363 Kaiser Julian I


Themenpate: @adamosbach

Kaiser Julian war der letzte Kaiser der versuchte sich gegen den Vormarsch des Christentums zu stemmen. Allerdings ohne Erfolg.

 

Bild: Von LPLT – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24966786

 

 

#363 Kaiser Julian I

Konstantin I. ist eine große Figur der Kirchengeschichte. Genauso wie Papst Silvester eine große, wichtige Figur der Kirchengeschichte ist. Den Grund dafür habe ich schon in Episode 94 besprochen – damals ging es um Silvester und eben um den Papst Silvester von dem ich eben gesprochen habe. Der soll nämlich, so die Geschichte, den damaligen herrschenden Kaiser Konstantin I. dem Tode entrissen haben und aus Dankbarkeit dafür hat Konstantin I. dann eine Urkunde ausgestellt, die Papst Silvester und der von ihm vertretenen christlichen Kirche sozusagen Stadtrechte und umfassende Landesrechte eingeräumt haben – eben die Konstantinische Schenkung. Und die war üppig. Also in der Konstantinischen Schenkung wurden nicht weniger, als das komplette Italien, die gesamte Westhälfte des Römischen Reiches, aber auch das gesamte Erdenrund mal eben so verschenkt.

Und was ich immer schon großartig an dieser Geschichte fand war, dass diese Geschichte gelogen ist. Die Konstantinische Schenkung, die Jahrhunderte lang von der römischen Kirche wie ein Augapfel gehütet wurde, die ist eine Fälschung. Wahrscheinlich eine ungefähr im 8. Jahrhundert nach Christus entstandene Fälschung. Papst Silvester I. war allerdings von 314 – 335 Papst und damals war es gerade mal Hipp christlich zu werden. Immer öfter waren adelige, einflussreiche Persönlichkeiten und eben auch Kaiser Christenmenschen. Und so nach und nach hatte das Christentum eine Menge Einfluss genommen. An vielen entscheidenden Stellen saßen Christen. Es gab schon eine strukturierte Amtskirche, wenn auch nicht auf dem Niveau, wie wir es heute sicherlich kennen und das Römische Reich war im Begriff seine alten Götter nach und nach abzulegen. Und da gab es nun ein aller-, allerletztes Aufbäumen.

Der Nachfolger von Konstantin I., dem war nämlich das alles nicht so ganz geheuer. Er war der absoluten Überzeugung, dass die alten Götter, die alten Religionen die richtigen waren und dass das Christentum zurückgedrängt werden musste. Kaiser Julian, so hieß er, machte das sehr systematisch. Als er an die Macht kam, erließ er nach und nach verschiedene Erlasse, die zum Beispiel Christen in führenden Ämtern entließ. Als nächstes dann ließ er alte Tempel wiederherstellen und stellte eine Menge Priester und Seelsorger ein. Die waren nämlich durch den Durchmarsch des Christentums so nach und nach arbeitslos gewesen. Und weil Tempel nicht mehr erneuert worden waren oder zum Teil auch zerstört wurden, waren sie nicht nur ohne Heiligtum, sondern eben auch ohne entsprechendes Wissen und Lehren. Und das war dann auch gleich der dritte Schritt des Julian.

Die wirklich großen Veränderungen – die, die eben auch Veränderungen im Kopf sein müssen, die werden eben doch am Besten durch die Schule und am Besten noch durch den Kindergarten betrieben. Und so war dann der dritte Schritt des Julian der, Auslegung von Schriften und Lehrtätigkeit von Christen komplett zu verbieten. Das waren damals ja die Heiden und das waren die Einheimischen Religionen, die er fördern wollte.

Er ging soweit, eine Art heidnische Reichskirche aufzubauen. Die war allerdings wenig beliebt und das Projekt wurde eingestampft, als er starb. Gestorben ist er im Jahr 363, was gleichzeitig auch der Themenanker für die heutige Sendung ist und er gilt als der letzte römische Kaiser, der gegen das Christentum vorgegangen ist.

Nach seinem Tod lebte Kaiser Julian in verschiedenen Schriften und Erzählungen weiter. Von der damaligen Welt, speziell der christlichen Nachwelt, wurde er geradezu verteufelt und ihm wurde nachgesagt, er sei wahlweise zauberkundig gewesen oder aber durch einen Pakt mit dem Teufel dazu gedrängt worden, sich gegen die Christen zu stellen.

Das Ganze geht wohl aus Erzählungen aus Syrien zurück, aus dem 6. Jahrhundert und literarisch ist Kaiser Julian damit eine Art Vorläuferfigur zu Goethes Faust.

Bis bald.

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