476 – Der Untergang Roms


Themenpate: @tifftoffo

Obwohl wir die Ereignisse rund um den Niedergang des römischen Reiches ganz gut kennen, streiten sich die Gelehrten darum warum es letztlich so weit kommen konnte. Nur das Jahr in dem sich alles zuspitzte, das ist bekannt: 476

Bild: Von painting of Thomas Couture, own photo – Musée d’Orsay, Paris, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7305045

 

 

#476 – Der Untergang Roms

Wenn wir an das alte Rom denken, dann denken wir an Paläste, an das Forum Romanum, an römische Soldaten, an Gladiatoren, an ein Rom, das ganz Europa beherrschte und bis an den Rhein vorgedrungen war. Woran wir nicht so sehr denken, ist ein zweigeteiltes Rom. Oder ein Rom, in dem durchgehend Bürgerkrieg herrscht. Oder ein Rom, das nur noch bröckchenweise über Europa herrscht.

Genauso stellt sich aber die Situation im Jahr 476 dar. Und  @tifftoffo ist Schuld, dass wir das heute als Themenanker nehmen. Denn das Jahr 476 gilt allgemein als das Jahr, in dem das Römische Reich fiel oder eigentlich – und so wäre es richtiger – es absolut amtlich war, dass es kein Römisches Reich mehr gab. Wobei das natürlich nicht einfach mit einem Paukenschlag zu Ende war. Eigentlich hat diese letzte Phase des Römischen Reiches 80 Jahre lang gedauert. Als Startschuss könnte man die sogenannte Reichsteilung von 395 sehen.Das war nämlich das Jahr, in dem der letzte gemeinsame Kaiser des gesamten Römischen Reiches Theodosius I. starb und das Römische Reich in zwei Hälften zerteilt wurde, in der jeweils ein Kaiser residierte.

Der Oströmische Kaiser war Theodosius’ älterer Sohn und der weströmische Kaiser war sein jüngerer Sohn. Und da war es dann auch vorbei mit Rom als Herzen des Reiches. Im Osten war nämlich Konstantinopel dann die Hauptstadt des Reiches und im Westen, da war zunächst mal Mailand, dann Ravenna und gelegentlich auch mal Rom im Zentrum. Aber wie gesagt: Es drehte sich einfach nicht mehr alles um Rom, so wie früher, als das Reich noch vereint und mächtig war.

Im Jahr 476 regierte Kaiser Romulus Augustulus. Und schon in dem Namen ist völlig klar, dass der Kaiser einen schweren Stand hat. Denn eigentlich nannte man Kaiser bei ihrem Ehrennamen Augustus. Augustulus hieß so viel wie “das Kaiserlein”. Das hatte einen Grund, weil Augustulus war noch minderjährig als er zum Kaiser ausgerufen wurde. Da war er gerade mal 15 Jahre alt.

Das ganze war von seinem Vater, einem einflussreichen Patrizier, inszeniert worden und man kann sich vorstellen, dass nicht jeder im Römischen Reich – weder im weströmischen noch im oströmischen – Lust darauf hatte, sich von einem Teenager regieren zu lassen. Man darf auch davon ausgehen, dass Augustulus eigentlich weitgehend Marionette war.

Und um die Regierungsgeschäfte zu leiten, war er sowieso viel zu unerfahren. Im weströmischen Reich ging es zu der Zeit hoch her. In manchen Teilen des Reiches hatte es endlose Bürgerkriege gegeben und so passierte es immer öfter, dass Teile des Reiches sich eben lossagten und eigene kleinere Reiche gründeten. Rom war sozusagen im Zerfall.

Im Schicksalsjahr 476 nun, kam es zu einer Rebellion. Der Anführer eines Kriegverbands hatte Ländereien gefordert und die nicht bekommen. Aus Ärger darüber marschierte er dann einfach mal in Ravenna ein, wo er den Kaiser dann vorfand, absetzte und die Kaiserinsignien nach Ostrom schickte, mit der Bemerkung, man braucht in Italien keinen eigenen Augustus mehr, sondern man unterstellt sich schlicht dem Kaiser in Konstantinopel. Dort hatte man den weströmischen Kaiser sowieso nicht ernst genommen und beschloss dann den Nachfolgekaiser nicht mehr anzuerkennen.

Dieser Vorgang war bemerkenswert. Alle vorhergehenden Stürtze, die es im weströmischen Reich gab, hatten hinterher eine neue Marionettenfigur als Kaiser eingesetzt, denn man wollte ja weiter an der Macht bleiben. In diesem letzten Aufstand aber wurde nicht nur ein Kaiser abgesetzt, sondern die Reichsinsignien wurden weggeschickt und es wurde bekannt gegeben, dass man in Zukunft im weströmischen Reich keinen Kaiser mehr brauchte.

Deswegen sparte man sich auch die Mühe, den gerade abgesetzten Kaiser umzubringen, wie es bei seinen Vorgängern noch passiert ist. Stattdessen bekam er eine Rente und durfte weiter vor sich hin leben. Wann Augustulus letztlich starb und woran ist unbekannt.

Ganz war die Geschichte des Römischen Reiches damit freilich noch nicht vorbei. Das weströmische Reich befand sich jetzt in Auflösung, aber das oströmische Reich oder auch byzantinische Reich, das überdauerte noch fast ein Jahrtausend lang und endete erst 1453 mit der Eroberung durch die Osmanen.

Seit diesen Ereignissen jedenfalls, versuchen Gelehrte sich immer wieder einen Reim darauf zu machen, warum das Römische Reich am Ende zerfallen ist. Was war der Grund für den Niedergang? Ziemlich lang war die Lieblingstheorie, die angebliche Dekadenz der Römer. Immer mehr Reichtum hätte zu immer mehr Widerlichkeit und Dekadenz geführt und das hätte dann zu einem schleichenden Verfall der militärischen Macht und des Einflusses und schließlich zum Verlust der Macht geführt.

Das ist auch das Bild, was in vielen zeitgenössischen Filmen und auch natürlich bei Asterix Comics weiter vermittelt wird. Andere Gelehrte sagen, das Römische Reich war einfach irgendwann mürbe geworden. Es gab ständige Bürgerkriege, Eindringlinge von außen, Krisen innerhalb und außerhalb des Reiches und irgendwann waren die Kräfte einfach aufgezehrt.

Ja und dann gibt es immer öfter auch noch eine dritte Meinung. Die nämlich, dass es eigentlich gar keinen Untergang des Römischen Reiches gegeben hatte. Auch wenn es diese Ereignisse im Jahr 476 gibt, die scheinbar eine Art Wendepunkt markieren: Diese Ereignisse wären einfach nur Teil eines längeren Prozesses gewesen. Das Römische Reich war nicht einfach untergegangen, sondern nach und nach über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg gab es einfach einen kulturellen und gesellschaftlichen Wandel. Vom antiken Imperium Romanum hin in die Welt des Mittelalters.

Aber ganz egal, wie man es denn nun sehen möchte: Die Ereignisse im Jahr 476, die waren schon etwas besonderes.

Bis bald.

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