330 – Kakao


Kakao war eine heilige Pflanze und hat geradezu wundersame Eigenschaften. Von Blutdruck über Lebensverlängerung bis hin zur Hautstraffung – alles dabei.

 

Bild: Von 3268zauber – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6620440

 

 

# 330 – Kakao

330 Kilotonnen – das ist eine Menge Zeug. Und heute auch unser Themenanker. 330 Kilotonnen Kakao verbrauchen wir nämlich im Jahr und das ist ja mal genug Anlass, um sich mal kurz anzugucken wovon wir da eigentlich reden. Gemeint ist natürlich dieses braune Pulver, aus dem man auch dieses leckere Getränk zubereiten kann. Doch, wo kommt denn das her?

Das braune Pulver, dass wir Kakao nennen ist das was übrig bleibt, wenn man die Samen der Frucht des Kakaobaums fermentiert, röstet und trocknet. Übrig bleibt zum Schluss die sogenannte Kakaobutter und eben das Kakaopulver. Das trinkt man jetzt allerdings so nicht pur. Das heißt, das was wir als Kakao, als Getränkegrundlage verwenden, ist in aller Regel noch mal weiter verarbeitet. Mindestens ist da in aller Regel noch mal Zucker dabei.

Die Kakaopflanze stammt wahrscheinlich aus Südamerika. Und damit kann man auch grob verorten, wann wir Europäer zum ersten Mal mit Kakao in Berührung gekommen sind – das war natürlich rund um die Zeit der Entdeckung Amerikas. Damals haben vor allem die Azteken, die die Pflanze seit ungefähr dem 14. Jahrhundert kannten, damit alle möglichen Produkte hergestellt. Hauptsächlich aber aus dem einigermaßen süßen Fruchtfleisch – wie soll es anders sein – alkoholische Getränke.

Die Pflanze selbst war den Azteken heilig, ein Geschenk des Gottes Quetzalcoatl und war gleichzeitig Zahlungsmittel, Grundlage für verschiedene Gewürztränke, für Alkoholiker und eben auch dem, was man heute vielleicht auch am ehesten als Kakaogetränk beschreiben könnte.

Der genannte Gewürztrank muss es in sich gehabt haben. Das war eine Mischung aus Wasser, Kakao, Mais, Vanille, Cayennepfeffer und Salz – Niam niam niam.

Die Conquistadores jedenfalls ergriffen die Gelegenheit schnell. Sie brachten Kakao nach Europa und fingen gleichzeitig damit an, groß angelegt auf durch Sklaven betriebene Kakaoplantagen den Bedarf der Welt zu decken.

Kakaonation der Welt war damals Portugal und produziert wurde eben in hauptsächlich mittelamerikanischen Gebieten. Heute hat sich das Bild freilich geändert. Mit Abstand den Großteil der Kakaoproduktion weltweit wird von der Elfenbeinküste bestritten, gefolgt von Indonesien, dann Ghana, Nigeria, Kamerun und dann erst sind wir wieder auf dem amerikanischen Kontinent mit Brasilien.

Wie immer bei Lebensmitteln, die mal als heilig galten und die wir ganz besonders gerne zu uns nehmen, wird dem Kakao alles mögliche nachgesagt. Ein Aphrodisiakum soll er sein. Aufhellend soll er auf die Stimmung wirken. Wacher soll er machen usw. Tatsach ist: Es gibt irgendwas um die 300 verschiedenen Inhaltsstoffe und jawoll! – Da gehört auch Koffein dazu. Aber davon verhältnismäßig wenig.

Und dann war irgendwann in den 2000ern der Kakao mal ganz groß in der Presse. Lebensverlängernd soll er wirken und gesundheitsfördernd. Das behauptet zumindest der Harvard Professor Norman Hollenberg, der die Todesursachen und den Kakaokonsum in einer Ecke Südamerikas an der Ostküste Panamas miteinander korreliert hat. Das heißt also, er glaubte einen Zusammenhang gefunden zu haben zwischen Kakaokonsum und einem gesunden Leben oder einem späten Tod. Und jawoll – diesen Zusammenhang schien es zu geben.

