477 mio. Tonnen CO2


Wie werden eigentlich CO2 Emissionen berechnet? Kann man das überhaupt noch eine Berechnung nennen?

  • https://www.welt-sichten.org/artikel/32477/wie-berechnet-man-co2-emissionen
  • http://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/wie-funktioniert-die-berichterstattung

Bild: CC0, Pixabay, https://pixabay.com/en/blue-co2-dioxide-energy-gases-88068/

 

 

#477 – 477 mio. Tonnen CO2

Zahlen gibt es überall und selten wird es so deutlich, wie in dem kleinen Büchlein “Die Welt in Zahlen”, das der Economist jedes Jahr auf’s Neue herausgibt. Ich blättere da auch wirklich gerne drin. Und wie man es bei so einem Titel erwartet, ist das Buch randvoll mit Tabellen, Statistiken, Zahlen eben und Daten, Fakten rund um alles mögliche in der Welt.

Die Zahl, die mir da heute aufgefallen ist, hat mit dem Kohlendioxidausstoß zu tun. Der wird ja in Millionen Tonnen angegeben. Die Liste wird mit Abstand angeführt von China, USA, Indien, Russland und Japan, die alle mehr als 1.000 Mio. Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ausstoßen. Auf Platz 6 kommt dann schon Deutschland. Und auf Platz 12, da ist der Themenanker von heute: Nämlich Brasilien – mit 477 Mio. Tonnen Kohlendioxidausstoß und da habe ich mich gefragt: Wie berechnet man das eigentlich und woher weiß man das?

Es stellt sich heraus: Es gibt eine sogenannte Klimarahmenkonvention – die UNFCCC. Da wurde festgelegt, wie Klimagase erfasst, berechnet und geschätzt werden. Denn ganz genau messen kann man es leider nicht. Es gibt auch nicht nur das Kohlendioxid. Insgesamt gibt es 6 direkte und 4 indirekte Treibhausgase, die nach UNFCCC beachtet und berechnet werden müssen. Das muss auch nicht jeder machen, sondern nur die sogenannten Industrienationen. Außerdem gibt es noch ein paar Schwellenländer wie Chile, die auch den Ehrgeiz haben, genaue Werte zu liefern, weil sie ja als Industrienation auch Anerkennung finden wollen.

Um jedenfalls zu berechnen, wie viel Kohlendioxid ausgestoßen wird, muss geschätzt werden. Und diese Schätzungen, die hängen im Wesentlichen von zwei Dingen ab: 1. Wo entsteht die Emission? Es gilt das Verursacherprinzip. Es ist also für die Berechnung völlig egal, wohin Emissionen letztlich geweht werden. Wichtig ist, wo der Erzeuger der Emission steht. Das ist natürlich besonders im Grenzgebiet immer mal wieder Gegenstand von Diskussionen.

Spannend wird es bei beweglichen Quellen – Flugzeuge zum Beispiel oder Autos. Einfach ist es natürlich bei allem, was einen Schornstein hat – Kraftwerke, Industrie, usw. Für die Schätzung jedenfalls wird ermittelt, was denn nun an Quellen im Land existiert. Im Falle von Verbrennungsmotoren, also den Motoren in Autos zum Beispiel, hat man dabei sogar noch ein einigermaßen leichtes Spiel, denn wir wissen relativ genau, wieviel Sprit auf dem Bundesgebiet zum Beispiel verkauft wird. Dank der Zulassungspflicht weiß man auch relativ genau, welche Art von Motoren betrieben werden und da kann man schon einigermaßen genau schätzen, was da wohl an Emission produziert wird.

Ganz anders sieht das jetzt mit Flugzeugen aus. Die wechseln ja ständig die Länder, in denen sie sich befinden und die werden international betankt. Aber ihre Emissionen, die finden über Landesgrenzen hinweg statt. Jetzt könnte man das natürlich ausrechnen oder aber auch einfach mal beschließen, Flugzeuge gar nicht zu berücksichtigen. Und so absurd es klingt: Das wird im Moment gerade genauso gehandhabt. Für die Emissionszahlen, die also in unseren Statistiken stehen, spielt der Flugverkehr erstmal keine Rolle.

Die Emissionsquellen, die aber trotzdem berücksichtigt werden, die werden jedenfalls zusammengetragen. In Duetschland durch das Umweltbundesamt. Das fasst dann alle Quellen im sogenannten Emissionsinventar zusammen. Wie man jetzt aus diesem Inventar entsprechende Werte schätzt, das ist international festgelegt. Es gibt ein bisschen Spielraum bei den einzelnen Methodiken, weil in jedem Land natürlich etwas andere Bedingungen herrschen; Motoren sind unterschiedlich gewartet; es gibt unterschiedliche technische Standards usw. Aber im Wesentlichen ist die Idee, dass man einigermaßen ähnlich beim Berechnen der Werte verfährt und dadurch die Emissionswerte auch international vergleichen kann.

Das ist übrigens der Kern des sogenannten Kyoto-Protokolls. Das hat nämlich verbindlich festgelegt, dass jedes Land, das unterzeichnet, eine System zur Erfassung, Messung und Schätzung von Klimagasemissionen einrichten muss.

Und jetzt, wo man dann diese Werte hat, was macht man damit? – Naja, zunächst streitet man – wie wir ja in den letzten Wochen und Monaten erleben durften – über die angemessene Reaktion. Es herrscht ja die Hoffnung, dass man durch Beeinflussen der CO2 Werte, den menschgemachten Klimawandel unter Umständen noch aufhalten oder abmildern kann. Allerdings lässt sich natürlich hervorragend darüber streiten, wer da mehr oder wer da weniger beizutragen hat und in welchen Ländern denn besonders viel und besonders wenig Emissionen produziert wird.

Deutschland zum Beispiel ist in absoluten Zahlen gesehen, auf Platz 6 der Weltrangliste der CO2-Emissionen. Berechnet man aber CO2-Emissionen pro Einwohner, dann fällt Deutschland auf den 33. Platz zurück. Es ist also alles wieder mal nicht so einfach schwarz-weiß, wie wir immer glauben wollen.

Unstrittig ist aber eins: Wenn man mal eine Methode anlegt, um diese Gasemission zu schätzen, dann reicht es ja, diese Methode konsequent weiterzuführen, um zu sehen, ob der Trend nach oben oder nach unten zeigt. Ob wir also mehr oder weniger emittieren und gerade bei Treibhausgasen wie dem CO2, da ist weniger besser. Und so genau geht es dann beim Messen gar nicht. Hauptsache der Trend geht weiter nach unten.

Bis bald.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: