17.9. (1931) – die erste Schallplatte


Im Zeitalter von Spotify und Napster ist es kaum zu glauben wie wichtig eine wohlsortierte Schallplattensammlung einmal gewesen ist. Und gleich noch unglaublicher ist, dass die erste komerziell vermarktete Schallplatte am 17.9 des Jahres 1931 der staunenden Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde…

https://de.wikipedia.org/wiki/Schallplatte

Bild: Von Mediatus – Scan einer Platte aus meiner Sammlung, CC BY-SA 3.0,https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5493126

 

 

#179 – 17.9. (1931) – die erste Schallplatte

Meine Kinder wissen zweifelsfrei, dass ich ein alter Sack bin, seit ich ihnen gesagt habe, dass ich älter bin als das Internet. Und weil ich immer wieder mal an die Grenzen meiner Erklärungsfähigkeiten komme, wenn ich verschiedene Sachen, die zu meiner Zeit noch ganz normal waren, versuche, zu beschreiben. So haben meine Liebste und ich neulich mal ein Video eines Drehscheibentelefons aus YouTube rausgekramt, nur um unseren Kids mal zu erklären, wie wir noch ganz selbstverständlich Telefonnummern gewählt haben.

Schallplatten sind da eine Technologie, die in einer ganz ähnlichen Schublade stecken. Ich meine, natürlich, wir wissen: Schallplatten werden wieder cool, weil die angesagten DJ’s wieder auf analog und turntable usw. stehen. Aber ganz ehrlich: Meine Kids nehmen das noch nicht wahr. Und das, obwohl es ja noch gar nicht so lange her ist, dass die noch das Mittel der Wahl für Musik ganz allgemein waren.

Die CD wurde in den 90ern eingeführt. MP3’s auf USB-Sticks, das ist ein Kind der 2000er und so fand ich mich eben neulich in der Situation wieder, das Funktionsprinzip von Schallplatten erklären zu wollen. Das ging dann ungefähr so:

Also eine Schallplatte, das ist ein Musikspeicher. So ähnlich, wie USB-Sticks. Oder Napster. Oder eine CD. Also, eine Scheibe, auf der Musik ist. Und die Musik, das sind ja Tonschwingungen und diese Schwingungen sind praktisch auf die Rillen in dieser Scheibe draufgraviert. Und damit man an diese Schwingungen rankommt, legt man diese Scheibe auf einen sich drehenden Teller und man nimmt einen Schwenkarm, der dann ganz leicht mit seiner Spitze vorne in diese Rille reingreift – der ist meistens mit einer Diamantnadel vorne bestückt – und dann diese Schwingungen überträgt, auf einen Verstärker, der das wiederum über den Lautsprecher in Ton umwandelt.

Ungefähr zur Mitte dieser Erklärung hat mein Sohn dann auch schon gelangweilt auf seinem Handy rumgewischt und wahrscheinlich die nächste Playlist von Napster oder Google Play Music zusammengestellt und war sich wahrscheinlich in diesem Augenblick auch völlig sicher, dass ich ein Dinosaurier bin. Denn ich hatte ja noch eine Schallplattensammlung und auf völliges Unverständnis stieß ich vermutlich, als ich ihm erklärte, dass die Singles pro Seite um die drei Songs und Alben insgesamt um die zwölf Songs hatten. Und nein – Shuffle oder sowas ging nicht.

Tja, Vati erzählt vom Krieg – schon irgendwie.

Und wie komme ich da drauf? Ich komme da drauf, weil am 17.9.1931 die erste kommerziell bespielte Langspielplatte mit 33 ⅓ Umdrehungen auf den Markt kam. Und die löste frühere Versuche ab, die alle kläglich gescheitert sind. So hat zum Beispiel Edisson – jaaa, der mit der Glühbirne – 1926 schonmal versucht eine Langspielplatte auf den Markt zu bringen. Die hatte eine extreme Mikrorille und musste mit ganz speziellen Geräten abgespielt werden. Die durfte sich auch nicht bewegen dabei und deswegen war sie einen halben Zentimeter dick, damit die Scheibe nicht flexibel war.

Wenn man sich mal vorstellt, eine durchschnittliche Musiksammlung von heute auf Datenträgern, die einen halben Zentimeter dick sind und dann 20 Minuten Abspielzeit pro Seite haben, irgendwo unterbringen zu müssen, dann darf man sich mal ganz geschmeidig eine Lagerhalle mieten.

Aber egal – zusätzlich hatten diese ganz frühen Versuche, auch die von Edisson, das Problem, dass diese Mikrorillen sehr empfindlich waren. Das heißt einmal zu fest hingegriffen und die Schallplatte war im Eimer. Und einmal zu oft abgespielt und die Rillen waren in diesen Schallplatten auch nicht mehr wirklich zu gebrauchen. Kein Wunder, dass die sich nicht wirklich durchgesetzt haben.

Interessant fand ich auch ein paar der Marktbeherrschungsstrategien der damaligen Zeit. Schallplatten haben ja eine Mitte ein Loch, um eben fixiert zu sein auf dem Drehteller und es gab damals Schallplatten mit speziell geformten Löchern, sodass sie eben nur von Geräten der jeweiligen Hersteller auch abgespielt werden konnten. Das war eine ähnliche Strategie, wie sie heute Elektronikhersteller mit ihren Netzteilen verfolgen, die sich eigentlich ja nur durch den jeweiligen Anschluss voneinander unterscheiden und damit sicherstellen, dass man das Netzteil auch für teuer Geld bei dem einzelnen Produzenten kaufen muss.

Und dann war auch das Format dieser Rillen nicht unbedingt standardisiert. Es gab zum Beispiel verschiedene Rillenbreiten, verschiedene Tiefen, verschiedene angeforderte Abspielgeschwindigkeiten und es gab Schallplatten mit mehreren parallelen Rillen, die zum Beispiel dann unterschiedliche Stimmen ein und desselben Konzerts abspielten oder verschiedene Musikstücke eines Albums hatten und die man abspielen konnte, indem man eben den Abnehmer immer ganz genau auf die richtige Anfangsrille setzte, bevor man abgespielt hat.

Okay, jetzt fühle ich mich selber auch schon, wie ein Dinosaurier. Und dabei war ich ja gar nicht so richtig vollflächig mehr im Schallplattenalter. Zwar habe auch ich noch meine erste Schallplatte, auf die ich deuten kann und habe auch eine ganz kleine Sammlung von vielleicht 10 oder 12 LP’s gehabt, aber als ich in das Alter kam, dass ich ernsthaft selber versucht habe Musik zu kaufen, da war das CD-Zeitalter schon in vollem Schwung.

Ich bin also gar nicht so ein übler Dinosaurier und ich geb’s zu: Es war mir ein Fest, als ich beim letzten Umzug die gesammelte CD-Sammlung in einem großen Schwung in den Container geworfen habe. Die Streaming-Dienste von heute sind einfach alles, was ich irgendwie brauche und ich muss Musik gar nicht besitzen. Ich will sie nur hören dürfen, wenn ich irgendwo bin.

Bis bald.

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