18(64) – Ludwig, König der Bayern


König Ludwig wurde 1864 gekrönt und ist den Bayern hauptsächlich durch seinen Tod im Starnberger See, seine Liebe zu Wagner und seine verschwenderischen Schloßanlagen bekannt. Reden wir darüber.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ludwig_II._(Bayern)
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Neuschwanstein
http://www.neuschwanstein.de/

Bild:https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_II._(Bayern)#/media/File:De_20_jarige_Ludwig_II_in_kroningsmantel_door_Ferdinand_von_Piloty_1865.jpg

 

#064 – 18(64) – Ludwig, König der Bayern

Es ist noch gar nicht so lange her, da war mein Chef zu Besuch und mein Chef, muss man wissen, ist Amerikaner. Er lebt in San Francisco. Er war zwar schon gelegentlich in Deutschland, aber nie als Touri. Er hatte drei Tage Zeit. Und zwei Tage davon hat er an München verwendet, also Hofbräuhaus, englischer Garten mit Chinesischem Turm, die Bavaria, Deutsche Museen, usw. Er hat alles angesteuert.

Ich wollte jetzt nur sicherstellen, dass er auch etwas von unserer wunderbaren Natur sieht und habe ihn samt Frau dann eingepackt und bin auf’s Bayerische Voralpenland zugefahren. Was habe ich angesteuert? – Natürlich sind die Alpen großartig: Man kann spektakuläre Landschaften in den Alpen sehen, aber speziell für Amerikaner hatte ich das perfekte Ziel, nämlich Schloss Neuschwanstein.

Wer Schloss Neuschwanstein noch nicht gesehen hat ist normalerweise erst mal völlig baff, dass so ein Schloss ernst gemeint war. Es sieht natürlich irgendwie aus, wie das Schloss, dass auch Disney verwenden würde, um seine Feen drum herum kreisen zu lassen und ist atemberaubend schön.

Man muss König Ludwig eins lassen: Er hatte schon ein Händchen für das richtige Grundstück. Den Entwurf, das sollte so eine Art stilisiertes, mittelalterliches Schloss werden, übertrug König Ludwig an Christian Jank und der war Bühnenmaler, nicht etwa Architekt oder so. Ich finde, wenn man das weiß, erklärt sich beim Anblick von Schloss Neuschwanstein so einiges. Aber das war nicht das einzige Schlossprojekt Ludiwigs, bei dem er beteiligt war. Zum Beispiel Schloss Linderhof wurde nach Entwürfen von Jank zum Teil mit ausgestattet.

Ludwig war ein melancholischer König und war bekannt dafür. Das war auch Schick zu der damaligen Zeit. Er war großer Wagner Fan und hat Richard Wagner auch großzügig mit finanziellen Unterstützungen überhäuft und dafür erst gesorgt, dass einzelne seiner Opern überhaupt entstanden sind. Immer wieder wird von König Ludwig behauptet, er wäre gestesgestört gewesen und hätte außer seiner Schlossprojekte sich nicht weiter um die Regierungsgeschäfte gekümmert. Da weiß man, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht.

Seine angebliche Geisteskrankheit wird heute inzwischen von einigen Experten angezweifelt. Aber er wurde 1886 von mehreren Ärzten auf Betreiben der Bayerischen Regierung unzurechnungsfähig erklärt, als seelengestört und unheilbar, wie es im Originalwortlaut hieß. Man kann es als eine Art Putsch bezeichnen und die Vermutung liegt nahe, dass ein Grund dafür das ausschweifende Leben und Wirken Ludwigs war, der mit seinen Schlösserprojekten über insgesamt drei Jahresgehälter verschuldet war – königliche Jahresgehälter wohlgemerkt, letztlich also das Geld des Bayerischen Staates verbraucht hat. Man konnte ja damals nicht wissen, dass diese Schlösser zu einem touristischen Kleinod werden würden und Millionen von Touristen anlocken würden.

Gestorben soll er im Starnberger See, nämlich ertrunken und die Bandbreite der Geschichten, die sich darum ranken ist groß. Alles von Selbstmord bis hin zu vertuschten Erschießungen gibt es. Es bleibt mysteriös und wird sich wahrscheinlich auch nie ganz klären lassen.

Die Bayern jedenfalls fühlen sich ihrem Kini nach wie vor verwachsen. Wenn man in Bayerische Stuben marschiert, kann man durchaus überall im gesamten Freistaat Bilder und Drucke mit dem Konterfei von König Ludwig II. sehen und es gibt Vereine, die sich für die Wiedereinführung des Königtums stark machen. Manch einer behauptet augenzwinkernd, dass die Bayern so gerne wieder ein Königreich hätten, dass sie einfach das nächst kleinere Übel nehmen und prinzipiell alle immer wieder dieselbe Partei wählen. So gesehen ist ja der Seehofer momentan praktisch der stellvertretende König.

Meine amerikanischen Besucher waren jedenfalls begeistert und schwärmen noch heute von diesem kleinen Ausflug ins Bayerische Voralpenland und diesem Märchenschloss. Und schön ist es ja wirklich, jedes einzelne dieser Schlösser – immer einen Ausflug wert.

Bis bald.

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