159 Liter Öl sind ein Barrel


Erdöl wird auf dem Weltmarkt ganz selbstverständlich in Barrel gehandelt. Barrel ist das Englische Wort für Fass und hat traditionell 159 Liter Fassungsvermögen, denn so groß waren die ursprünglich eingesetzten Heringsfässer. Natürlich sind die Fässer, die heutzutage Verwendung finden größer und selbstverständlich nicht mehr aus Holz. Ach, und im Elsaß werden sie auch nicht mehr produziert…

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/159-liter-und-ihre-geschichte-gestatten-oel-barrel-oel/12752710.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Merkwiller-Pechelbronn
https://de.wikipedia.org/wiki/Barrel

Bild: Von Claus AbleiterEigenes Werk, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3349507

 

 

#159 Liter Öl sind ein Barrel

Na, weißt du’s? Was ist die Maßeinheit, in der Erdöl gehandelt wird? Damit meine ich jetzt auch nicht an der Tankstelle, sondern am Weltmarkt. Na? Keine Idee? – Ich helfe Dir: Die Rede ist vom Barrel. Erdöl wird in Barrel gemessen und gehandelt.

Barrel ist ein englischer Begriff und heißt soviel wie Fass. Erdöl wird also in Fässern gehandelt oder doch zumindest wird die Menge an Erdöl, die gehandelt wird, in Fässern angegeben. Und in diese Fässer passen genau 159 Liter Öl. Und der Grund dafür ist irgendwie skurril finde ich und deswegen habe ich das auch heute hier zum Episodenthema gemacht. Es geht nämlich um das erste Fass, in das seinerzeit Erdöl gefüllt wurde. Das wär ein gereinigtes Heringsfass aus Holz und in diesem Heringsfass aus Holz fanden 159 Liter Erdöl Platz.

Tja, und wo kamen diese ersten Fässer her? Wir reden hier nicht von Saudi-Arabien. Nein, auch nicht Amerika, sondern dieses erste Erdölfass kam aus Pechelbronn im Elsass. Da gab es nämlich bis zu den 70er Jahren ein Fördergebiet, in dem Erdöl gefördert wurde und dort entstand damals eben auch die Praxis, Erdölprodukte – nicht nur reines Erdöl, sondern auch medizinisches Öl, Lampen- oder Schmieröl, in Fässer abzufüllen.

Tja, die sind heutzutage übrigens auch nicht mehr aus Holz, sondern natürlich aus Metall und eigentlich passen in so ein Standardölfass auch nicht mehr nur 159 Liter, sondern noch ein Drittel mehr. Das hindert aber niemanden dran, auf dem internationalen Ölmarkt weiterhin mit einem Barrel zu rechnen, das 159 Litern entspricht. Pechelbronn hat da übrigens sowieso eine verdammt lange Historie: Schon aus dem Jahr 1498 ist belegt, dass es dort eine Erdpechquelle gab, die auch übrigens heute noch aktiv ist und sozusagen ebenerdig Erdöl abschöpfen konnte. Und dieses Erdöl wurde damals hauptsächlich zu medizinischen Zwecken und bei Hauterkrankungen benutzt. Aber auch das Schmieren von Schubkarren oder Kutschen und ähnlichem war natürlich ein häufiger Anwendungsfall.

Die kommerzielle Nutzung dieses natürlichen Vorkommens begann dann 1735 und Generationen von Technikern besuchten Pechelbronn, um das Handwerk der Raffinierung von Erdöl zu lernen. Heute erinnert daran eigentlich nur noch das Erdölmuseum, dass daran erinnert, dass auch im Elsass mal ein Zentrum der Erdölförderung existierte. Und das Öl, das man gefördert hat, hielt man praktisch für ein Universalmittel. Man hat damit Zahnschmerzen versucht zu kurieren; man hat es inhaliert und versucht damit Asthma in den Griff zu bekommen; Salben für Hautkrankheiten etc.; all die Dinge, die man heute vielleicht mit dem Wissen, das wir jetzt haben, nicht mehr unbedingt medizinisch empfehlen würde. Das war damals noch ganz entspannt.

Und ab jetzt wirst Du vielleicht, wenn Du das nächste Mal in den Nachrichten den Begriff Barrel und den Ölpreis hörst, kurz an Pechelbronn im Elsass denken und Dich an die Beziehung zwischen Heringen und der Lagerung von Erdöl erinnern.

Bis bald.   

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