in welcher Richtung Erdbeben stattgefunden hätten und ließ das Gerät eben aufbauen. Und wenig später war es dann soweit. Das Gerät zeigte an, dass in nordwestlicher Richtung ein Erdbeben stattgefunden hätte. Wie zeigt es das an? – Eine der Kugeln war aus dem Maul des Drachen in den Auffangbehälter gefallen.

Nun muss man sich daran erinnern, dass zu der damaligen Zeit, die schnellste Art Informationen zu übertragen, der berittene Bote war. Und berittene Boten brauchten nunmal für lange Distanzen auch mal so eine gewisse Zeit. Genau so lange dauerte dann eben die Häme, die Zhang Heng über sich ergehen lassen musst. Drei Tage dauerte es bis ein berittener Bote aus der besagten Richtung eintraf und in der etwa 400 bis 500 Kilometer entfernten Gansu-Provinz großen Schaden angerichtet hätte.

Und das war der erste Seismograph, den die Menschheit konstruiert hat. Zumindest der erste von dem wir wissen. Auch heute sind Seismographen sehr faszinierende Gerätschaften. An der Stelle empfehle ich gerne mal einen anderen Podcast, und zwar “Astrogeo”. In “Astrogeo” wurde nämlich in der letzten Ausgabe eine seismische Messstelle im Schwarzwald besucht und ich hing völlig fasziniert an diesem Podcast, als darüber geredet wurde, was da eigentlich gemessen wird.

Denn im Endeffekt ist es wohl so, dass bei einem Erdbeben die Erde praktisch wie eine Glocke schwingt. Und diese Schwingungen sind das, was man eigentlich auffängt. Es ist wohl auch so, dass seismische Messungen schon seit über 100 Jahren systematisch weltweit durchgeführt werden und dass die Messungen, die man vor 100 Jahren gemacht hat mit Aufzeichnungen auf Kohlepapier immer noch genauso präzise und weiter verwertbar und auch erhalten sind, wie heutige moderne elektronische Messungen.

Und wenn Du Dich schon jemals gefragt hast, woher wir eigentlich wissen, wie die Erde innen aussieht – weil eine Bohrung können wir nicht machen; wir kommen noch nicht mal durch die äußere Haut der Erde sozusagen – tja, diese Messungen sind die Antwort da drauf. Denn die eben von solchen Seismometern gemessenen Wellen unterscheiden sich nunmal, sowohl in Stärke, Richtung oder auch Art der Welle, je nachdem, ob sie nun durch flüssiges, durch festes, durch heißes, durch kaltes oder durch bestimmte Zusammensetzungen von Material hindurchge-… wie nennt man das eigentlich? -geflossen, -gelaufen? -Gelaufen sind!

Und so kann man eben eine ganze Menge Rückschlüsse daraus ziehen, durch was diese Wellen hindurch gingen. Und die Prinzipien, die sind immer noch dieselben, wie damals bei Zhang Heng, der dann übrigens im Jahr 139 gestorben ist und uns eine ganze Reihe von verschiedenen Geräten und wissenschaftlichen Erkenntnissen hinterließ. Zum Beispiel schreibt man ihm die Erfindung des sogenannten Odometers zu, also des Entfernungsmessers.

Bis bald.  

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