Sie sind überall!


Themenpate: @zmahlzeit

Käfer gibt es seit über 200 Millionen Jahren und überall auf der Welt. Trotzdem interessieren wir Menschen uns kaum für sie was vermutlich unter anderem daran liegt, dass sie so gar nicht bedrohlich sind…

Bild: CC0, Pixabay, https://pixabay.com/en/beetle-insect-bug-blue-black-legs-34372/

 

 

#351 – Sie sind überall!

Heute geht es um ein alltägliches Thema: Um die Koleopterologie! Wie? – Nicht verstanden? Soll ich noch mal langsam? Ko-le-opter-ologie. Der Laie würde sich hier mit dem Begriff Käferkunde zufrieden geben. Und einen Themenpaten haben wir auch. Den kann der regelmäßige Anerzählt-Hörer wahrscheinlich sogar erraten. Das ist nämlich wieder mal der @zmahlzeit. Und @zmahlzeit hat vorgeschlagen über Glanzkäfer zu reden.

Von denen gibt es nämlich 4.500 Arten in 351 Gattungen. – Okay. Was dann aber irgendwann spannender wurde war, als ich mich durch das Thema durchgehangelt habe und bei Käfern allgemein ankam. Die gibt es nämlich nach Schätzungen in ungefähr 351.000 Gattungen. Und manch einer vermutet, es gibt insgesamt um die 7 Mio. Arten.

Und Käfer sind schon durchaus faszinierende Viecher. Die gibt es einmal in allen möglichen Größen. Die sind nach oben hin begrenzt durch ihr eher seltsames Atmungsorgan. Denn Käfer haben sozusagen in ihrem ganzen Körper Leitungen, die den Sauerstoff zu den einzelnen Organen transportieren und das geht effizient nur bis zu einer gewissen Größe. Die ist aber immer noch beeindruckend. Die größten Käfer werden immerhin so ca. 17 cm groß.

Und nach unten ist die Größe von Käfern begrenzt durch die Komplexität ihres Körperbaus. Aber auch das ist relativ. Es gibt Käfer, die werden nur 0,5 mm groß. Das ist dann schon ziemlich klein. Und auf diesen 0,5 mm bringen die immerhin sowas ähnliches, wie ein Gehirn unter, also ein Zentralganglion; sowas ähnliches, wie ein Herz – also ein Schlauchartiges Organ, das Flüssigkeit in dem kleinen Körper durch die Gegend pumpt; ein Verdauungstrakt; Beißwerkzeuge; Sinnesorgane usw.

Käfer gibt es fast überall auf der Welt. Nur in der Antarktis haben sie es etwas schwer mit dem Überleben. Käfer unterscheiden sich von anderen Insekten und sie machen den Großteil der Insekten aus, durch Ihren Körperbau und sind grundsätzlich Insekten, die fliegen können oder zumindest Flügel haben.

Sie begleiten uns schon immer. Die ältesten Käferfunde sind ungefähr 265 Mio. Jahre alt. Die älteste belegte Darstellung eines Käfers ist ein Marienkäfer und 20.000 Jahre alt, nämlich ein kleines Marienkäfer-Schmuckstück, das mit einer Bohrung versehen wahrscheinlich als Halskette getragen wurde.

Manche Käfer sind wirklich, wirklich faszinierende Viecher und haben interessante Fähigkeiten. Zum Beispiel haben Glühwürmchen bekanntlich die Fähigkeit ihren Hinterleib leuchten zu lassen und es gibt Käfer, die können mit ihren Flügeln derartig laute Geräusche erzeugen, dass man sie über Kilometer hinweg hören kann. Das meine ich auch buchstäblich so. Ich war mal in Taman Negara, das ist ein Dschungel, ein Primärwald in Malaysia und unser Tourguide hat uns dort von Käfern berichtet, die man vier bis fünf Kilometer weit hören könnte, wenn sie versuchen, Weibchen anzulocken. Das heißt, dieses ganze Gezirre, Gegrille und Geschäppere da draußen, war einfach nur ein Schrei nach Liebe – haaaa….

Auch ganz interessant ist, dass Käfer eigentlich den Großteil ihres Lebens als Larve zubringen. Wir kennen sie ja mit ihrem harten Panzer und den Flügeln, sozusagen ausgewachsen, aber manche Käferarten verbringen Jahre als Larve und werden dann nur zum richtigen Käfer, um sich einen Partner zu suchen und fortzupflanzen.

