230 – Papst Pontian


Papst Pontian ist der erste Papst von dem gesicherte chronologische Aufzeichnungen existieren.

 

 

#230 – Papst Pontian

Geschichte war früher für mich die reine Folter, zumindest die Art von Schulgeschichte, wo man Geburtsdaten und Jahreszahlen berühmter Schlachten auswendig gelernt und sich damit berieseln lassen hat, welcher Herrscher wann, welchem anderen Herrscher irgendein Ungemach angetan hat. Aber je älter ich werde, desto milder bin ich gestimmt. Je älter ich werde, desto mehr interessiere ich mich für Geschichte. Für allgemeine und spezielle Ecken der Geschichte im besonderen.

Heute geht es um eine spezielle Ecke. Über die weiß man zwar erstaunlich wenig, aber sie markiert einen richtigen Zeitpunkt. Nämlich den Beginn der exakten Aufzeichnungen der katholischen Kirche. Den kann man nämlich ziemlich präzise mit dem 21. Juli 230 nach Christus angeben. Das ist das Datum, in dem der Heilige St. Pontia sein Pontifikat antritt. Ein Papsttum, das fünf Jahre andauern sollte und verhältnismäßig ereignislos war. Wenn man einmal davon absah, dass es einen großen grundlegenden Konflikt gab, nämlich um die Frage, ob Unzuchtsünden auch zweimal vergeben werden sollten. Ja, um solche Dinge stritt man sich damals.

Der Heilige St. Pontian ist deswegen so bedeutsam, weil man von ihm genau weiß, wann er anfing und wann er zurücktrat. Genau das hat er nämlich getan. Er legte irgendwann sein Papsttum nieder, um eine Kirchenspaltung zu verhindern und die Wahl eines neuen Papstes zu ermöglichen. Die Aufzeichnungen darüber, sind deswegen noch existent, weil der älteste Katalog an Schriften in der Vatikanbibliothek eben mit Quellen aus dieser Zeit bestückt ist.

Papst sein jedenfalls war damals nicht unbedingt ungefährlich. Es waren Päpste längst nicht so etabliert wie sie es heute sind, außerdem auch noch konkurrierend um Machtposition, die manchmal von weltlichen Herrschern eingenommen werden wollten. Außerdem so wie eben zu dieser Zeit gab es manchmal auch Gegenpäpste. Also Kirchenspaltungen bei denen die Machtkämpfe innerhalb der Kirche durch die Wahl verschiedener Päpste ausgedrückt wurden.

Bei Pontian kam auf jeden Fall alles zusammen. Die Kirche war im Streit und er versuchte das alles zusammenzubringen. Es gab einen Gegenpapst, der ihm das Leben schwer machte. Als dann schließlich ein neuer Kaiser in Rom an die Macht kam, Maximinus Thrax, war das Schicksal besiegelt. Ihm blieb eigentlich nur der Rücktritt und Maximinus nahm ihn und den Gegenpapst und verbannte beide in die Steinbrüche nach Sardinien. Heute ist Sardinien eine gemütliche schöne idyllische Ferieninsel, damals muss es die Hölle auf Erden gewesen sein. So starb unser Papst auch genau dort im Exil, im Steinbruch an den unmenschlichen Lebensbedingungen. Deswegen ist er auch heiliggesprochen worden, weil sein Tod als Märtyrertod gilt.  

Da haben es die Päpste heute doch irgendwie ein bisschen besser. Erstens gibt es keine Gegenpäpste, zweitens kümmert sich die weltliche Macht nicht großartig darum, Päpste irgendwohin in Steinbrüche zu verdammen und drittens geht es bei der Papstwahl und beim Papstrücktritt, dann doch deutlich gesitteter zu.

Was ich auch aus dieser päpstlichen Geschichte lerne, ist die Sache mit dem Rücktritt – die wir vor einer Weile als so besonders und speziell verkauft bekommen haben – gab es in der Kirchengeschichte schon öfter. Jedenfalls markiert unser Papst Pontian den Punkt, ab dem man die Bischöfe Roms ganz genau biographisch erfasst hat und oft auch Details über ihr Leben weiß. Bei Pontian ist es etwas überschaubar. Geboren in Rom, Papst für 5 Jahre, verband nach Sardinien, wo er starb und eine Synode hat er in der Mitte auch gehalten.

Es ist ein bisschen dürftig, immerhin kann man auf der Suche nach Papstdaten sehr ergiebig auf den Webseiten des Vatikans rumsurfen, wo man sich die Fotos der Grabmäler, die biographischen Eckdaten und wenn bekannt, wichtige Lebensstationen durchschauen kann. Ist vielleicht einmal eine ganz nette Beschäftigung für regnerische Wochenenden.

Bis bald.

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