136 – Stechmücken


Laut dem Buch “Die Welt in Zahlen” ist der Tschad das Land mit den meisten Malaria Toten pro 100,000 Einwohner (136). Grund genug sich mit den kleinen Drecksviechern näher zu beschäftigen…

Bild: By James Gathany, CDC [Public domain], via Wikimedia Commons

 

 

#136 – Stechmücken

Ich habe ja ein Buch mit allen möglichen Statistiken, Zahlen und Tabellen – herausgegeben vom Economist. Das heißt “Die Welt in Zahlen” und auf Seite 84 steht da zu lesen, dass der Tschad das Land, mit den meisten Malaria-Toten pro 100.000 Einwohner ist, nämlich 136 Stück. Und Malaria, das wissen wir ja, wird ja von der Anopheles-Stechmücke übertragen.

Mücken sind neben den Fliegen sogenannte Zweiflügler. Und – wusste ich gar nicht – stechen nicht notwendigerweise alle. Nur ein Bruchteil der uns bekannten Mückenarten ernähren sich wirklich von Blut oder brauchen Blut für die Brutaufzucht. Das scheint auch so ein Muster zu sein: Die allermeisten Stechmücken saugen gar nicht Blut, um sich zu ernähren, sondern sie saugen Blut, um ihre Brut zu ernähren, was auch bedeutet, nur die Weibchen stechen.

In Europa gibt es 104 verschiedene Arten von Stechmücken und weltweit sind es ganze 3.500 Stechmücken. Und die Drecksviecher gibt es inzwischen schon seit 79 Mio. Jahren – mindestens mal. Das ist das älteste erhaltene Stechmückenfossil, das wir haben, eingeschlossen in einem Bernstein. Und ich kann mich auch nicht wehren. Ich denke mir auch hin und wieder mal: “Hätte Noah auf die zwei Viecher nicht einfach mal beherzt draufschlagen können und die Sache damit für uns alle erledigen?” Wie? Noah gab es wahrscheinlich nie? Ach, jetzt komm schon!

Dann versuchen wir es doch einfach mal anders: Wir werden doch so ein paar Milliarden Insekten in den Griff bekommen, oder? Und da haben wir auch schon das Problem. Nicht nur wegen der Malaria, sondern wegen einer ganzen Reihe anderer Krankheiten, die ebenso bedrohlich für uns sind, kämpfen verschiedene Länder und Interessenverbände schon lange gegen Mücken. Oft eingesetzt werden da ganz bestimmte Gifte, zum Beispiel DDT, um etwa Landstriche in Afrika komplett von Mücken und wahrscheinlich auch noch einer ganzen Reihe anderer viel nützlicher Insekten zu säubern. Das funktioniert so leidlich und nie vollständig, aber mit großen Nebenwirkungen, denn DDT gelangt dann über die Nahrungskette wieder zurück zum Menschen und ist als schädlich bekannt.

Das andere Problem ist, wir wissen gar nicht so genau einzuschätzen, was denn nun passiert, wenn wir Mücken entfernen. Mücken sind, je nachdem von welcher Art und welchem Landstrich wir reden, oft recht wichtig für verschiedene Lebenskreisläufe. Sie sind Nahrung für andere Tiere und nicht alle Mücken sind bedrohlich oder auch nur schädlich oder auch nur nervig für uns Menschen.

Ziemlich beeindruckt hat mich mal ein TED-Video, das ich gesehen habe. TED – Technology Entertainment Design – ist eine Video-, Vortrags- und Konferenzreihe aus den USA, in denen in ca. 20 Minuten Vorträgen Wissenschaftler, Entrepreneure, Künstler, Politiker, Menschen mit irgendetwas zu sagen eben über ihre Themen reden. Und da gab es mal ein Video, in dem ein Forscher ein Laser gestütztes Mückenabwehrsystem vorstellte. Die grundsätzliche Annahme war: Mücken fliegen normalerweise nicht höher als 4 oder 5 Meter und die andere Annahme war: Man kann mit einem optischen System, das einen Laser ganz gezielt auf eine Mücke richtet und sie im Flug sozusagen abschießt, bestimmte Bereiche, zum Beispiel rund um Krankenhäuser, komplett mit einem “unsichtbaren Mückenschutzschild” versehen.

Das IEEE Spectrum – das ist ein Magazin, das man bekommt, wenn man Mitglied im IEEE ist und das ist eine Ingenieursvereinigung – hatte dann mal eine Beschreibung der Bauteile und eine grobe Erklärung, wie man denn so ein Schutzschild “nachbauen” könnte, abgedruckt. Und ich war durch und durch fasziniert davon. Es hat aber auch etwas befriedigendes, wenn man ein Video davon sieht, wie so ein fliegender Minivampir von einem Laserstrahl im Flug verdampft wird.

Prinzipiell könnte das System sogar einigermaßen funktionieren, aber man muss inzwischen auch über den oberen Teil dieses Schutzschildes nachdeken. Man hat nämlich inzwischen auch herausgefunden, dass diese Mücken sehr wohl höher als drei bis fünf Meter fliegen können und deswegen auch der nach oben offene Teil abgesichert werden müsste.

Der heißeste Kandidat, um unser Malaria- und Mückenproblem vielleicht doch irgendwann mal in den Griff zu bekommen, ist inzwischen die Genforschung. In verschiedenen Laboren, die sich mit der Abwehr von Mücken beschäftigen, sieht nämlich der im Augenblick favorisierte Plan ungefähr so aus: Man erzeugt eine Generation Mücken, die ganz bevorzugt Weibchen hervorbringt, als Junge und zwar bevorzugt oder sehr häufig unfruchtbare Weibchen. Und dann ist es theoretisch zumindest eine Frage der Statistik. Wenn es einfach irgendwann immer mehr von diesen unfruchtbar machenden Genen im Bevölkerungspool der Mücke gibt, dann wird es irgendwann kippen. Männchen finden keine Weibchen mehr, mit denen sie sich paaren können, sterben dann aus und wir sind vielleicht irgendwann die Anopheles-Mücke los.

So die Theorie und ich finde, die klingt auch gar nicht so schlecht. Im Labor funktioniert das alles schon. Jetzt müssen halt noch wirklich die Nebeneffekte, eventuelle Risiken usw. abgeklopft werden und dann irgendwann mal – zzzip, ist es vorbei mit Mücken.

Bis bald.

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