158 – Eine Mittelgewichtsehe


John Irving ist mein absoluter Lieblingsautor und Meister der skurrilen Erzählung. Seine Leidenschaft für das Ringen und Wien spiegelt sich genauso oft wieder wie eine seltsame Faszination für Bären… In dem Roman “The 158 Pound Marriage” (Eine Mittelgewichtsehe) kommt all das und mehr zusammen…

https://en.m.wikipedia.org/wiki/The_158-Pound_Marriage
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Eine_Mittelgewichts-Ehe

Bild: Mariusz Kubik, http://www.mariuszkubik.pl – own work, http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Kmarius, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1161976

 

 

#158 – Eine Mittelgewichtsehe

Ich muss wohl so ungefähr 20 gewesen sein, als ich an meinen ersten John Irving Roman kam. Den hatte mir damals ein Arbeitskollege empfohlen und es handelte sich um “Garp und wie er die Welt sah”. Der Roman, um den es jetzt hier heute nicht geht, war unglaublich liebevoll, skurril, durchsetzt von bösem Humor und Schicksalsschlägen – ich habe ihn in einem Rutsch verschlungen.

John Irving wurde als John Wallace Blunt Jr. geboren. Diesen wunderschönen Namen verdankt er seinem Namen – einem Kampfpiloten, nachdem er benannt war. Seine Mutter Helen Francis Winslow war Krankenschwester und ließ sich aber noch vor der Geburt des Sohnes scheiden. Als er ungefähr sechs Jahre alt war, wurde sein Name geändert, denn sein Stiefvater, Colin Franklin Newell Irving, ein Professor für russische Geschichte, hatte ihn adoptiert.

Mit 14 entdeckt John seine Leidenschaft für’s Ringen und fängt an zu schreiben. Er tat sich damit ziemlich schwer, denn er war eigentlich Legastheniker. Trotzdem wusste er spätestens im Alter von 19 Jahren, dass er auf jeden Fall Romane schreiben möchte und weiter Ringen. Seine allererste Roman-Idee hatte er während einem Aufenthalt in Wien. Zwei Semester, Literaturstudent war er damals, brachten ihm mit Tiergarten und Kaffeehäusern so viel Inspiration, dass er das Buch “Lasst die Bären los” schrieb.

In praktisch all seinen Romanen – “Garp und wie er die Welt sah” habe ich ja schon erwähnt, aber auch “Gottes Werk und Teufels Beitrag” ist einer seiner berühmteren Romane, “Owen Meaney”. In jedem seiner Romane also kommt in irgendeiner Form das Ringen, oft auch Bären und die Stationen seiner Lebensreise zum Tragen. So war er beispielsweise in New Hampshire und das kommt natürlich auch vor. Er war in Wien und Wien ist der Schauplatz auch eines weiteren Romans, der für die heutige Episode Themeninspiration war – nämlich die “158 Pound Marriage”. Im Deutschen als “Eine Mittelgewichtsehe” übersetzt.

In Irvings Büchern geht es letztlich oft um Beziehungen. Beziehungen aller Arten und Formen mit einer ordentlichen Prise Sex und eben gerne mal mit Ringen und Bären versehen und in “158 Pound Marriage” geht es praktisch um eine Art Partnertausch. Was relativ schnell klar wird ist, dass die Motive der einzelnen Figuren in dem Roman unterschiedlich sind. Da gibt es diejenigen, die glauben, sich gegenseitig zu lieben. Es gibt andere, wo man annehmen kann, dass sie eigentlich nur auf den Sex aus sind und das ist alles natürlich nicht so richtig ganz in Balance und wird im Verlauf der Handlung nach und nach immer verworrener.

158 Pounds ist eine Gewichtsklasse im Ringen. Überhaupt spielt das Ringen in dem Roman auch in den Titeln der Kapitel eine Rolle. Man hangelt sich sozusagen von Gewichtsklasse zu Gewichtsklasse hoch. Es fängt an mit der 126 Pound-Class, der 134 Pound-Class bis eben der 158 Pound-Class und es gibt eine Nebenhandlung in dem Roman, in dem es eben um einen Ringer geht, der dann zwischen die Fronten der zwei swingenden Pärchen gerät und sozusagen ganz beiläufig dazwischen kommt.

Ich persönlich fand “158 Pound Marriage” nicht unbedingt gerade das beste Werk Irvings. Meine Favoriten sind ziemlich eindeutig “Gottes Werk und Teufels Beitrag”, “Hotel New Hampshire” und “Garp und wie er die Welt sah”. Aber als waschechter Fan würde ich natürlich alles lesen, was John Irving so produziert.

Bis bald.

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