Allerdings kann man leider aus gleichzeitig auftretenden Effekten, also Korrelation, nicht immer rückschließen, dass es da auch einen echten Zusammenhang im Sinne von einem Ursache-Wirkungs-Prinzip gibt. Und so ist es auch beim Kakao. Es gibt einige Zweifel daran, dass der Kakao wirklich eine große Wirkung auf unsere Lebenserwartung hat, aber zumindest mal auf so Dinge wie das Langzeitgedächtnis – zumindest das Langzeitgedächtnis von Schnecken – scheint Kakao eine direkte Wirkung zu haben. Die wurde zumindest mal experimentell nachgewiesen. Und sowas hat doch sicherlich auch eine lebensverlängernde Wirkung oder?

Aber es gibt natürlich eine ganze Bandbreite an möglichen Wirkungen. Zum Beispiel haben Schweizer Kardiologen dunkle Schokolade mit über 70% Kakaoanteil als süßes Aspirin bezeichnet und das auf einer Jahrestagung der amerikanischen Herzspezialisten in Chicago 2006, wo sie ganz genau darlegten, wie die bioaktiven Stoffe in dieser dunklen Schokolade dafür sorgten, dass sich Blutplättchen weniger verklumpen. Desch is’ dann die dunkle Schoki – die is gut – Ähem, ‘tschuldigung, falls Du Schweizer bist. Ich kann Deinen Dialekt nicht wirklich. Ich höre ihn nur gerne und ich würde ihn so gerne richtig sprechen können.

Und dann ist Kakao auch noch ein Traum für all jene, die sagen: Antioxidantien sind gesund für Dich. Denn 50 Gramm dunkle Schokolade haben ungefähr so viele Antioxidantien, wie 15 Gläser Orangensaft oder sechs reife Äpfel, sagt zumindest die Wikipedia. Und sowas kann doch gar nicht schlecht sein. Und dann hat Kakao noch eine blutdrucksenkende Wirkung und erhöht den Anteil des sogenannten guten Cholesterins, das sogenannte HDL gegenüber dem schlechten Cholesterin, dem LDL. Okay, ich muss mehr Schokolade essen.

Aber nicht nur allgemeine Gesundheit – Nein! Auch den Leistungsstand kann man damit erhöhen. So wurden zum Beispiel an argentinischen Fußballspielern Experimente durchgeführt. Die mussten Schokolade essen und dabei hat man dann Leistungssteigerungen festgestellt. Und gut für die Haut ist Kakao auch. Das sorgt nämlich dafür, dass die Haut glatter ist und besser durchblutet und einen höheren Eigen-UV-Schutz hat. Und bessere Hautfeuchtigkeit.

Woher weiß man denn das alles? – fragst Du Dich da vielleicht. Das ist ganz einfach: Völlig neutrale, unbedarfte Unternehmen haben seit Jahren Studien zu dem Thema finanziert, und zwar Firmen wie Mars. Die wollten ja nachweisen, dass sie wirklich mobil bei Arbeit, Sport und Spiel machen und haben deswegen in Studien feststellen lassen, dass zum Beispiel Schokoriegel gut für die geistige Leistungskraft von älteren Menschen ist, oder eben gut für die Haut, oder dass die tägliche Einnahme von Kakao dafür sorgen kann, dass das Herzinfaktrisiko um fast 50% fällt – wenn’s denn so ist. Und konzentrationsfördernd ist er auch noch, der Kakao. Oder die Schokolade mit dem Kakao.

Da bleibt mir jetzt für heute nur noch eine letzte Frage zu klären: Warum gibt es eigentlich die Redewendung “Jemand durch den Kakao ziehen?” Hmm. Eigentlich ganz einfach: Die Redewendung ist ungefähr vor 100 Jahren entstanden und damals hat man die Leute noch nicht durch den Kakao gezogen, sondern durch die Kacke. Man hat sich also über sie lustig gemacht und speziell deswegen, weil man sie nicht leiden konnte. Allerdings ist “Kacke” schon ein sehr derbes Wort und das fanden vor allem auch vornehme Menschen. Luise Beatrice, kannst Du Dich bitte etwas gepflegter ausdrücken? Diese unflätige Wortwahl raubt mir noch den letzten Nerv.  

Das was dann heutzutage im Sprachgebrauch wohl am ähnlichsten ist, ist sowas wie “Du kannst mich mal am Abend besuchen”, statt eben dem naheliegenden anderen Redewendungen und so hat man damals irgendwann einfach gesagt “Jemanden durch den Kakao ziehen”, statt “durch die Kacke” – ist ja auch irgendwie viel angenehmer.

Bis bald.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: