220 Volt


Wir haben in Europe 220V Netzspannung, richtig? Fast. Eigentlich sind es inzwischen 230V. Aber lange Jahre waren 220V der Standard und in den USA die genaue Hälfte, also 110V in Gebrauch. Auf der Suche nach dem Grund dafür landet man schnell beim Erfinder der Glühbirne… Thomas Alva Edison.

 

Bild: Von Maxxl2Eigenes WerkTechnische Regeln für Arbeitsstätten – Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung – Quelle : ASR-A1-3.pdf, Gemeinfrei,https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26501834

 

 

#220 – 220 Volt

Ein sehr geschätzter Arbeitskollege von mir sagte mal: “Computer sind ganz einfach. Strom an oder Strom aus. Aber bei Strom aus macht es weniger Spaß.” Und das ist doch eine wundervolle Überleitung für’s heutige Thema. Fragt man nämlich die Leute, wie viel Strom kommt aus der Steckdose? Antworten die allermeisten reflexartig 220 Volt und das stimmt gar nicht. Wir haben nämlich inzwischen 230 Volt, aber es waren Jahre lang eben diese 220 Volt. Genauso wie es in Großbritannien Jahre lang 240 Volt waren und im Zuge von der Europäischen Harmonisierung verschiedener Dinge, kam es irgendwann eben auch dazu, dass man beschlossen hat, überall dieselbe Spannung aus der Dose laufen zu lassen und deswegen haben wir jetzt überall 230 Volt.

Überall? – Nein, natürlich nicht. Überall in Europa. Das war es, was ich sagen wollte.

In den USA, das weißt Du ja vielleicht, gibt es nämlich zum Beispiel eigentlich 110 Volt, aber übrigens auch nicht überall. Es gibt verschiedene Ecken der USA, da sind’s dann 115 Volt. Und es gibt auch welche, in denen es 100 Volt sind. Es schwankt also so ein bisschen. Und nun kann man sich ja mal die Frage stellen, warum eigentlich gerade 220 Volt solange als Spannung in Deutschland verwendet wurde oder jetzt 230. Und warum eigentlich in den USA die Spannung genau halb so groß ist. Dazu lassen sich im Web zwei verschiedene Erklärungsmodelle finden.

Erklärung Nr. 1 deutet auf Kraftwerke in den USA hin. Dort gingen 1896 an den Niagarafällen das erste Kraftwerk mit Fernübertragung der elektrischen Energie in Betrieb. Die Turbinen, die damals verwendet wurde, diese Generatoren, haben eben genau 110 Volt produziert. Und weil man schon mal so angefangen hat, hat man dann so weiter gemacht und so die Erklärung. Daher leitet sich eben dieses 110 Volt Paradigma ab.

Europa wiederum war mit der Entwicklung von Stromtrassen etwas hinten dran und kam später mit dazu. Die Elektroingenieure, die damals die Systeme bauten, blickten eben auf die Erfahrungen in den USA und beschlossen eine Änderung der Spannung vorzunehmen, denn je höher die Spannung, desto effizienter lässt sich Strom tatsächlich über lange Leitungen übertragen. Und so wurde das eben verdoppelt.

Aber warum haben diese Generatoren eigentlich gerade 110 Volt und nicht etwa 100 oder 200 Volt produziert? Da ist die mögliche Antwort die, dass das auf Edison zurückzuführen ist. Als der nämlich rumgespielt hat und versucht hat Glühbirnen zu bauen, hatte der irgendwann mal 110 Volt im Kabel und als er erfolgreich war, war das dann praktisch automatisch auch der de facto Standard von dem aus weiter gearbeitet wurde.

Da sind wir jetzt übrigens bei Erklärung Nr. 2 und eigentlich bauen die ja aufeinander auf. Denn Thomas Alva Edison hat ja Glühbirnen gebaut und sowas hat man damals mit Kohlebogenlampen gemacht. Die wiederum haben eine Brennspannung von 55 Volt. Wenn man nun 2 davon hintereinander schaltet, dann hat man 110 Volt. Wenn man 4 davon hintereinander schaltet, dann hat 220 Volt und das ist eine alternative Erklärung dafür, warum man in den USA eben 110 und in Europa 220 Volt hatte und worauf das zurückzuführen ist.

Jetzt kann man sich aussuchen, welche der Erklärungen denn irgendwie sinnig erscheint. War es Edison, der irgendwann mit diesen Spannungen gearbeitet hat und damit die Betriebsspannung von Generatoren inspirierte oder war es der direkte Weg von der Glühbirne hin zu der Netzspannung der uns da wichtiger erscheint? Wahrscheinlich war es ein bisschen was von beidem. Das läuft zurück auf: Wer hat’s erfunden? Also der Frage, was als erstes verwendet wurde und dann einfach übernommen wurde.

Bis bald.

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