54 – Minecraft


Es ist praktisch ausgeschlossen, Kinder im Alter zwischen 8 und 16 zu haben und um Minecraft herumzukommen. Aber was ist das eigentlich für ein Spiel? Was macht man da? Der Anerzähler hilft verzweifelten Erwachsenen ihr Vokabular ein wenig aufzubessern…

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#054 – 54 – Minecraft

Meine Kinder sind spielsüchtig, und zwar nach Minecraft. Ich habe es ja schon mehrmals erwähnt. Minecraft ist ein ganz besonderes Spiel und definitiv ein Phänomen. Worum geht es in Minecraft? Ganz generell ist es ein sogenanntes Open World Game. Das heißt, wir haben eine offene Welt, in der wir uns frei bewegen können. Und in Minecraft besteht diese Welt aus Blöcken. Und diese Blöcke kann sie bearbeiten. Man kann sie abbauen, man kann sie miteinander kombinieren, man kann Materialien und Gegenstände herstellen.

In Minecraft ist alles würfelförmig: Die Sonne, der Mond, die Tiere, die Pflanzen, alles ist aus Würfeln zusammengesetzt. Die Faszination an Minecraft nun entsteht daraus, dass es keine Regeln gibt. Es gibt kein erklärtes Spielziel. Es gibt mehrere Spielmodi: Einmal gibt es den Survival-Mode. Im Survival-Mode wird man erst mal ohne jegliche Ausrüstung in eine Welt geworfen und hat dort jetzt die Umgebung zur Verfügung und muss versuchen zu überleben. Denn nachts, wenn es dunkel wird, kommen Monster heraus und greifen uns an.

So sind dann auch die ersten zehn Minuten, so lange dauert ein Minecraft-Tag, damit gefüllt, Holz abzubauen, damit man sich Werkzeug erstellen kann; einen Unterstand zu bauen mit einer Fackel drin, damit man Licht hat, denn Monster tauchen im Dunkeln auf; idealerweise vielleicht auch schon eine Waffe oder erste Materialien abzubauen, mit denen man dann am nächsten Minecraft-Tag weiter arbeiten kann und nach und nach sozusagen zu immer mehr Gegenständen, Möglichkeiten und Baumaterialien kommt.

Die Welt an sich ist übrigens endlos. Minecraft berechnet immer, wenn man neues Territorium erobert, wie es dort auszusehen hat und das bleibt dann so. Es gibt alle möglichen Arten von Landschaften, sogenannte Biome. Dort gibt es Sumpf, es gibt Wüste, es gibt schneebedeckte Berglandschaften, es gibt Seen, es gibt tatsächlich nahezu alles, was man sich in der echten Welt auch vorstellen kann an Formationen und Umgebungen. Und manchmal sieht es unglaublich schön aus, speziell wenn die Sonne untergeht und alles in ein rötliches Licht taucht.

Neben dem Survival-Mode gibt es noch einen Kreativ-Modus. Im Kreativ-Modus hat der Spieler alle Materialien zur Verfügung und er braucht auch keine Nahrung zum Überleben und kann auch von Monstern nicht umgebracht werden. Dafür kann er im Kreativ-Modus beliebig abbauen, aufbauen, umbauen und seinen kreativen Impulsen völlig freien Lauf lassen.

Ich habe meinen Kindern schon vor ungefähr eineinhalb Jahren einen gemeinsamen Minecraft-Server ins Netz gestellt, auf dem sie miteinander und mit Freunden bauen und spielen können. Und die haben dort ganze Städte aufgebaut. Ich habe ja schon erwähnt: In Minecraft gibt es Tiere und es gibt tatsächlich auch Dorfbewohner und Eingeborene und man kann mit denen interagieren. Man kann sie auch einfangen und zum Beispiel eine Farm bauen.

Und tatsächlich ist in Minecraft auch möglich, einfache Maschinen zu bauen, die Dinge sortieren oder Dinge herstellen oder automatisch die Monster abwehren, die auf einen zukommen usw. Und Minecraft hat natürlich damit alles was es braucht, um seine eigene Subkultur zu bilden. Es gibt Youtube-Channel, die nichts anderes machen, als Minecraft Videos zu senden. Es gibt einen Typen, der seit – ich weiß gar nicht wielange – ewigen Zeiten, seit der allerersten Vollversion von Minecraft, in Minecraft immer in die selbe Richtung unterwegs ist, hin zu dem Ende von Minecraft – einem mythischen Land, in dem der Algorithmus, der die Landschaft erzeugt zusammenbricht und deswegen ganz wilde Kreationen schafft. Das ist dann fast schon wie eine auf Minecraft basierende Soap Opera.

Natürlich gibt es Leute, die einen Himmel mit Minecraft machen, das geht doch easy. Und es gibt Spiele im Spiel. Also verschiedene Arten Minecraft zu spielen. Da gibt es das klassische Gegeneinanderballern; es gibt Bed Wars, wo es darum geht, das Bett des jeweils anderen, also den Punkt an dem sein Spielecharakter immer wieder neu entsteht, zu erobern. So ein bisschen wie Capture the flag nur anders herum. Und es gibt Leute, die Vorbilder aus der realen Welt nehmen und sie komplett nachbauen, wie zum Beispiel irgendwelche Monumente – den Eiffelturm, ganze Stadtteile, ganze Gebäude – komplett in Minecraft nachstellen.

