322 – der Dicke Pitter


Themenpatin: @wunnebar

Die größte freischwingende Glocke der Welt läutet im Kölner Dom und ist eine Sammlung von Superlativen. Allein schon der 600kg schwere und 3.2m lange Klöppel gebietet Ehrfurcht…

https://de.wikipedia.org/wiki/St._Petersglocke

Bild: Von Pappnaas666 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30345284

 

#322 – der Dicke Pitter

Heute geht es beim Anerzählt mal wieder um einen Rekord und irgendwie um eine Art Instrument. Mit 24.000 Kilogramm und einem Klöppel, der 600 Kilogramm schwer ist und einem Durchmesser von 322 Zentimetern geht es nämlich heute um die größte, schwingend geläutete Glocke der Welt. Und die hängt gar nicht so weit weg von da, wo ich wohne, nämlich im Kölner Dom. Wir reden von der St. Peters Glocke oder wie sie auch im Volksmund liebevoll genannt wird “Dicker Pitter”.

Dabei ist die St. Peters Glocke nicht die erste Glocke, die im Kölner Dom-Geläut angebracht war. Da war sogar eine noch schwerere Glocke, die sogenannte Kaiserglocke oder Gloriosa, die immerhin 27.180 Kilogramm schwer war, aber die klang nicht so gut und deswegen wurde die im Jahr 1918 während dem ersten Weltkrieg kurzerhand eingeschmolzen und zur Herstellung kriegswichtigen Materials verwendet.

Wie schon beim Kölner Dom, so war es auch bei der St. Peters Glocke so, dass ohne die Hilfe der Kölner, es nie wirklich zur Herstellung gekommen wäre. Denn nach der Inflation nach dem Krieg sah es für einen Moment so aus, als könnte man die Glocke gar nicht fertig finanzieren. Knapp 5.000 Dollar fehlten zum Schluss noch und die wurden von wohlhabenden Kölnern zusammengelegt. 30 Festmeter Holz mussten verfeuert wurden, um den Fluss des Metalls zu sichern und es waren 9 Minuten und 32 Sekunden flüssige Befüllung notwendig, um einen entsprechenden Guss herzustellen. Der Guss gelang. Zum Schluss klang die Glocke genauso, wie vom Glockenmeister geplant.

Wie schon die eigentliche Herstellung war auch das mit dem Transport der Glocke zum Dom dann gar nicht so trivial. Deswegen stand die ziemlich lange erstmal beim Glockenmeister herum und wurde dort dann auch regelmäßig besichtigt. Das war so eine Art lokale Attraktion. Schließlich wurde sie dann überführt und brauchte zwei Tage, um nach Köln gefahren zu werden. Dann ist natürlich so eine wirklich schwere Glocke und ein wirklich großes Instrument gar nicht so leicht in den Glockenturm zu transportieren. Es mussten bauliche Maßnahmen ergriffen werden, um diesen Turm stabil genug zu machen und um die Glocke überhaupt durch den Eingang zu bekommen. Dann dauerte es zwei Wochen, um die Glocke hoch zum Glockenstuhl zu transportieren.

Ursprünglich war geplant, dass sie zum ersten Mal Heiligabend 1924 zu hören sein sollte. Das hat aber ein technischer Fehler verhindert und so schlug sie zum allerersten Mal am 28. Oktober 1925 um 12 Uhr. Wie groß diese Glocke wirklich ist wird wahrscheinlich auch etwas deutlicher, wenn man sich diesen Glockenklöppel vor Augen führt. Der wiegt nämlich nicht nur 600 Kilo, sondern ist 3,20 Meter lang. Es ist inzwischen schon der dritte Klöppel, der verbaut wurde und auch der leichteste, der darin bisher verbaut wurde. Der Vorgänger war 800 Kilogramm schwer und der davor noch schwerer.

Die St. Peters Glocke wird nur selten geläutet. Ganz besondere Anlässe sind es, die ihren Klang rechtfertigen. Zum Beispiel die Wahl oder der Tod eines Erzbischofs in Köln oder eines Papstes – die zählen dazu. So verkündete die Petersglocke 1945 das Ende des zweiten Weltkriegs und 1990 die Wiedervereinigung Deutschlands.

In der Regel – so weiß die Wikipedia – läutet die St. Peters Glocke 10 Minuten alleine und dann stimmen die übrigen Glocken nach und nach ein. Und majestätisch klingt so etwas ja schon, finde ich.

Und für den Vorschlag heute bedanke ich mich bei der Twitter-Nutzerin @wunnebar. Und jetzt finde ich, können wir uns ruhig noch einmal den Dicken Pitter anhören.

Bis bald.

1 comment for “322 – der Dicke Pitter

  1. November 23, 2016 at 5:44 pm

    Der Klöppel vom dicken Pitter ist vor nicht allzu langer Zeit abgefallen. Die Erschütterung war dabei seismographisch messbar.

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