180 Grad Regel


In der aktuellen Folge habe ich meine Hörer auf Twitter um Inspiration gebeten… und Inspiration kam 🙂

Vorschlag von @susticle
http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=1341

Vorschlag von @sonntagssozio
http://www.goethe.de/z/180sec/deindex.html?wt_sc=180sec
Ohne Abschrecken gart ein Ei noch 180 sekunden

Uuuund 180 ist die höchste Punktzahl in dart 🙂

http://anerzaehlt.net/168-film-festival/

Bild: By Photograph: Frank C. MüllerOwn work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9595284

 

 

#180 – 180 Grad Regel

Irgendwie war ich uninspiriert, was die Folgenzahlen 180, 181 und 182 anging und habe dann in Twitter um Hilfe gerufen. Und Hilfe kam. @susticle, der @sonntagssozio und Gerard waren heute beteiligt, denn Gerard hat ganz richtig festgestellt – und das hatte ich beim letzten Mal, als ich über Dart sprach, nicht so ganz hinbekommen -, dass die Höchstpunktzahl beim Dart natürlich 180 ist. Mehr Punkte gehen nicht und allein das wäre es ja mal wert, in der Episode drüber zu sprechen.

Ich bin ja kein Dartspieler. Das liegt an meiner ausgeprägten Bewegungslegasthenie. Wenn ich versuche Pfeilchen mit kleinen Flügelchen auf Scheiben, die gefühlt ewig weit weg sind von mir, zu werfen, treffe ich alles mögliche, nur garantiert nicht die Mitte dieser Scheibe und wahrscheinlich auch nichts, was irgendwie Punkte wert wäre.

Vom Sonntagssoziologen kam dann die Behauptung, dass ohne Abschrecken, ein Ei, nachdem man es aus dem Wasser genommen hat, noch 180 Sekunden weiter garen würde. Ich habe jetzt dafür nicht wirklich eine richtig schöne Begründung gefunden und auch eigentlich, wenn ich ehrlich bin, überwiegend nur die Behauptung, dass es so sei. Ich weiß gar nicht genau warum das so sei. Vielleicht legt ja der Sonntagssoziologe noch mal in den Kommentaren oder auf Twitter nach. Pointer Willkommen und wenn welche auftauchen, packe ich sie in die Notizen zur Sendung.

Viel cooler fand ich da Vorschlag Nr. 2, auch vom Sonntagssoziologen, nämlich ein Filmprojekt. In Folge 168 ging es ja schonmal um ein Filmprojekt, das nach einer Zahl benannt ist. Da war die Idee eben in 168 Stunden, Filme zu produzieren. Und auch bei 180 Sekunden, dem Filmprojekt, das der Sonntagssoziologe vorgeschlagen hat, geht es darum, sich freiwillig an eine Limitierung zu halten. Die Filme dürfen nämlich nicht länger als 3 Minuten werden – 180 Sekunden eben.

In diesen 180 Sekunden werden Städte vorgestellt. Das Ganze ist ein Projekt des Goethe-Instituts und besprochen werden Städte von Berlin bis Bogotá, von Tokio über Kolkata. Insgesamt 16 Städte, 64 Kurzfilme und 4 Themen. Diese Themen oder Staffeln sind Morgen, Teilen und Tauschen, Miteinander-Gegeneinander, Raum und Zeit. Und die Filme porträtieren dann eben diese verschiedenen Städte an diesen Themen entlang. Im Ergebnis eben 64 Filme, die man sich natürlich auf der Webseite anschauen kann und die zumindest mich für deutlich mehr als drei Stunden an den Rechner gefesselt haben.

Dann hätten wir noch einen dritten Vorschlag und den fand ich auch sehr cool. Der kam von @susticle. Susticle hat vorgeschlagen doch über die 180 Grad Regel zu sprechen. Die Rede ist von einer Regel, die es im modernen Kino gibt. Und zwar, wir machen uns das ja oft gar nicht bewusst, werden uns ja mit filmischen Mitteln Geschichten erzählt, die ja in Raum und Zeit spielen. Das heißt, Kameramänner müssen durch die geschickte Wahl von Aufnahme, Winkeln und Szenerie sowohl darstellen, welche Beziehungen am Bildschirm herrschen, in welche Richtung sich etwas entwickelt und wie die Zeit verläuft.

Für alle diese Themen gibt es natürlich spezielle Techniken und im Falle der 180 Grad Regel geht es um die Richtung, in die Dinge dargestellt werden. Für uns als Zuschauer ist es nämlich wichtig, dass Sachen, die wir am Bildschirm oder an der Leinwand sehen, konsistent sind. Das heißt, die Richtung, in die sich Akteure bewegen, sollte immer dieselbe bleiben. Die Richtung, in die Leute schauen, muss in irgendeiner Form unseren Erwartungen entsprechen und das schlägt sich dann natürlich auch nieder auf die Position von Kameras. Wenn ich eine Szene filme, dann macht es einfach einen Unterschied, ob ich links oder rechts von einer Person stehe und wohin ich nach einer Kameraposition als nächstes wechsele oder durch einen Schnitt hin springe.

Sobald ich nun also meine Kamera aufbaue und auf eine Szene richte, habe ich automatisch schon sowas wie eine Bewegungsrichtung eingefangen. Es geht also in irgendeiner Form entweder von links nach rechts oder von rechts nach links. Es gibt eine Achse und diese Achse wird als Handlungsachse bezeichnet.

Wenn ich jetzt nun eine Szene filme und dann nach einem Schnitt die Kamera um 180 Grad gedreht dieselbe Szene darstellen lasse, dann verändert sich für den Zuschauer die Richtung, in die Dinge passieren. Von links nach rechts gilt nicht mehr, sondern plötzlich ist es von rechts nach links oder eben umgekehrt. Und das ist für den Zuschauer unter Umständen ganz schön verwirrend. Und genau deswegen werden diese Schwenks um die 180 Grad, zumindest in Hollywood-Setups und in Sportaufnahmen, komplett vermieden.

Das heißt nicht, dass man das gar nicht machen darf, es heißt nicht, dass es gar nicht gemacht wird, aber es bedeutet, dass man sich als Kameramann und Regisseur bewusst sein sollte, dass es einen Effekt auf den Zuschauer hat und man natürlich irgendwie anders dann diese veränderte Richtung für den Zuschauer klar machen soll.

Und für mich ist das ein weiteres Beispiel dafür, dass so ein Kameramann ebe weit mehr tun muss, als einfach nur eine Kamera in einem bestimmten Winkel irgendwohin zu halten, denn buchstäblich jeder Schnitt, jede neue Kameraposition, jede neue Einstellung muss für den Zuschauer intuitiv Sinn machen und das will vorher überlegt sein.

Kein Wunder, dass es da auch noch mehr solcher Regeln gibt. Es gibt zum Beispiel auch noch eine 30 Grad Regel. Die verlinke ich einfach mal gleich mit.

Bis bald.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: