160 Zeichen lange Nachrichten


Als in den 90ern der Kurznachrichtendienst SMS aufkam, setzte ein regelrechter Boom ein, der bis heute unsere Kommunikationsgepflogenheiten beeinflusst. Diese Nachrichten durften 160 Zeichen lang werden was zwar zum einen gut in die technischen Rahmenbedingungen des Protokolls GSM passt, aber wohl auch von der Beobachtung getrieben wurde, dass Postkarten und Telex selten länger waren…

https://de.wikipedia.org/wiki/Short_Message_Service

Bild: By Scared Poet (user Scaredpoet, scaredpoet.com) – Own work, CC BY-SA 2.5,https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1410994

 

 

#160 – 160 Zeichen lange Nachrichten

Ich mache ja nicht immer alle Trends mit, ich mache viele mit, aber nicht alle. Und eines der Dinge, das sich bei mir nie so richtig eingebürgert hat, war die Idee mit der SMS. Es hat sich mir irgendwie nie erschlossen, warum ich mit meinem Handy Textnachrichten durch die Gegend schicken müsste, wenn ich doch genauso gut Leute einfach mal kurz anrufen könnte. Umso lustiger, dass ich heute abhängig von einem 140 Zeichen Dienst namens Twitter bin und per WhatsApp mit meiner ganzen Familie und mit meinem Freundeskreis kommuniziere, aber das mal nur am Rande erwähnt.

Die SMS, das ist die Abkürzung für “Short Message Service” ist maximal 160 Zeichen lang und damit Gegenstand der heutigen Episode. Darüber, wer es jetzt nun genau erfunden hat, herrschen im Internet verschiedene Auffassungen, aber eins ist sicher: Es ist ein europäisches Ding gewesen. Zunächst mal in Frankreich, Finnland und Deutschland erdacht, gab es diese Idee, Textnachrichten über das GSM-Netz zu verschicken, schon eine ganze Weile. Aber den Sack zugemacht hat dann die Deutsche Bundespost. Genau genommen jemand namens Friedhelm Hillebrandt, der in Zusammenarbeit mit zum Beispiel französischen Kollegen einen Konzeptvorschlag erarbeitete und zur GSM-Standardisierung 1985 vorlegte.

Der hat damals auch die Länge von SMS-Nachrichten auf 160 Zeichen festgelegt. Man hatte nämlich beobachtet, dass Postkarten und Telexe in der Regel mit weniger als 160 Zeichen auskamen. Warum, so die Überlegung, braucht man dann also für Textnachrichten zwischen Handys mehr? Der Standard wurde dann verabschiedet und zwischen 1990 und 2009 wurde innerhalb eines Gremiums systematisch an diesem Standard weiter entwickelt.   

Die erste SMS überhaupt wurde am 3. Dezember 1992 verschickt von einem Ingenieur. Der schickte nämlich ein “Merry Christmas” von einem PC an ein Mobiltelefon. Ganz spannend ist, was der Run auf SMS-fähige Telefone dann mit unserer Kommunikation angerichtet hat. Textnachrichten per Handy zu verschicken war für eine Weile das große Ding und ist es, wenn man natürlich WhatsApp & Co. heute mit rein rechnet, irgendwie immernoch, aber natürlich waren 160 Zeichen dann auch bald irgendwie zu knapp.

Und so schwappte die aus dem Chat bekannte Abkürzungskultur auch in den SMS-Dienst: LOL, ROFL, Smileys sind dadurch nochmal deutlich in der Popkultur verankert worden und meine Kinder, die sprechen ja sogar so. Die sagen “LOL”, wenn sie irgendwas milde witzig finden. Okay “ROFL” ist nicht so verbreitet, aber “YOLO” zum Beispiel ist sicherlich auch ein Kind der Textnachrichtenkultur. Aus der einfachen Standard Text SMS gab es dann verschiedene Abkömmlinge. So gab es zum Beispiel MMS Nachrichten, in der komplette Bilder oder Video-Inhalte verschickt werden konnten.

Was wahrscheinlich auch nicht jedem Handybenutzer präsent ist, ist dass SMS nicht unbedingt immer sichtbar sind. Es gibt sogenannte Silent SMS Nachrichten. Die werden oft verwendet, um Steuersignale zu übertragen oder auch von Geheimdiensten und Polizei, um zum Beispiel Handys zu tracken. Silent Messages haben nämlich den nützlichen Nebeneffekt, dass Verbindungsdaten anfallen. Sie kommen nämlich sehr wohl beim Handy an. Diese Verbindungsdaten können zum Beispiel benutzt werden, um Nutzer zu identifizieren oder auch die Position von Handys zu dokumentieren, etc.

Neben den Silent Messages gibt es noch die sogenannten Flash Messages. Das sind SMS, die direkt auf dem Display angezeigt werden. Dafür muss man nichts machen. Viele Telefone speichern diese Nachrichten noch nicht mal. Ein Anwendungsfall dafür wäre etwa die Anzeige des aktuellen Aufladestands bei Prepaid-Karten.

Tja, und dann gibt es noch Steuer-SMS. Je nach Geräte, die man ansimst, kann es unterschiedliche Wirkung haben, wenn man ihnen kommentarlos irgendwelche Befehle zuschickt. Das hat auch zu einigen mehr oder minder originellen Ideen geführt bis hin zu Systemen, wo an Automaten Getränke oder Zigaretten gekauft werden und per SMS authentifiziert wird oder Ortschaften, in denen aus Kostengründen abgeschaltete Straßenlampen kurzzeitig per SMS einschaltbar sind.

Und natürlich, ich habe es schon mehrmals erwähnt: Moderne Dienste wie Twitter, die auch Kurznachrichten verschicken, leiten sich natürlich von SMS Nachrichten und ihren 160 Zeichen Limit ab. So war es beim Design von Twitter wirklich vorgesehen, Nachrichten auf jeden Fall per einzelne SMS verschicken zu können. Da war nunmal das 160 Zeichen Limit vorgegeben. 20 Zeichen, so dachte man, könnte eventuell für die Angabe des Empfängers oder des Absenders herhalten und 140 Zeichen waren immer noch lang genug, um den Inhalt weiterzutragen, der typischerweise in SMS Nachrichten zu finden war. So kann es gehen.

Und heute: Tja, heute nehmen wir WhatsApp oder Hangout oder irgendwelche anderen Messenger-Dienste und scheren uns eigentlich nicht mehr darum, aber die typische Nachrichtenlänge ist nach wie vor eher kompakt und würde bequem in einen Tweet oder in eine SMS-Nachricht passen. Es ist uns sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen.

Bis bald.

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