28.5 – Mathias Rust landet auf dem Roten Platz


Mathias Rust wollte ein Friedensbotschafter sein und so drehte er eine Runde, die 1987 weltweit Schlagzeilen machte. Nach einem mehrstündigen Flug von Hamburg über Island, Finnland bis Moskau landete er direkt vor den Symbolen der Macht Moskaus.

Themenpatin: @wunnebar

https://de.wikipedia.org/wiki/Mathias_Rust
http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Mathias-Rust-Der-Absturz-kam-nach-der-Landung-id20315036.html

 

Bild: By http://englishrussia.com/images/rust.jpg, Fair use,https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=18242720

 

 

#285 – 28.5 – Mathias Rust landet auf dem Roten Platz

Manche Sachen sind zu gut, um sie zu vergessen und doch erinnert sich an Mathias Rust und seine Landung am 28.5. eigentlich kaum noch jemand. Das darf so nicht sein! – Dachte sich Themenpatin @wunnebar und hat damit für die Folge 285 ein Datum vorgeschlagen, nämlich den 28.5. im Jahr 1987. Der Tag nämlich, an dem Mathias Rust mit seiner Cessna gerade mal 18 Jahre jung einfach mal so auf dem roten Platz in Moskau gelandet war.

Damit glückte ihm in erster Linie ein Medien Stunt. Alle großen Nachrichtenhäuser der Welt berichteten über Mathias Rust und das war schon irgendwie eine echt schräge Geschichte, denn Mathias kam aus einem Ort in der Nähe von Hamburg und war 18 Jahre alt. Er hatte seinen Flugschein mit den vorgeschriebenen 40 Flugstunden ganz selbstverständlich erworben und irgendwann sich mit einer gecharterten Cessna in Hamburg auf den Weg gemacht, einen Rundflug über die Nordsee zu unternehmen. So zumindest gab er an.

In Wirklichkeit hat er sich auf eine mehrtägige Flugreise gemacht. Um Gepäck zu sparen hat er noch mal kurz eine Zwischenlandung in der Nähe von Hamburg gemacht und hat dort die Rücksitzbank des Viersitzers ausgebaut und flog dann Richtung Island. Von Island ging’s dann über Bergen in Norwegen nach Finnland. Da hat er dann in Helsinki noch mal eine Landung eingelegt und dann flog er Richtung Leningrad und ab da folgte er dann schlicht der Eisenbahnlinie nach Moskau.

Man kann sie nicht oft genug sehen, diese unglaublichen Bilder. Eine Cessna dreht Landeschleifen vor dem sowjetischen Allerheiligsten, dem Zwiebelturm des Kreml, Lenin Mausoleum mit einbegriffen. Die Cessna auf dem Roten Platz, eine Weltsensation. Mathias Rust, 19 Jahre alt, ist sie geflogen von Uetersen bei Hamburg nach Reykjavik, der Hauptstadt von Island; nach Helsinki, der Hauptstadt von Finnland; nach Moskau, der Hauptstadt der Sowjetunion.”

Natürlich hatte die russische Luftabwehr ihn relativ schnell auf ihrem Radar. Er hat sich auch keine Mühe gegeben irgendwie unter dem Radar zu fliegen. Das wäre auch viel zu gefährlich gewesen und so gibt es Bilder, wie er mit seiner Cessna Richtung Moskau fliegt und dabei von MiG 23 Kampfflugzeugen begleitet wird.

In Moskau schließlich drehte er mehrere Runden über den Roten Platz und dem Kreml und landete schließlich in der Nähe der Basilius Kathedrale, direkt am Platz.

Für den Weltfrieden und die Verständigung zwischen unseren Völkern hätte er diesen Flug unternommen, gab Rust damals an. Freilich hatte das ganz schön weitreichende Konsequenzen. Verteidigungsminister Sergej Sokolow zum Beispiel und der Chef der sowjetischen Luftverteidigung, Alexander Koldunow gingen sozusagen auf eigenen Wunsch in den wohlverdienten frühzeitigen Ruhestand.

Nach kurzer Unterredung mit Gorbatschow folgten diesem Beispiel auch noch 300 weitere Perestroika und Glasnost feindlich eingestellte Generäle. Zwar war das für Gorbatschow zumindest mal eine ganz nützliche Aktion. Das war unter anderem deswegen so brisant, weil Rust ja auch nicht irgendeinen Tag gewählt hatte für seinen Anflug, sondern den Tag des Grenzsoldaten erwischt hatte.

Ich glaube ja wirklich, dass er mit seinen 18 Jahren dachte, das wäre alles ein Medienspektakel, er hätte ein Zeichen für den Frieden gesetzt, sozusagen so eine Art Demonstration. Es würden ihm irgendwann die Leute auf die Schulter klopfen und er würde als Held wieder nach Hause kommen.

Die sowjetischen Behörden sahen das freilich etwas weniger humorvoll. Er hatte gegen eine ganze Batterie von Gesetzen und Regularien verstoßen: Eindringen in einen fremden Luftraum, landen ohne Landegenehmigung, Störung des öffentlichen Friedens usw. Und so wurde er zu vier Jahren Haftstrafe verurteilt. Ich vermute mal damals noch mehr als heute, ist es wahrscheinlich kein Spaß gewesen, als Westler in einem russischen Knast zu landen.

Er hatte erst mal Glück im Unglück. 14 Monate musste er absitzen, dann kam er vorzeitig frei und der Stern hatte sich für eine Menge Geld Exklusivrechte gesichert. Das heißt, Geldsorgen hat er jetzt spontan zu Anfang erst mal nicht gehabt. Allerdings war nach 14 Monaten schon etwas Gras über die Sache gewachsen und die Medien sahen ihn nicht mehr als einen jungen Helden, sondern schlugen eher auf ihn ein und so wurde er überwiegend kritisiert oder als Spinner abgestempelt.

1989 dann macht Mathias Rust noch mal Schlagzeilen: Eine Schwesternschülerin provoziert ihn, er tickt aus und geht mit einem Messer auf sie los. Sie überlebt die Sache, aber er kommt wieder ins Gefängnis. 2,5 Jahre. Dieses Mal allerdings ein deutsches Gefängnis.

Heute ist Matthias Rust über 40 Jahre alt. Er ist Finanzanalyst in der Schweiz, hat eine Ausbildung zum Yoga-Lehrer begonnen und war dann 2009 noch mal in den Schlagzeilen. Als mittlerweile professioneller Pokerspieler – klar, was auch sonst – hat er sich einen Gewinn von 750.000 Euro erspielt und das war auch noch mal Schlagzeilen wert. Das hast Du wahrscheinlich genauso wenig mitbekommen, wie ich. Das war glaube ich auch wirklich nicht mehr so der große Knaller.

Seinen Flug von damals hat Mathias Rust so einige Male bereut. Und ob er damit irgendeinen Effekt auf den Verlauf der Geschichte hatte, weiß auch niemand zu sagen. Historiker bezweifeln seinen Einfluss, aber natürlich hat Gorbatschow die Gelegenheit genutzt und Hardliner entlassen. Das mag ja dann doch später viele gute Effekte gehabt haben.

Bis bald.

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