238 – Das Sechskaiserjahr


Das Thema war ein Vorschlag von @susticle. Danke!

Das Jahr 238 nach Christus dürfte sich für Römer ziemlich chaotisch angefühlt haben, denn es waren insgesamt 6 Kaiser, zum Teil gleichzeitig als Machthaber eingesetzt. Außerdem markiert dieses Jahr den Beginn des Niedergangs des römischen Reiches und den Beginn der sogenannten “Soldatenkaiser”.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sechskaiserjahr

Bild: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=393222

 

 

#238 – Das Sechskaiserjahr

Wenn man Nachrichten schaut, kann man manchmal schon den Eindruck gewinnen, die Welt ist total verrückt geworden. Manchmal haben wir auch das Gefühl, die Welt wäre im Moment verrückter als sie schon einmal war. Das stimmt wahrscheinlich nicht.

Die Ereignisse des Jahres 238 nach Christus in Rom zum Beispiel, die müssen für die damaligen Zeitgenossen schon ziemlich “durchgeknallt” gewirkt haben. Damals wurde nämlich in schneller Folge insgesamt sechs verschiedene Männer zu Kaisern des römischen Reiches ausgerufen. Deswegen ging das Jahr 238 nach Christus auch in die Geschichte ein, als das “Sechskaiserjahr”.

Das ganze fing mit dem Kaiser der seit 235 an der Macht war, Maximinus Thrax, der war der erste, der so genannten Soldatenkaiser. Das heißt, er wurde von seinen Legionen zum Kaiser ausgerufen, als er am Rhein einen Aufstand niederschlug und auch sonst allgemein hauptsächlich durch militärische Erfolge aufgefallen war. Allerdings hatte Maximinus nicht genügend Unterstützung im Rest des Reiches, um sich wirklich an der Macht zu halten. Das wurde sehr offensichtlich, als nach Unruhen in der Provinz Africa der dortige Prokonsul, Gordianus, Anfang 238 in Karthago zum Kaiser ausgerufen worden war. Der war eigentlich gar nicht unbedingt von langer Hand geplant an diese Stelle gerückt, aber es hatte sich so ergeben. Damit war man auch schnell dabei, den momentanen Amtsinhaber Maximinus und auch gleich seinen Sohn Caesar Maximus zu Staatsfeinden zu erklären und dann einfach mit manchen Gegner kurzen Prozess zu machen. So richtig überzeugt war allerdings nicht jeder und so war ungefähr die Hälfte der Provinzstatthalter nach wie vor der Meinung, dass Maximinus der eigentliche Kaiser sein sollte. So kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

Da wundert es sich irgendwie auch nicht, das Gordianus sich nicht so richtig lange halten konnte. Der war am 19. März 238 zum Kaiser ausgerufen worden, zusammen gleich mit seinem Sohn. Beide trugen den Namen Gordianus und so gab es Gordian I. und Gordian II. als gewissermaßen Doppelspitze an der Macht. Der Ältere war schon um die 80 Jahre alt und war als er ausgerufen war, nicht so wirklich begeistert von der Aussicht. Gordian II. als Mitregenten seines Vaters starb dann im Kampf mit einem dem Maximinus gegenüber loyalen Statthalter und das war für seinen Vater ein derart herber Schlag, dass der sich eben auch gleich das Leben nahm.

Wir haben also Maximinus, der zwar als Staatsfeind vertrieben war, aber eigentlich von sich behaupten konnte, als Soldatenkaiser mehrere Jahre legitim auf dem Thron gesessen zu sein. Dann hätten wir Gordian I. und II. die gleichzeitig für drei Wochen lang an der Macht waren und jetzt beide tot waren.

Maximinus hatte natürlich keine intention seinen Thron kampflos aufzugeben und machte sich deswegen auch auf dem Weg nach Rom. Das hat dann in Rom, mit jedem Meter, mit den er näher heran rückte, erst einmal zu einer steigenden Panik geführt. Die Senatoren versuchten in ihrer höchsten Not sich auf einen anderen Kandidaten als Nachfolge-Kaiser zu einigen, noch bevor Maximinus auftauchen konnte.

Das mit dem einigen, das war nicht so einfach. Es gab zwei Kandidaten, Pupienus und Balbinus.  Weil man sich irgendwie nicht verständigen konnte, wer denn jetzt nun der bessere  Kandidat wäre, hat man sie einfach beide ausgerufen – sowas hat schon immer gut funktioniert. Wir werden aber nie erfahren, ob die in irgendeiner Form den Widerstand gegen Maximinus hätten organisiert bekommen. Denn noch bevor es hier zu irgendwelchen Handlungen kommen konnte, wurde Maximinus von seinen eigenen Soldaten ermordet. Die haben anscheinend irgendwann genug von ihm gehabt und haben ihm einfach dann den Kopf abgeschlagen. Wo sie schon dabei sind, haben sie gleich auch seinen Sohn gelyncht. Damit war die Nachfolge da einmal unterbrochen.

Nach römischem Recht gab es jetzt deswegen – festhalten:  3 Kaiser theoretisch, nämlich 2 Augusti,  das ist besagter Pupienus und Balbinus und einen Caesar, nämlich den Enkel von Gordian. Der war reihennachfolgetechnich der nächste in der Reihe. Mit seinen gerade einmal 14 Jahren – man glaubt es kaum – trotzdem völlig geeignet um als Kaiser die Macht zu übernehmen. Genau das hat er dann auch getan. Mit seiner Ernennung am Ende des Jahres 238 endet das Sechskaiserjahr und zumindest einmal für die nächsten sechs Jahre war er dann auch der alleinige Herrscher des römischen Reiches.

Es war allerdings wirklich keine friedliche Zeit damals, es gab Aufstände in Afrika, die es niederzuschlagen galt, es gab verschiedene Schlachten und Kämpfe und so starb er dann auch im Jahre 244 nach Christus in der Nähe des heutigen Bagdad. Man weiß bis heute nicht, ob sein dann Nachfolger, der Kaiser Philippus, das arrangiert hatte oder, ob er wirklich in einer Schlacht gefallen war. In jedem Fall war das Jahr 238 ein wirklich turbulentes Jahr. Wenn man zu der Zeit Bürger des römischen Reiches war oder Bürger Roms gar, dann musste es eine verstörende und auch beunruhigende Zeit gewesen sein oder auch vielleicht eine Zeit, in der man sich ständig die Frage stellen konnte, ob die Welt jetzt nicht total verrückt geworden war. Daran, hat sich glaube ich, eigentlich nie was geändert. Weil, jawoll, die Welt ist verrückt nie geworden sondern immer schon gewesen. Manchmal, ist dieses Verrückt sein ja auch gut, aber in so Zeiten wie im Jahre 238 oder im Moment im Jahr 2016 vielleicht eher weniger. Mal sehen…

Bis bald.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: