4’33”


Themenpaten: d, @adamosbach

Ist Musik, die nicht gespielt wird trotzdem Musik und was hat Stephen Colbert damit zu tun? Heute unternehmen wir einen Ausflug in die sogenannte “Neue Musik”.

 

 

 

 

#433 – 4´33”

Hörer oder Hörerin “d” und @adamosbach haben für die heutige 433 einen Themenvorschlag eingereicht. Nämlich das Musikstück 4’33”. So, wir hören jetzt einmal ganz kurz rein. Augenblick… jetzt geht es los:

[Auszug Song]

Ja, das war jetzt der Mittelteil von 433” und ich finde der kontrastiert ganz angenehm mit dem Anfang und dem Schluss. Hier noch einmal ganz kurz einen Teil von dem Schluss:

[Auszug Song]

Das ist richtig, richtig ergreifend. Findest Du nicht auch?

4´33” ist ein Musikstück des US-amerikanischen Komponisten John Milton Cage Jr. Der lebt leider nicht mehr, der ist 1992 in New York City gestorben, nachdem er sein Leben der Musik gewidmet hat. 250 Kompositionen hat er abgeliefert und die wurden häufig als Schlüsselwerke der sogenannten Neuen Musik angesehen. Als Neue Musik bezeichnet man komponierte Musik und zwar komponierte Musik, die in Mitteleuropa seit etwa 1910 bis zur Gegenwart entstanden ist. Vieles davon ist dann doch sehr künstlerisch geprägt und eher selten in den Top 100 Charts zu finden. Das Musikstück 4´33” ortete man auch dieser Neuen Musik zu.

Falls Du jetzt vorhin gar nichts gehört hast, das war Absicht. Die Wikipedia klärt auf: Da während der gesamten Spieldauer des Stücks kein einziger Ton gespielt wird, stellt eine Aufführung dieses Werkes die gängige Auffassung von Musik in Frage. 4´33” wurde so zu einem Schlüsselwerk der Neuen Musik und regt Zuhörer wie Komponisten zum Nachdenken über Musik und Stille an – Neue Musik hat sich damit sofort in mein Herz gespielt.

Die Idee zu diesem Nicht-Musikstück kam John Cage wohl, als er zum ersten Mal in einem schalltoten Raum war und da dann doch irgend etwas gehört hat. Uraufgeführt wurde das Ganze am 29. August 1952 von einem Pianisten. Das Musikstück hat drei Akte und der Pianist, David Tudor, hat diese drei Akte angezeigt, indem er ein Klavier öffnet und wieder schließt, aber ansonsten nichts getan hat. Die Länge der einzelnen Sätze hat er vorher ausgewürfelt und so ergab sich dann die Länge von 4´33”. Die Hörer waren damals “not amused”, denn den Zuhörern hat niemand gesagt, dass es eigentlich – also ein Musikstück war oder ein Nicht-Musikstück.

Die interessante Frage ist: Was ist dann eben genau ein Musikstück? Spielt der Interpret auch dann, wenn er keine Töne erzeugt? Sind die Geräusche um einen herum, auch Bestandteil der Musik? Wie sieht es aus, wenn die eben, dadurch dass kein Musikstück gespielt wird, besonders gut wahrzunehmen sind? Und eine ganze Reihe anderer Fragen mehr.

Aus dieser Idee heraus entstand natürlich einiges an Interpretationen. 2004 zum Beispiel hat BBC Radio 3 das Stück zum ersten Mal im Rundfunk gesendet. Es musste dabei erstaunliche technische Hürden überwinden. Moderne Radiostationen sind nämlich so ausgestattet, dass es Notfallsysteme gibt, die einklicken, sobald auf der Radiofrequenz Stille gesendet wird. Das hat auch zum Teil rechtliche Gründe, Radiostationen müssen nämlich senden. Das ist eine der Dinge, die sie von anderen Medienformen unterscheiden.

Für dieses Musikstück eben, musste dieses Notfallsystem abgeschaltet werden. BBC Radio 3 ließ sich jedenfalls nicht lumpen. Diese erste Aufführung im Rundfunk war gleichzeitig das erste Mal, dass 4´33” von einem Orchester gespielt wurde und ein Publikum war auch im Studio anwesend und das Publikum klatschte enthusiastisch. Egal ob man jetzt diese Idee für mumpitz oder für großartig hält, John Cage hatte die nicht als erster. Es gab schon andere vor ihm, die stille Musikstücke komponiert haben. Das hielt aber John Cage nicht davon ab, später einen anderen Komponisten wegen Plagiarismus zu verklagen. Der hatte ein Stück  “A One Minute Silence” herausgebracht und traf sich dann mit John Cage vor Gericht. Ein Argument, das er da versuchte zu machen war, dass sein Musikstück ein viel besseres stilles Stück wäre, weil er nämlich innerhalb einer Minute Stille denselben Effekt erreichen würde, für den John Cage immerhin 4 Minuten 33 Sekunden gebraucht hatte. Das war allerdings natürlich ein Werbe- und Marketing-Gag, das kann man sich ja fast schon denken.

Anders als die meisten anderen Stücke der Neuen Musik, schaffte es 4´33” auch in die britischen Charts. 2010 nämlich, da gab es eine Facebook-Aktion und eine Version namens “Cage Against The Machine”- Version von 4´33” und schaffte es immerhin bis auf Platz 21. Ganz allgemein lohnt es sich Interpretationen von 4´33” zu suchen und zu finden.

Mein Liebling und auch von unserem Themenpaten empfohlen, ist die Version von Stephen Colbert. Stephen Colbert ist ein US amerikanischer Comedian, der insbesondere Trump gerne im US-Fernsehen auf’s Korn nimmt und der hat seinerzeit ein Video veröffentlicht, in dem eine Katze das Musikstück 4’33” performt. Da wären wir gleich bei einer weiteren Frage: Kann man Musik eigentlich nur als Mensch erzeugen oder sind Tiere da vielleicht auch für geeignet?

Weil es so toll ist, hänge ich dir 4´33” von Stephen Colbert, performt von einer Katze, in voller Länge an. Mal schauen, ob YouTube das Ding als Copyright geschützt markiert.

Bis bald.

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