41 – Stiefelchen


Caligula “Stiefelchen” ist einer der bekannteren römischen Kaiser. Ihm wird nachgesagt einer der grausamsten und verrücktesten seiner Zeit gewesen zu sein. Allerdings gibt es bei näherer Betrachtung nur zwei Quellen für diese Behauptung…

https://en.wikipedia.org/wiki/Caligula
http://www.welt.de/kultur/history/article108891024/Der-Kaiser-der-Roms-Adel-zur-Prostitution-zwang.html
http://www.history.com/news/history-lists/7-things-you-may-not-know-about-caligula
Die HBO Serie “Rom”: https://de.wikipedia.org/wiki/Rom_(Fernsehserie)

Sounds:
https://www.freesound.org/people/bone666138/sounds/198874/

Music: http://www.bensound.com
Bild:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caligula_Bust_Houston_Museum.jpg

 

#041 – 41 – Stiefelchen

Unser Bild von den alten Römern ist ja bekanntermaßen überwiegend von Asterix und Obelix geprägt. Dort haben wir Cäsar vor Augen und ein Rom, das hauptsächlich weiß und zivilisiert ist und dekadente Römer. Besonders die Oberschicht. Im Liegen essend, ständig irgendwelche Vergnügungen suchend, sündig, berauschend, Orgien feiernd, so halt. Das Bild wird uns in Filmen, in Literatur und Comis vermittelt. Das stimmt allerdings nicht so ganz.

Ich bin ja Fan hochwertig produzierter Serien, damit übrigens auch ein Kind meiner Zeit und eine der Serien, die ich jedem nur empfehlen kann, ist die HBO Serie Rome. Rome gibt einem in zwei Staffeln einen Blick in das Rom der Cäsaren-Zeit. Und es ist ein fremdartiges und definitiv nicht ganz so prunkvolles Rom, wie wir es immer vor Augen haben. Jedenfalls gab es eine Menge berühmter Kaiser im alten Rom. Nero fällt ein, Augustus, natürlich Cäsar.

Und einer dieser berühmten Kaiser ist auch Caligula. Caligula wurde übrigens im Jahr 41, das ist der Link für unsere heutige Episode, von seinen Widersachern ermordet. Und von Caligula, der übrigens nur vier Jahre lang Imperator war, wurde danach überliefert, wie furchtbar seine Regentschaft war und wie verrückt er gewesen sein muss. Caligula soll mit dem Mond gesprochen haben. Er hat Inzest betrieben, er soll mit seinen drei Schwestern geschlafen haben sollen – übrigens im Beisein von Gästen während einem Gelage. Er hat eine schwimmende Brücke konstruieren lassen, oder so wurde zumindest behauptet, und soll brutal und jähzornig gewesen sein.

Allein die Historiker heutzutage glauben das nicht mehr ganz so. Tatsache ist nämlich, dass wir nur aus zwei Quellen wissen, wie Caligula denn nun gewesen sein soll. Caligula übrigens, der Name übersetzt sich ungefähr wie “Stiefelchen”, ist eine Verniedlichung der Bezeichnung für römisches Schuhwerk, Soldatenschuhwerk, wurde erst nach seinem Tod so genannt, war mit richtigem Namen Gaius Iulius Caesar – jaaaa, noch einer – und eigentlich ein Kriegsheld. Er hatte in Germanien gekämpft, speziell bei der blutigen Schlacht von Varus sich durch Grausamkeit und Erfolg in der Kriegsführung hervorgetan und war bei seinen Soldaten, wie es überliefert wurde, bis zur Selbstaufopferung beliebt.

In seiner Regierungszeit hat er unter anderem auch den Feldzug Richtung Großbritannien vorbereitet. Eine Tat, die nach Meinung Historiker heute eigentlich nicht durchzusetzen gewesen wäre, wäre er tatsächlich so unbeliebt gewesen, wie die Historiker aus der damaligen Zeit, also die zwei überlieferten Schriften, darstellen. Die stellen ihn allerdings wirklich übel dar.

Aber versteh’ mich nicht falsch: Es darf davon ausgegangen werden, dass Caligula wirklich ziemlich brutal gewesen war. Seine Ermordung war wahrscheinlich dadurch verursacht, dass er innerhalb der Adelsklasse und speziell unter den Konsulen und Senatoren wild Todesurteile vollstrecken ließ und einen nach dem anderen wegen zum Teil Bagatelldelikten verurteilte. Ein weiteres Indiz dafür, dass er wirklich ziemlich unbeliebt und wahrscheinlich begründetermaßen verhasst war ist, dass nach seinem Tod systematisch Gedenken an ihn ausradiert wurden. Es gibt kaum Statuen, die ihn zeigen; es gibt kaum Schriften über ihn; kaum Bilder von ihm; viele, viele historische Artefakte sind daher indirekt, was für sich genommen schon ein deutliches Zeichen darstellt. Denn für jemanden, der wenigstens zum Teil im Volk beliebt ist, bleibt dann doch meistens irgendein Gedenken übrig.

Und von Stiefelchen…tja, da wissen wir heutzutage eigentlich nur, dass er einer der wirklich durchgeknallten Kaiser gewesen sein soll und dass er versucht hat, sein Pferd zum Konsul zu ernennen. Ich weiß net, sollte ich es je in irgendwelche Geschichtsbücher schaffen, würde ich gerne mit irgendwas anderem drin stehen. Ist aber vielleicht dann auch wurscht.

Bis bald.

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