138 – Mauern, Mauern, Mauern


Der römische Kaiser Hadrian starb im Jahr 138 und war Namensgeber des sogenannten Hadrian’s Wall, einer 117 km langen Befestigungsanlage im Norden Englands. Das war allerdings nicht der einzige Wall, eine weitere Befestigung, der sogenannte Antoniuswall war weiter nördlich die Grenze zu Schottland und mit 60 km. knapp halb so lang wie sein großer Nachbar.

Bild: Andrew Smith, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13768882

 

 

#138 – Mauern, Mauern, Mauern

Ich höre ja bekanntlich den einen oder anderen Podcast. Ein Podcast, den ich neulich gehört habe, ist eine Vorlesungsaufzeichnung gewesen der London School of Economics, wo ein Sprecher sich mit dem Thema beschäftigte, wie viel eigentlich die Vorstellungskraft Einfluss auf unsere Realität hat. Und das Beispiel, das er wählte waren Staaten und ihre Grenzen. Schaut man nämlich auf die Erde, wird man feststellen, da sind keine Linien gezogen und die Länder sind auch nicht unterschiedlich coloriert.

Dass wir uns als Menschen auf Staaten und Grenzen verständigen, hat also in erster Linie was mit unserer eigenen Vorstellungskraft und unseren eigenen Aushandlungsprozessen zu tun. Ein sehr spannender Gedanke, wie ich fand.

Natürlich können wir Menschen oft dann auf die Vorstellung auch gleich mal Taten folgen lassen und gerade heutzutage scheint ja das Mittel der Bau einer Mauer oder eines Zauns zu sein. Und das Aufrichten von Wällen und Mauern gehört wohl schon zu einer der ältesten Kulturtechniken, die wir haben. Nicht umsonst gibt es die Chinesische Mauer.

Im Jahr 138 nun und damit auch Inspiration für diese Podcast-Episode, starb ein Herrscher, dessen Mauerbauaktivitäten der vieler anderer weit übertraf. Die Rede ist von Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus oder wie wir ihn heute kennen: Hadrian.

Der regierte eben von 117 bis 138 und war damals relativ viel in seinem Reich unterwegs und bereiste die Ländereien. Das ist bei 20 bis 30 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit auch gar keine schlechte Leistung. Das römische Reich war ein bekanntermaßen kriegerisches Reich, aber zu der Zeit Hadrians einigermaßen stabil.

Und so beschäftigte sich Hadrian mit der Befestigung seines Reiches und ließ praktisch überall sogenannte Limes aufbauen, also Grenzwälle. Das konnte mal ein aufgeschütteter Erdwall sein; das konnten mal aufgerichtete Holzzäune sein; waren aber oft auch bis zu 5 oder 6 Meter hohe Steinwände. Und einer der bekanntesten Grenzwälle, die von Hadrian noch erhalten sind, ist der sogenannte Hadrianswall, der im Norden Englands, England von Schottland abgrenzt und auch in weiten Teilen noch erhalten ist. Besonders das Mittelstück, das aus Stein errichtet wurde, ist noch großzügig erhalten.

Wie heute hat so ein Grenzwall natürlich eine ganze Reihe von Gründen und Funktionen. Das eine, was ganz offensichtlich war, er sollte feindliche Einheiten abhalten. Worum es aber auch immer ging war, die unkontrollierte Einwanderung von ärmeren Stämmen. Für die im Norden Großbritanniens lebenden irischen Stämme, die wegen ihrer Armut versuchten, in den den reicheren Süden zu kommen, muss die 117,5 Kilometer lange, bis zu 4,5 Meter hohe Mauer ganz schön abschreckend gewirkt haben.

Hadrian ließ 320 Türme, 17 Castelle und 80 Tore errichten an dieser Anlage, um einen kontrollierten Grenzverkehr zu gewährleisten. Übrigens: Ein ganzes Stück weiter im Norden, in der Mitte Schottlands, an der schmalsten Stelle, wo Schottland ungefähr 60 Kilometer breit ist, gibt es einen weiteren ganz ähnlichen Wall – den sogenannten Antoniuswall. Der war jetzt nicht durchgehend aus Stein, wie der Hadrianswall, aber diente ebenso dem Kontrollieren von Zu- und Abwanderung und hatte mit 60 Kilometern auch eine immer noch echt beeindruckende Länge.

Was auch noch beeindruckend ist: Während der Hadrianswall durchaus einige Jahre – ich glaube 12 Jahre oder so – gebraucht hat, bis er gestanden ist, war der Antoniuswall in zwei Jahren hingestellt. Es dauerte dann noch ein bisschen, bis man die begleitenden Anlagen auch noch fertig hatte, aber 2 Jahre für ein 60 Kilometer Grenzzaun ist schon mal eine Hausnummer, die, wenn man die Zeit damals bedenkt, durch und durch beeindruckt.

Die sogenannten Limites, das ist die Mehrzahl von Limes, umschlossen praktisch das gesamte damalige Römische Reich, waren aber natürlich nicht lückenlos. Das heißt, manchmal waren das Naturgrenzen, manchmal war es einfach nur ein Fluss, manchmal waren auch einfach Befestigungsanlagen in Sichtweite zur nächsten Befestigungsanlage ausreichend. Denn jede Grenze, die sich mit dem Außenreich, also den Barbaren, den Raum teilt, galt als Limes.

Egal jedenfalls, ob es eine Mauer, eine Palisade oder einfach nur ein Grenzposten war: Der Limes hatte mindestens neben der militärischen auch noch eine symbolische Bedeutung. Signalisierte er doch jedem Heranreisenden, dass hier das Römische Reich begann, mit all seinen Prinzipien und Errungenschaften, zum Beispiel Rechtssicherheit.

Wenn man in dieses Reich einreisen wollte, dann hatte man das gefälligst über einen Grenzposten zu tun. Und wenn man das über einen Grenzposten machte, ordnete man sich damit den Gesetzen des Reiches unter. Wenn man es nicht über einen Grenzposten machte, war man automatisch ein Gesetzesbrecher.

An den Limites entlang haben sich dann aber auch viele der heute noch existierenden Städte gebildet, denn es waren gleichzeitig natürlich, wie immer, als Grenzanlagen und Grenzstädte interessante Marktplätze, interessante Begegnungsorte und Orte von kultureller Vielfalt.

Auch am Main verlief mal ein großer Befestigungswall – der sogenannte Obergermanisch-Rätische Limes ist mit 550 Kilometern derzeit das größte Bodendenkmal der Welt und wie auch der Hadrianswall und der Antoniuswall Weltkulturerbe der UNESCO.

Tja, was machen wir jetzt daraus? Die Politiker heute bauen ja jetzt wieder bauen. Trump will bei Mexiko eine Mauer bauen. Die Türkei baut im Augenblick ernsthaft eine Mauer Richtung Syrien. Israel hat eine Mauer gebaut und das alles basiert auf der Annahme und letztlich der Vorstellung, dass wir ein Recht haben, einen Boden auf dem wir stehen, zu Umzäunen und andere Menschen vom Betreten abzuhalten. Und ganz ehrlich: Mir fällt es wirklich schwer einen Grund zu finden, warum das in Ordnung geht.

Bis bald.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: