332 Meter Tauchrekord


Manche Rekorde sind im wahrsten Sinne atemberaubend, so wie z.B. der Rekord im Gerätetauchen des Ägypters Ahmed Gabr.

Bild: CC0, https://pixabay.com/en/cenote-diving-yucatan-280252/

 

 

#332 Meter Tauchrekord

Vor einigen Wochen saß ich mit einem Freund von mir vor’m Mikrofon und wir diskutierten hitzig, ob es denn sinnvoll ist, zum Mars zu fliegen. Und eines meiner Argumente war, dass es genügend Orte auf diesem Planeten gibt, die wir bisher noch nicht erobert haben.

Der Mensch ist in tausende Meter Höhe vorgedrungen, ohne Sauerstoffgerät wurde der Mount Everest erklommen. Aus atemberaubenden Höhen haben wir schon Fallschirmsprünge getan, wir haben eine um die Erde kreisende Raumstation, die permanent bewohnt ist und trotzdem können wir nicht tiefer, als ein paar 100 Meter unter Wasser tauchen.

Die theoretische maximale Tiefe für Menschen in einem regulären Tauchanzug zu tauchen ist momentan 701 Meter. Theoretisch deshalb, weil die damals den Rekord eintauchenden Taucher eigentlich gar nicht unter Wasser waren, sondern das war ein Experiment in einer Druckkammer. Es blieb also alles bei der Theorie. Und selbst wenn man Menschen in einen Druckanzug steckt und Tauchen lässt, ist momentan die maximal erreichte Tiefe 615 Meter. Zumindest ist das die Marke, ab der das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt aufgehört hat, die Grenzen des Machbaren weiter auszudehnen. Denn es kostet ein unglaubliches Geld, Gerätschaften und Anzüge für solche eher grenzwertigen Anwendungsfälle zu entwickeln.

Wo liegt jetzt grundsätzlich das Problem? In erster Linie ist es der Druck, der unter Wasser herrscht. Je tiefer man kommt, desto höher ist der Druck, der sich auf den Körper verteilt. Für den Menschen wird das hauptsächlich zum Problem, weil wir ja atmen müssen und unter gewissem Druck wird zum einen Sauerstoff für den Körper zunehmend toxisch und zum anderen gibt es Gase, die verdichten sich zu Flüssigkeit.

In großen Tiefen kann der Sauerstoff zu plötzlichen Krampfanfällen führen. Das sieht dann in etwa aus, wie ein epileptischer Anfall und ist unter Wasser glaube ich überhaupt nicht witzig. Deswegen verwenden die meisten Sporttaucher stark stickstoffhaltige Mischungen. Die haben allerdings auch ihre Tücken: Kommt man zu tief herunter, kann man sich damit den sogenannten “Tiefenrausch” einfangen und der kann alles von Euphorie über Orientierungslosigkeit bis hin zu Übelkeit und Bewusstlosigkeit sein. Und darum tauchen Sporttaucher in der Regel nicht tiefer als 40 Meter.

Soll es dann tiefer gehen, dann braucht man andere Mischungen, zum Beispiel Heliox – eine Mischung aus Sauerstoff und Helium. Gerade bei professionellen Tauchern tut sich dann da ein ganz neues Problem auf: Die wollen nämlich oft mit der Station über Wasser Funkkontakt halten können und mit Helium kann man nunmal sehr schlecht sprechen. In solchen Situationen hilft heutzutage moderne Computertechnik. Da werden sogenannte Entzerrer oder Unscrambler eingesetzt, die nichts anderes machen, als die vom Helium verzerrte Stimme des Tauchers wieder in eine verstehbare Stimme umzuwandeln. Das klingt trotzdem nicht besonders verständlich – in aller Regel werden solche Stimmen nur noch von Profis verstanden. Aber das ist eigentlich eher eine kleine Komplikation.

Viel schwieriger ist das Wiederauftauchen: Wer nämlich tief abtaucht, in dessen Körper verändern sich nunmal die Gasgemische. Und manches löst sich, was sich vorher nicht gelöst hätte und manches ist komprimierter, als es vorher gewesen wäre und das bedeutet: In unserem Blut sind mehr Gase und andere Gemische vorhanden, als wir es normalerweise an der Oberfläche hätten.

Taucht man nun wieder auf, dann dehnen sich manche dieser Gase wieder aus. Da gibt es einen recht gruseligen Vergleich: Das sei nämlich in etwa vergleichbar mit einer Sprudelflasche, die man zu schnell geöffnet hätte. Das ist dann im Zweifel tödlich, denn es verschließt Gefäße, es dehnt Gefäße aus, es kann Organe beschädigen und im Gehirn will man auch keine aufsprudelnden Gase haben – schätze ich.

Um das zu verhindern tauchen Taucher eben nicht plötzlich auf. Und wie langsam sie nun auftauchen müssen, das hängt davon ab, wie tief sie getaucht waren und wie lange sie eben unter Wasser gewesen sind. Dieses langsame Auftauchen nennt man Dekompression. Und wer zum Beispiel 30 Minuten in 100 Metern Tiefe bleiben möchte, der muss hinterher mehrere Stunden damit verbringen, auf dem Weg nach oben zu dekomprimieren.

Um zum Beispiel Öl-Pipelines in sagen wir mal 180 Metern Tiefe reparieren zu können, kommen deshalb sogenannte Sättigungstaucher zum Einsatz. Die können zumindest theoretisch, beliebig lange in derselben Tiefe bleiben, weil ihr Körper ab einer bestimmten Gasmenge gesättigt sind. Die schlafen dann schlicht und ergreifend in Druckkammern, in denen derselbe Druck herrscht, wie in ihrem Arbeitsumfeld unter Wasser.

Fest steht: Tauchen ist ein gefährlicher Sport. Und Tauchen in großen Tiefen ist lebensgefährlich. Es geht regelmäßig ans Limit. Es gibt eine sehr bekannte Tauchdisziplin, das sogenannte Freitauchen oder Apnoetauchen. Und da liegt im Moment der Rekord bei 214 Metern mit einem Atemzug. Die Disziplin heißt No Limit. Dieser Rekord wurde 2007 von dem Österreicher Herbert Nitsch aufgestellt. Der wird auch so bleiben, denn nachdem Herbert Nitsch versucht hat, seinen eigenen Rekord auszudehnen, auf 244 Meter nämlich und dabei beinahe ums Leben kam, wurde beschlossen, keine Rekordversuche in der Disziplin No Limit mehr anzunehmen.

Aber es gibt noch andere Disziplinen, in denen man Rekordtauchen kann. Wir haben jetzt schon den Sättigungstauchgang gehört – wie gesagt, theoretisch 701 Meter. In der Praxis gab es da einen Tauchgang bei 615 Meter, der 40 Tage lang andauerte und wir hatten Apnoetauchen.

Heute geht es aber um eine andere Disziplin. Um den Rekord nämlich im Gerätetauchen. Und da dürfen wir uns bei dem Twitternutzer zmahlzeit bedanken, der als Themenpate genau diesen Rekord vorgeschlagen hat.

Gehalten wird er von einem Ägypter namens Ahmed Gabr und unaussprechlichem Nachnamen, der als Kampftaucher natürlich schon so einiges gewöhnt war. Und der ist mit Geräten 332 Meter tief getaucht.

So. Wie muss man sich das jetzt vorstellen? – Innerhalb von 12 Minuten tauchte er auf exakt 332,35 Meter und das war der einfache Teil. Denn ab da musste er langsam wieder auftauchen, um eben diese Dekompressionsprobleme zu vermeiden. Und das langsame Auftauchen hieß: 15 Stunden lang musste der 41-jährige wieder auftauchen.

In diesen 15 Stunden hat er insgesamt 60 verschiedene Gasflaschen weggeatmet, die in unterschiedlichen Mischungen an einem Seil hinunter hingen. Er hatte sich monatelang auf diesen Tauchgang vorbereitet und zwar minutiös. Es war jede seiner Bewegungen genau geplant und getimed. Und seinem Team zufolge musste er unter anderem lernen, seine Atmung zu kontrollieren und den Rhythmus seines Herzschlags zu verlangsamen. Da hätten ihm Yoga-Lehrer bei geholfen. 15 Stunden unter Wasser – meine Herren! Auch so ein Rekord, bei dem ich mich frage, warum den irgendjemand brechen wollen sollte.

Bis bald.

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