221 Statistikquatsch


Die Wahrscheinlichkeit von einem gemischten Deck mit zwei Karten zwei Asse abzuheben liegt bei 1 zu 221. Und Stühle sind 5x tödlicher als Haie. Muss ich mehr über Statistik sagen? Ok.

Musik: Bensound

Bild: CC0, https://pixabay.com/en/chart-graph-graphic-statistics-35773/

 

 

#221 – Statistikquatsch

Wenn Du ein Kartenspiel mit 52 Karten nimmst, ordentlich durchmischst und dann 2 Karten von diesem Deck abhebst – wie wahrscheinlich ist es wohl, dass Du dann 2 Asse in der Hand hältst? Naja, wir sind ja hier im Anerzählt Podcast, es ist Folge 221 – Du hast es erraten. Exakt. Es ist 1:221. Oder in anderen Worten: Im Mittel ist es so, dass man 221 Mal Karten ausgeben muss, bis man 2 Asse in der Hand hält. Und das seltsame bei Statistik ist ja, es ist nicht so ganz intuitiv, weil diese 2 Asse können natürlich auch schon beim 1. Versuch auftauchen. Das heißt, man muss ziemlich oft und sehr, sehr viel Karten ausgeben, um diese Zahl wirklich im Experiment nachzuweisen. Aber im Mittel ist das dann so.

Und wir Menschen sind leider überhaupt nicht gut darin, Statistiken und solche Wahrscheinlichkeiten richtig einzuschätzen. Deswegen halten wir Gefahren, von denen wir oft hören für häufiger als Gefahren, von denen wir weniger oft hören. Deswegen schätzen wir die Verfügbarkeit von bestimmten Berufsgruppen um uns herum falsch ein und deswegen wissen wir auch nicht genau, was jetzt riskanter ist – Autofahren oder Flugzeug fliegen zum Beispiel. Wobei, eigentlich wissen wir es sogar in dem Fall, aber bloß weil wir es wissen, heißt es ja nicht, dass sich das auch wirklich so anfühlt.

Mit Statistik lässt sich so allerlei Spaß treiben. So kann man zum Beispiel herausfinden, dass es fünfmal wahrscheinlicher ist von einem Stuhl getötet zu werden, als von einem Hai. Ja, das sind zusammenbrechende, umfallende, wegknickende oder nicht mehr vorhandene Stühle.

Oder wie wäre es mit der Statistik, dass es im Vatikan zwei Päpste pro Quadratkilometer gibt? Oh und weil ich vorhin ja Flugzeugabstürze hatte: Es werden jährlich mehr Menschen durch Esel getötet als durch Flugzeugabstürze. Da müssen wir mit Autofahren gar nicht anfangen.

Aber es gibt natürlich auch weniger bedrohliche, dafür aber irgendwie unappetitliche Statistiken. Zum Beispiel habe ich durch diese Sendung gelernt, dass die Durchschnittstafel Schokolade 8 Insektenbeine enthält – urrrrrgh. Gott sei Dank sind es keine Spinnenbeine, denn vor Spinnen haben im Durchschnitt mehr Menschen angst als vor dem Tod. Aber trotzdem: Gefährlich sind die nicht. Man stirbt nämlich eher an einem Champagnerkorken als von einer giftigen Spinne.

Ach und hatte ich schon erwähnt, dass Flugzeugabstürze eigentlich gar nicht so gefährlich sind? Es werden nicht nur durch Esel, sondern auch durch Affen mehr Menschen umgebracht. Was bei solchen und ähnlichen Fakten immer sehr deutlich wird ist, es kommt bei Statistik immer auf den Vergleichswert an. Was schauen wir uns an? Gehen wir von relativen Größen oder absoluten aus? Haben wir Prozentwerte oder richtige absolute Zahlen? Und das wird besonders deutlich, wenn man Statistiken, wie die folgende hört: Dass nämlich der Vatikanstaat die höchste Kriminalitätsrate der Welt hat. Und der absolute Skandal: 90% der Vorfälle bleiben unbestraft, weil die Täter ins Ausland fliegen, nämlich nach Italien. Ich würde auch noch sagen, aus Sicht des Vatikanstaats sind es auch ständig die Ausländer, die sich da strafbar machen. Gut, jetzt muss man vielleicht noch erwähnen: Das meiste davon ist Kleinkriminalität, wie zum Beispiel Handtaschendiebstähle und natürlich ist das mit dem Ausland so als Konzept beim Vatikanstaat sowieso nicht so einfach. Aber, das muss man ja eigentlich alles gleich dazu packen.

Statistik ist der große Gleichmacher, denn per Definition schauen wir uns nur mal den Mittelwert oder den Durchschnitt oder irgendwelche Abweichungen davon an. Wendet man das nun auf eine große Bevölkerungsgruppe, wir zum Beispiel sagen wir mal die Deutschen an, dann kommt da ein ziemlicher Einheitsbrei und Gleichmacherquatsch zusammen. So ist zum Beispiel der Durchschnittsdeutsche UFO-gläubig, raucht etwa vier Zigaretten am Tag, telefoniert einmal die Woche mit seiner Mama und denkt sich, Seitensprünge sind in Ordnung, wenn sie denn aus Rache begangen werden. So kann man das zumindest in einem Buch nachlesen, das man bei Knaur bestellen kann für 18,00 Euro “Wir. Alles was man über uns Deutsche wissen muss”.

Dann wissen wir auch, dass der Durchschnittsmann Thomas oder Michael heißt und 1,78 Meter groß ist und zwischen 4.000 und 12.000 Worte am Tag spricht. Die Durchschnittsfrau hat immerhin 1,34 Kinder und fährt einen silberfarbenen VW-Golf und Duftbäumchen sind natürlich in Deutschland auch sehr verbreitet. Das meistgenutzte riecht dann nach Vanille.

Was soll ich sagen? Ich bin so nicht der Durchschnittsdeutsche.

Bis bald.

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