45 – Forever young


Ray Kurzweil sagt für 2045 die Singularität und das Time Magazine daher die Unsterblichkeit voraus. Grund genug diese alte Idee der Menschheit näher zu beleuchten, denn es gibt Archetypen über die zu reden es sich lohnt (Jungbrunnen, biographische Unsterblichkeit, …)

Unsterblichkeit:
http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article108162234/Unsterblichkeit-hat-nur-einen-geringen-Spassfaktor.html
http://www.fr-online.de/kolumnen/zeitgeist-formen-der-unsterblichkeit,29976192,30866912.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Unsterblichkeit

Elon Musk: http://www.welt.de/wirtschaft/article136641044/Elon-Musk-ist-die-Menschwerdung-von-Ironman.html

Kryonik: https://de.wikipedia.org/wiki/Kryonik

Transhumanismus: https://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanismus 

Music: https://www.youtube.com/watch?v=9ei4mPsAkoM
Music: www.bensound.com

Bild: https://www.flickr.com/photos/danielvoyager/3893900302

 

#045 – 45 – Forever young

2045 soll, so Ray Kurzweil, ein bekannter amerikanischer Technologe, Buchautor und Angestellter bei Google die Singularität eintreten. Dieser etwas sperrige Begriff markiert den Moment, in dem unsere Technologie derart intelligent wird, dass sie sich selber weiterentwickelt. Das war übrigens nicht die erste Vorhersage von Ray Kurzweil und viele seiner Aussagen sind umstritten, aber oft auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Seine vergangenen Vorhersagen waren zu einem gewissen Anteil auch treffend.

Spannend daran nun ist, dass wir Intelligenz versuchen zu erschaffen und das kann man jetzt beunruhigend und gruselig finden oder völlig begeistert entgegennehmen. In jedem Fall wird die Technologie um uns herum immer intelligenter. Eine sehr, wie ich finde, interessante Schule der Philosophie nun, der sogenannte Transhumanismus, beschäftigt sich damit, was dieser schnelle Anstieg an technologischen Möglichkeiten mit uns als Rasse und Menschheit anstellen wird.

Und eine der Annahmen, die es darin gibt ist, dass wir Superintelligenz haben werden und irgendwann auch die Möglichkeit haben werden, komplette Gehirne zu simulieren und damit auch Bewusstsein zu simulieren. Das Time Magazin nahm diese beiden Aussagen, Ray Kurzweils Vorhersage und die Meinung der Transhumanisten und sagte damit voraus, dass 2045 den Zeitpunkt markieren wird, in dem die Menschheit das Geheimnis der Unsterblichkeit gelüftet hat. Denn was sonst heißt es denn, wenn wir Gehirne simulieren können, unsere Computer medizinische Probleme von alleine lösen können und unsere Technik sich immer schneller, immer weiter entwickelt.

Unsterblichkeit ist übrigens eine dieser Dinge, die es schon so lange gibt als Idee, wie es Menschen gibt. Vom ersten chinesischen Kaiser wird berichtet, dass er auf der Suche nach Unsterblichkeit alle möglichen Zaubertränke trank – gestorben ist er trotzdem. Viele große überlieferte Künstler und Philosophen erschufen Schriften mit dem erklärten Ziel, der Nachwelt ihre Ideen zu hinterlassen. Das ist eine Form der Unsterblichkeit. Lieschen Müller und Max Mustermann mangels Talent für große literarische Schaffenswerke und mangels Kleingeld für technologische Möglichkeiten das Leben zu verlängern, helfen sich damit, dass sie irgendwann auf die Idee zurückfallen, in ihren Kindern weiterzuleben durch ihr weiter gegebenes Wissen, Erfahrungen, Kultur, usw.

Und natürlich geben wir unsere Gene weiter, klar. Und Information wird seit Anbeginn der Welt weiter übertragen. Letztlich ist die gesamte Entwicklungsgeschichte unserer Welt nichts anderes als eine ständige Weitergabe von Information. Es gibt also zwei Arten von Unsterblichkeit offensichtlich, über die wir hier reden. Die eine Art ist eine immaterielle – unsere unsterbliche Seele als Gegenstand dessen, was die Religion unsterblich findet. Unsere Ideen, unsere Gene, unser Einfluss auf die Welt um uns herum. Das ist die – nennen wir es mal mangels besserer Begrifflichkeit – seelische Unsterblichkeit.

Dem gegenüber steht eine ganz greifbare Unsterblichkeit. Wirklich schön formuliert hat das mal Woody Allan. Der sagte: “Ich möchte nicht durch meine Arbeit unsterblich werden. Ich möchte unserblich werden, in dem ich nicht sterbe.” Dieses greifbare Unsterblichsein ist, was der erste chinesische Kaiser versucht hat zu erreichen – seinen Körper unsterblich machen.

Schon unsere Ahnen haben versucht beides zu bedienen. Wenn Religion uns von einem Leben nach dem Tod berichtet oder von Wiedergeburt, dann sprechen wir natürlich von der seelischen Unsterblichkeit. Auch wenn es um das Fortleben in unseren Ahnen geht. Seelische Unsterblichkeit, immaterielle Unsterblichkeit. Besagter Kaiser, dem war das wahrscheinlich ziemlich wurscht. Der wollte schlicht nicht sterben und der Mythos aus der damaligen Zeit war, ein Unsterblichkeitstrank; eine Unsterblichkeitsquelle; ein Gott, der einem Unsterblichkeit verleiht; all diese Dinge, die letztlich dafür gesorgt haben, das unvermeidliche Ende, nämlich den körperlichen Tod zu besiegen.