Käfer sind jedenfalls überall und in allen möglichen Formen zu finden und deswegen stehen sie auch auf dem Speiseplan aller möglichen Tierarten. Allen voran natürlich Vögel, aber auch Igel oder irgendwelche Nager fressen sehr gerne zwischendurch Käfer. Deswegen haben Käfer auch alle möglichen Taktiken entwickelt, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Das aller einfachste: Sie versuchen auszusehen, wie ihre Umgebung. Entweder sind sie genauso gefärbt, wie die Blätter, auf denen sie leben oder aber, sie bedecken sich mit zum Beispiel Kot oder Erde, um unsichtbar für ihre Fressfeinde zu werden.

Die nächste Stufe ist das passive Totstellen. Es gibt Käfer, die haben das perfektioniert. Die können sogar eine Flüssigkeit absondern, die dafür sorgt, dass sie auch verwesend riechen und damit werden sie von manchen Fressfeinden automatisch in Ruhe gelassen, denn die wollen nur frisches Käferfleisch haben.

Und dann gibt es natürlich die verschiedenen Nahkampftechniken, also beißen, kratzen usw. Stechen tut eigentlich kaum ein Käfer, aber es gibt Käferarten, die sogenannten Schnellkäfer, die haben eine Art Federmechanismus, mit denen sie ganz besonders schnell und weit springen können. Das benutzen sie auch, wenn sie auf den Rücken gefallen sind, um sich wieder aufzurichten, aber in erster Linie dient es dazu, Fressfeinde zu erschrecken.

Aber den Vogel schießen meiner Meinung nach im – manchmal wahrsten Sinne des Wortes – die sogenannten Bombardierkäfer ab. Die haben nämlich eine Kammer in ihrem Hinterleib, in der sie verschiedene Chemikalien zusammenmischen können und zur Explosion bringen. Das heißt, in dieser Kammer bringen die verschiedene Flüssigkeiten zusammen, die miteinander reagieren und sich explosionsartig in einer Gasexplosion ausdehnen und heiß werden. Und diese Gasexplosion schießen die ihrem Gegner entgegen. Der hat dann plötzlich um die 100 Grad heißes Gas im Gesicht und ich kann mir vorstellen, dass das schon den ein oder anderen Fressfeind abschrecken kann.

Dafür, dass es über 351.000 Arten von Käfern gibt, haben wir Menschen jedenfalls dieser großen Familie von Tieren bisher sehr wenig Interesse entgegengebracht. Das liegt aber unter anderem einfach nur daran, dass Käfer im Allgemeinen uns kaum in die Quere kommen. Es gibt ganz wenig Schädlinge, die uns tatsächlich als Nahrungskonkurrenten auftreten. Wir Menschen selber werden kaum von Käfern angegriffen und es gibt mehr nützliche als schädliche Käferarten.

Beispielsweise der Marienkäfer, der an sich eigentlich eine giftige Käferart ist, aber dadurch, dass er ein Fressfeind von vielen Pflanzenschädlingen ist, ist er uns einfach mal sehr willkommen. Speziell die größeren Arten können natürlich auch wunderschön sein. Manche von denen sind farblich sehr interessant; viele glänzen metallisch und deswegen ist gerade auch im asiatischen Raum die Käferzucht durchaus verbreitet. Das heißt, Käfer als Tiere im Terrarium.

Und natürlich wissen die meisten wohl, dass es im alten Ägypten eine heilige Käferart gab, nämlich den Skarabäus – den man ganz profan auch Mistkäfer nennen könnte. Oder Pillendreher. Auffällig ist auch, dass die wenigsten Menschen Angst vor Käfern haben, was wahrscheinlich auch unter anderem an deren Form liegt und daran, dass sie eher langsam unterwegs sind. Je größer der Käfer, desto langsamer ist er in aller Regel. Besonders die runden Käfer sind dann normalerweise auch noch recht behäbig und einmal auf den Rücken gedreht auch erstmal ziemlich hilflos. Damit fällt’s einem natürlich auch schwer, Angst vor ihnen zu haben.

Bis bald.

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