40 – Scheibenwelt, fast schon logisch


Die Schöpfung ist unbegreiflich, ähnlich wirr sind daher auch die Erklärungen, die die Menschen im Laufe der Zeit zurechtgebastelt haben. Meist kommen darin jedoch ein Ozean, Eier, Riesen oder Tiere wie Schlagen, Kühe oder Schildkröten vor. Und bei Schildkröten, denke ich kosmologisch gesehen immer an Terry Pratchett. Insgesamt 40(Nachtrag: inzwischen 41) Romane ließ er auf einer Scheibenwelt spielen, die auf dem Rücken von 4 Elefanten ruht welche auf einer riesigen Schildkröte stehen. Wenn das nicht mal eine bombastische Vorstellung ist…

https://de.wikipedia.org/wiki/Terry_Pratchett
https://de.wikipedia.org/wiki/Scheibenwelt
https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmogonie
https://de.wikipedia.org/wiki/Milchozean

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#040 – 40 – Scheibenwelt, fast schon logisch

Alles hat ja bekanntlich einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss. In Episode drei hatten wir schon davon. Heute soll es um den Anfang gehen.

Und der Anfang, also der Anfang von allem, die Erschaffung der Welt also, scheint mir nirgends so einfach gebaut worden zu sein, wie im christlichen Weltbild. Da gibt es nämlich schlicht und ergreifend einen allwissenden Schöpfer, der sich mal hinstellt und alles baut. In schöner Reihenfolge einfach mechanistisch alles hinzimmert, so wie wir es heute kennen. Toll!

Das haben schon andere Völker immer etwas komplizierter gesehen. Selbst wenn am Ende ihrer Schöpfungsmythen dann eine Scheibenwelt stand, mit einem Urozean außen herum, wie es zum Beispiel einzelne griechische Bilder vorschlugen, dann war es doch immer so, dass es noch einen philosophischen Unterbau gab, der etwas aufwendiger gebaut war. Die Frage nämlich: Was bitte war denn vorher? führte immer dazu, dass Mensschen sich vorstellten, es muss unvorstellbar gewesen sein.

Der gemeinsame Startpunkt, den alle irgendwie gemein haben, scheint das Chaos zu sein. Das heißt, ursprünglich war alles durcheinander und durch den Akt der Schöpfung wurde es geordnet. Das ist bei uns Christen auch wieder ein bisschen anders. Da hatten wir es ja eigentlich am Anfang recht geordnet. Immerhin war am Anfang schlicht und ergreifend das Wort. Und das Wort ist ja schon einmal etwas Strukturiertes. Etwas, das Regeln folgt und etwas einfaches, was greifbares, ein einzelnes Element eben.

Ganz generell sind die meisten Schöpfungsmythen doch dann recht poetisch unterwegs. Zum Beispiel die Griechen. Nach der griechischen Mythologie war am Anfang die Nacht, Nyx. Die Nacht war ein Vogel mit schwarzen Flügeln. Und dieser Vogel nun legt ein Ei. Dieses Ei wurde vom Wind befruchtet – den gab es anscheinend also auch schon. Nach einer Erzählung von Hesiod entstand daraus erst mal die Erdmutter Gaia, die dann Uranos auf die Welt brachte, der den Himmel über ihr darstellte. Pontos, das Meer und Eros. Und Himmel und Erde zeugten dann die Riesen, die Kyklopen und die Titanen, ungefähr ein Dutzend. Und der jüngste der Titanen war Kronos. Der war dann letztlich Vater des Zeus. Der – wir erinnern uns – später Kronos umbringen wird usw.

Relativ wirr. Macht aber gute Geschichten, in denen gekämpft, geschlachtet, gemordet, gelitten und geliebt wird. Die Sumerer waren da deutlich pragmatischer. Bei denen gab es die Erde schon immer, die war nur ziemlich leblos und musste erst mal begattet werden. Das hat der Himmelsgott Anu übernommen, der dann nach erfolgtem Akt die Pflanzen hervorgebracht hat.

Eier gab es auch bei den Babyloniern. Das ist die Grundidee, dass es eine Art Weltei gab, aus der alles andere entstanden ist und dieses Weltei war aber in einem Urozean. Dort teilte sich das Ei. Manchmal gab es da auch noch ein Seeungeheuer. Aus dieser Teilung trennte sich Himmel und Erde. Überhaupt gibt es in vielen Mythologien irgendwelche Urwesen: Schlangen, Kühe, oder eben auch Schildkröten.

Und Schildkröten tauchen ganz besonders oft im asiatischen Raum auf. Sowohl die Chinesen als auch die Inder glauben an eine Art Urschildkröte, die in irgendeiner Form etwas mit der Weltschöpfung zu tun hat. Bei den Indern ist die Schildkröte eine Inkarnation von Vishnu. Die Geschichte geht in etwa so: Die Götter und die Dämonen haben sich dicke in der Wolle und bekämpfen sich und erhalten dann von Vishnu einen Auftrag und Vorschlag, nämlich zusammenzuarbeiten, um einen unsterblichkeitsverleihendes Mittel zu erzeugen. Die nehmen daraufhin eine Urschlange, wickeln die um einen Berg, haben so dann einen Quirl für den Urozean erschaffen – ja, ich weiß – jedenfalls an einem Ende der Schlange ziehen die Dämonen, am anderen Ende der Schlange ziehen die Götter und quirreln mithilfe des umwickelten Bergs den Urozean auf, der daraufhin weiß wird und alle möglichen Geschenke freigibt. Und dann gibt es irgendwann den Punkt, wo dieser Berg zu versinken droht. Das verhindert Vishnu, indem er sich in eine Schildkröte verwandelt und den Berg wieder nach oben drückt und damit die Schaffung der Welt erst möglich macht. Die Schaffung der Welt findet dann statt, indem aus diesem weißen, milchigen Urozean alle möglichen Dinge, wie Mond, Himmel, Erde usw. hervorkommen. Logisch, oder?

In manchen nordischen Völkern war man auch wieder recht pragmatisch unterwegs und hat es sich einfach gemacht. Da gab es nämlich am Anfang der Welt ein unendliches Eis und dort tauchte dann die Urkuh auf und leckte die Welt frei.

Alternativ gibt es auch verschiedene Völker, in denen ganz am Anfang ein Kampf, ähnlich wie bei den Griechen besteht, nämlich ein Kampf mit Riesen. Und ein gefallener Riese stellt dann sozusagen die Elemente der Welt dar, mit dem Schädel als Himmelsgewölbe oder dem Blut als der Stoff, aus dem dann später unsere Ozeane und Flüsse sind. Den Haaren, die das Gras und die Bäume stellen usw. Also wir laufen sozusagen in einem gefallenen Riesen durch den Tag.

Nachdem Schöpfungsmythen ohnehin schon recht poetisch waren, steht natürlich auch die Literatur in nichts nach. In Herr der Ringe, bzw. in den Begleitmythen rund um den Herr der Ringe sind es singende Götter, die mit ihren Gesängen und der Musik die Welt erschaffen. Natürlich gibt es da einen Gott, der absichtlich Dissonanzen reinbringt und falsch singt. Klar, es muss ja immer ein Gut und ein Böse geben. Aber ganz generell fand ich diese Vorstellung schön, dass die Welt aus Musik erschaffen wird.

Wir haben also Musik, Schlangen, Urozeane, Eier und bestimmte Tiere wie Schildkröten und Elefanten, die irgendwas mit der Weltschöpfung zu tun haben. Und bei Schildkröten – ich weiß nicht, wie es Dir geht – muss ich immer ganz automatisch an den Scheibenweltmythos denken. Der geht ungefähr so: Die Welt ist eine Scheibe und diese Scheibe ruht auf dem Rücken von vier Elefanten. Und diese vier Elefanten werden von einer riesengroßen Urschildkröte getragen, auf deren Panzer sie stehen. Und diese Urschildkröte schwimmt durch das unendliche Universum. Kommt Dir bekannt vor? Auch Literatur. Terry Pratchett – Scheibenweltzyklus. Insgesamt 40 Romane hat er in dieser Scheibenwelt-Reihe geschrieben und gibt damit der heutigen Episode ihren Anlass und Inspiration.

Auch wenn es schräg war, mit all diesen durchgeknallten Schöpfungsmythen. Da finde ich den Urknall schon irgendwie greifbarer, es ist so schön einfach. Erst ist gar nix, zumindest mal nichts Vorstellbares und dann schlagartig alles da. Schönes Modell! Damit kann ich was anfangen – auch wenn es technisch gesehen nicht viel logischer und greifbarer ist, als die anderen wirren Geschichten, die wir heute hatten.

Bis bald.

1 comment for “40 – Scheibenwelt, fast schon logisch

  1. Dirk
    Oktober 16, 2015 at 7:15 pm

    Mann mann mann… da glaubt man der Wikipedia, das es 40 Romane sind und dann gibt es inzwischen doch tatsächlich einen EINUNDVIERZIGSTEN! Danke an die Hinweiser! 🙂

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