Wie ist das heute? Das immaterielle Unsterblichkeitsbild im Sinne von einer Seele, die überdauert und die im Jenseits weiter gedeiht oder wiedergeboren wird – in unserer modernen Wissenschaftlichen Welt lässt sich das immer schwerer tatsächlich halten. Nach und nach zerbröseln die Neurowissenschaften das Bild, das wir von unserem zweigeteilten Wesen, nämlich dem Körper und dem Geist haben. Denn es wird immer offensichtlicher, dass unser Geist, unser Bewusstsein eine Konstruktion unseres Gehirns und Denkapparats zu sein scheint. Aber wir leben durch unsere Kinder unsere Ideen weiter, richtig?

Naja, führen wir uns mal kurz vor Augen, dass es uns gerade mal ein paar hunderttausend Jahre auf diesem Planeten überhaupt gibt und wie wenig tatsächlich von unseren Ahnen überliefert und zurückbehalten wurde. Und wielange es dauerte, bis wir auch nur wussten, dass es mal Dinosaurier auf diesem Planeten gab und wie wenig wir eigentlich immer noch darüber wissen, wie es hier auch nur vor ein paar hundert Jahren ausgesehen hat. Unsterblichkeit durch Ideen und Gene – ja, im Konzept vielleicht, für eine begrenzte Zeit. So richtig befriedigend aber irgendwie nicht.

Und da kommen nun die modernen Zaubertränke und Jungbrunnen ins Spiel. Da gibt es einmal zum Beispiel die Kryonik. Die verspricht, dass wenn wir sterben, Experten unser Gehirn oder unseren Kopf oder unseren ganzen Körper nehmen, einfrieren und irgendwann in der Zukunft, wenn wir gelernt haben, wie man aus diesen Überbleibseln wieder alles rekonstruiert, was uns mal ausgemacht hat, dieses wiederzubeleben und uns damit wieder auferstehen zu lassen. So eine Art wissenschaftlich erschaffener Zombie. Irgendwie.

Tatsächlich gibt es keinerlei experimentellen Beweis, dass das überhaupt möglich sein wird. Nicht mal eine Maus wurde bisher nennenswert lang eingefroren und wiederbelebt zu dem vollen Leistungs- und Bewusstseinsformat, das diese Maus vorher mal gewesen war. Wir wissen auch nicht, ob wir uns dann genauso fühlen, wenn es denn überhaupt möglich sein wird, aber das Versprechen existiert und wir können uns diesen Wunsch erfüllen, für nur wenige tausende von Euro.

Die Alternative ist, wenn man es wissenschaftlich betrachtet, dann Ray Kurzweils Gedanke, nämlich: Lasst uns Computer schaffen, die Gehirne simulieren können und uns dann in diese Computer hochladen. Die interessante Frage dabei: Sind das dann noch wir? Sind wir dann noch dieselben? Oder ist das ein ganz anderes Wesen? Und: Stirbt nicht vielleicht das Original dann? Und was ist eigentlich, wenn wir uns in einen Computer hochladen und das Original beibehalten? Haben wir dann zwei Wesen geschaffen? Ah, das wird noch interessant werden, denn ich persönlich habe übrigens keinen Zweifel daran, dass wir irgendwann Computer haben werden, die ernsthaft Bewusstsein und menschliche Gedanken simulieren können.

Das ist auf jeden Fall auch eine sehr materielle Unsterblichkeitsidee und passt genau in unsere Zeit. Wir nehmen die Technologie, die heute zur Verfügung steht. Dem chinesischen Kaiser stand zur Verfügung, nach Zaubertränken zu suchen und wenn die nicht funktioniert haben, sich Katakomben zu bauen, die auch nach tausenden von Jahren noch sichtbar sind. Wir haben Tiefkühlschränke und Computer. Nehmen wir also die für die Unsterblichkeit.

Da gibt es dann übrigens auch eine immaterielle Schule, die auf der heutigen Technologie basiert und der gehört zum Beispiel ein Elon Musk an. Der versucht die Zukunft der Menschheit zu sichern, in dem er uns zum Mars bringt. Das ist eine der erklärten Gedanken hinter dem Spasics Programm, das seine Firma betreibt. Und das nenne ich immaterielle Unsterblichkeit, der Fortbestand der Menschheit, die Idee der Menschheit weiter zu sichern. Ich persönlich finde es übrigens relativ entspannend zu wissen, dass Unsterblichkeit in unserem Universum in jedem Fall begrenzt ist. Wir sind eine individualisierte Gesellschaft, das heißt, wir halten uns selbst immer für im Zentrum stehend und enorm wichtig.

Aber zu verstehen, dass letztlich alles zum Ende kommt und dass wir im Moment gerade ein minimal kleiner Teil in der Geschichte allein schon unseres Planeten sind, der vielleicht auch in einer verhältnismäßig kleinen Zeit wieder der Geschichte angehören wird, hat was tröstliches. Es nimmt Verantwortung von meinen Schultern. Ich bin damit mir selbst und meiner Familie und dem Hier und Heute und dem Jetzt verpflichtet und nicht so sehr den Menschen, die in 1.000, 5.000, 100.000 Jahren leben mögen. Und schon gar nicht denen, die aus irgendwelchen Tiefkühlfächern rausgeholt und wiederbelebt werden. Denen bin ich wahrscheinlich auch heute schon ziemlich wurscht und werde das auch in ein paar tausend Jahren noch sein.

In diesem Sinne heute mal philosophisch: Bis bald.

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