Minecraft-Spieler haben dabei ihre komplett eigene Sprache und Bezeichnungskultur entwickelt. Wenn man unseren Kindern dabei zuhört, wie die in der Früh fachsimpeln, was sie denn jetzt in Minecraft gerade wieder gebaut oder gespielt haben, fühlt man sich als nicht eingeweihter Spieler vollkommen abgehängt.

Ich selbst bin völlig fasziniert von Minecraft. Ich spiele es auch immer mal wieder an und kenne so ein paar Grundlagen, aber ich habe nicht annähernd die Zeit und Muße, wirklich Stunden damit zuzubrigen. Damit bin ich hier der Brookie im Haus. Naja, meine Liebste auch noch. Sie hat es noch nie gespielt, sondern nur zugeguckt.

Typisches Spielsetting übrigens ist Minecraft im Rudel, um wahlweise gegeneinander zu spielen oder miteinander zu bauen. Im Hintergrund Skype als Tool für Video- oder Telefonkonferenz und dann bis zu zehn Leute, die gleichzeitig rumtoben auf diesem Server. Ich denke mal, es gibt größere Installationen, aber das ist so das Setting, das wir oft haben. Fünf, sechs Leute per Skype verschaltet auf einem geimeinsamen Minecraft-Server.

Und wenn ich das vergleiche mit meiner Jugend, in der ich auch viel gespielt habe, auch gerne mal im Netzwerk, ist das trotz allem immer noch wesentlich komplexer und kommunikativer und freundlicher, als das, was ich so manchmal gespielt habe. Ich persönlich habe mir ja vorgenommen jetzt endlich mal den Survival-Mode auszuprobieren, weil ich krebse immer im Creative-Mode herum, das ist der Modus – zur Erinnerung – in dem man nicht sterben kann und alles zur Verfügung hat. Also der einfache Modus, auf den meine Kinder inzwischen herabschauen. Und vielleicht in meiner Welt oder auf unserem Server sogar mal die ersten Tage ohne Hilfe zu überleben. Was bedeutet: Nahrung finden, sich vor Monstern zu verteidigen, einen Unterschlupf bauen, Kleidung schaffen usw.

Der Fachbegriff übrigens für das Erschaffen von Gegenständen ist Craften und das wird in Minecraft gemacht, indem man in einem Feld, in dem Leerboxen sind, verschiedene Materialien in Mustern anordnet. Man hat also einen Grid von sagen wir mal 3×3 Feldern und wenn man in diesem Grid 2 Holzstücke übereinander und oben quer 3 Steinstücke hat, dann hat man eine Steinaxt gebaut – nur so als Beispiel.  

Es gibt Rezepte für diese ganzen Gegenstände, die man dort bauen kann und manchmal muss man Gegenstände bauen, um andere Gegenstände bauen zu können. Diese Kombinationsmöglichkeiten erweitern sich mit jedem Gegenstand, den man erfolgreich gecraftet hat.

Minecraft ist übrigens unendlich in der Ausdehnung, aber nach oben und nach unten gibt es eine Limitierung. Das heißt, die Anzahl Blöcke, die man insgesamt verbauen kann nach oben und nach unten, ist begrenzt. Und wenn man nur tief genug in die Erde buddelt, landet man dann eben beim sogenannten Bad Rock. Also einem nicht mehr abbaubaren Material. Außer natürlich, man versucht zu cheaten, indem man beispielsweise Erweiterungen installiert, die einem mehr Möglichkeiten geben.

Auf unserem Server – meine Kinder sind ja Pros – gibt es natürlich solche Erweiterungen. Und ich habe es dann mal geschafft, eine Lavasäule von 8×8 Blöcken durch Messer, die von der maximal obersten Höhe bis zur maximalsten Tiefe gingen, zu erschaffen…. versehentlich. Und ich habe dann in Panik versucht, das Ding abzubauen, weil es war in der Nähe von einem Gebäude, was ich gebaut hatte unter viel Aufwand und wahrscheinlich völlig unnötigen Schmerzen, nur um mir dann irgendwann von meinem Sohn lachend erklären zu lassen, alles was ich gebraucht hätte, wäre ein bisschen Wasser gewesen und dann wäre diese Lavasäule zu einer Steinsäule geworden und alles wäre gut gewesen. Naja. Passiert mir garantiert so auch nicht mehr. Die war ziemlich absurd.

Inzwischen habe ich mir die Syntax von diesem Kommando genau angeschaut. Ich kann jetzt Lavasäulen erzeugen, wenn ich es will, nicht, weil es mir passiert. So. Man lernt ja daraus.

Und Du? Wenn Du Dich jetzt fragst, warum ich das alles hier in der Episode 54 erzähle, dann nimm doch mal Minecraft – kann ich nur sehr empfehlen übrigens – starte es und öffne das Inventar. Da sind 54 Boxen, in denen Materialien verstaut sind, in denen man Materialien suchen und finden kann. Und damit wünsche ich Dir viel Spaß in Minecraft. Was Du im Hintergrund übrigens gehört hast, war mein erster Tag im Survival-Mode in Minecraft. Der dauert 10 Minuten und…. war anstrengend – für mich zumindest.

Bis bald.

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