60 – Superaliens und ihre Kraftwerke


1960 kam ein Paper heraus, das die theoretische Möglichkeit diskutierte, die Energie eines Sterns einzufangen. Diese Strukturen wären so riesig, dass sie mit Teleskopen sichtbar werden müssten und dieses Jahr nun glaubten viele, wir hätten endlich ein Beispiel einer solchen Dyson Sphere am Himmel entdeckt.

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Dyson_spheres
http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2015/10/15/der-geheimnisvollste-stern-kic-8462852-und-die-angebliche-alien-superzivilisation/

Bild: https://en.wikipedia.org/wiki/Dyson_sphere#/media/File:Dyson_Swarm.png

 

#060 – 60 – Superaliens und ihre Kraftwerke

Okay, mittlerweile müsste ziemlich klar sein, dass ich auf Dinosaurier, Marvel’s Superhelden, Kinofilme und das Weltall stehe. Und mehrere dieser Themen kamen vor gar nicht so langer Zeit sehr schön zusammen.

Da ging es nämlich um einen Planetenfund. Wir suchen seit einigen Jahren mit allen verfügbaren Mitteln nach Planeten. Jetzt haben Planeten die unangenehme Eigenschaft, anders als Sterne, normalerweise nicht beleuchtet zu sein. Das heißt, wir sehen die mit bloßem Auge sowieso und auch mit unseren Teleskopen meist nur sehr schlecht.

Dankenswerterweise hat die moderne Astronomie inzwischen einige Methode entwickelt, mit denen wir uns dann doch behelfen können. Im Grunde gibt es da eine Auswahl an Werkzeugen, die immer auf einem sekundären Effekt basieren. Sowas wie: Wir schauen auf einen Stern und wenn der in regelmäßigen Abständen abdunkelt, dann schließen wir daraus, dass irgendwas vor ihm durchgeflogen ist und wir deswegen diese Abdunklung wahrnehmen konnten. Dieses Durchgeflogene, wenn es denn regelmäßig kommt, ist wahrscheinlich ein Planet.

Andere Methoden basieren darauf, dass große Planeten durchaus auch ihre Umgebung beeinflussen und dann sehen wir praktisch so einen Stern woppeln und schließen daraus, dass er durch ein Kräftefeld beeinflusst ist. Dann gibt es natürlich Methoden, die irgendwelche Brechungen berücksichtigen und so weiter und so fort. Jedenfalls wird diese Suche nach Planeten systematisch betrieben.

Und diese Planeten werden auch ständig gefunden – in den Hunderten. Wir kennen wirklich richtig viele dieser Planeten inzwischen. Und so gesehen ist der Stern KIC8462852 auch nur einer der Sterne gewesen, die systematisch untersucht wurden mit der Hoffnung, dort vielleicht Planeten nachweisen zu können. Und bei dieser Untersuchung hat dieser Stern eine ganze Reihe interessanter Eigenschaften gezeigt und die haben vor kurzem für Schlagzeilen gesorgt.

Was war passiert? Der besagte Stern ist einer von vielen Sternen, die das Sternenteleskop Keppler auf’s Korn nimmt. Tatsächlich wird das in großem Stil gemacht. In so großem Stil, dass die Daten, die dort regelmäßig erfasst werden, immer noch zum Teil auf Auswertungen warten. Deswegen gibt es ein größeres Projekt, ein Hilfsprojekt, bei dem die interessierte Community bei der Auswertung helfen kann. Das Projekt heißt “Planet Hunters”. Und Planet Hunters untersucht einen nach den anderen Stern nach Daten, die vielleicht auf die Existenz eines Planeten hindeuten können. Typischerweise eben dieses Schwanken in der Helligkeit. Ein regelmäßiges Schwanken, denn der Planet kommt ja immer wieder vorbei.

Unser Stern nun, der zeigte eine Schwankung, aber eben keine regelmäßige, sondern eine unregelmäßige Schwankung. Da kann es natürlich eine Menge Gründe für geben. Es könnte zum Beispiel ein veränderlicher Stern sein oder irgendwelchen anderen Einflüssen unterliegen. Als die Beobachtung jedenfalls dokumentiert wurde, hat sich eine Astronomin namens Boyajian dieses Sterns angenommen und hat ihn näher untersucht.

Der besagte Stern könnte eventuell und es war auch vorher schon vermutet worden, eigentlich ein Doppelsternsystem, also unsymmetrisch sein. Das sieht auch bei Infrarotaunahmen und ähnlichem danach aus und das wäre übrigens eine der Erklärungen, die man heranziehen könnte, um die unregelmäßige Helligkeitsschwankung zu erklären. Es könnte auch sein, dass es Trümmer gibt, die um diesen Stern kreisen, also so eine Art Asteroidengürtel aus einem zerbrochenen Planeten oder einem zerbrochenen Satelliten geboren – auch eine Möglichkeit. Aber die viel, viel coolere und spektakulärere Möglichkeit die besagte Astronomin auch eigentlich nur in einem Interview kurz erwähnt hatte, sorgte dann für Schlagzeilen: Es könnte nämlich auch – so die Aussage – sein, dass wir ein Beispiel für eine sogenannte Dyson Sphere entdeckt haben.

Das ist etwas, das tatsächlich zum allerersten Mal in der Science Fiction erdacht worden war. Die Dyson Spehere ist eine Hypothese – eine hypothetische Megastruktur. Die Idee dahinter: Wenn sich Zivilisationen entwickeln, brauchen die je nach Entwicklungs- und technologischen Stand immer mehr Energie. Und danach kann man sie in drei Kategorien einsortieren, nämlich in Kategorie Nr. 1 Zivilisationen, die gerade mal die Energie ihrer direkten Umgebung und ihres Planeten ernten können. Typ 2: Das sind Zivilisationen, die in der Lage sind, technologisch und auch verarbeitungstechnisch die Energie ihres eigenen Sterns zu sammeln. Und Typ 3 wäre dann dasselbe, nur größer, nämlich jetzt wird die Energie einer kompletten Galaxy gemolken. Und an Typ 4 wird gar nicht mehr gedacht – warum auch immer.

Jedenfalls Typ 2, nämlich das Abernten der Energie eines Heimatsterns, das wird als Dyson Sphere beschrieben. Und die Dyson Spher ist eben eine Art um die Sonne kreisender Kollektorenschwarm. Das wird beschrieben wie eine Art Satellitenmantel. Große Gerätschaften, die um eine Sonne kreisen, dort die Energie abgreifen und diese Energie dann irgendwohin weitergeben. Und die Idee nun, bei der Beobachtung dieser unregelmäßigen Helligkeitsschwankung war, vielleicht schauen wir ja auf einen Stern, der genau so eine Dyson Sphere in seinem Orbit hat und haben damit zum ersten Mal den Beweis erbracht, dass es da draußen andere Zivilisationen, sogar Zivilisationen mit unglaublichen technologischen Möglichkeiten, gibt.

Die Schwierigkeit nun ist: Für diese Schwankungen gibt es eine ganze Reihe andere mögliche Erklärungen und jede von denen ist mindestens genauso plausibel, wenn nicht plausibler. Das war natürlich den Medien völlig schnuppe oder der auf Facebook sehr beliebten Website I fucking love Science oder natürlich ganz generell dem Internet so allgemein. Ich kann gar nicht mehr zählen, wieviele Freunde in irgendeiner Form gejubelt haben, dass wir jetzt endlich außerirdisches Leben nachgewiesen haben oder zumindeste ein Indiz dafür gefunden haben.

Und falls Du jetzt Dir die Frage stellst: Wie würde denn so eine Dyson Sphere ganz praktisch und pragmatisch aussehen? Und was sagt denn die Wissenschaft dazu? 1960 veröffentlichte Freeman Dyson das Paper Search for artificial stellar sources of infraradiation, in dem er über diese Konstruktion spekuliert hat.

Bis bald.

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