63 – Pareidolie


Wir nehmen Smileys so selbstverständlich her, das kaum jemand glauben mag, dass sie nicht schon immer da gewesen sind. Tatsächlich aber hatte der Werbegrafiker Harvey Ball als erster die Idee und löste damit eine wahre Smiley-Flut aus. Unsere heutigen Emoticons lassen sich damit auf einen Mann zurückführen, der damit seine eigene kleine Delle in die Welt gemacht hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Smiley
http://www.welt.de/wissenschaft/article723055/Wohin-wir-sehen-Gesichter-Gesichter-Gesichter.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Pareidolie
25 Gesichter in Alltagsobjekten: http://www.boredpanda.com/objects-with-faces/
Die Erfindung des EMail-Smileys: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/25-jahre-seitwaerts-smiley-ich-bin-a-498428.html
http://www.worldsmile.org/

Bild: https://www.flickr.com/photos/nathankpeck/5824957540

 

#063 – Pareidolie

Pereidolie ist der Fachbegriff für eine Fähigkeit des Menschen, die wir ständig benutzen, die den meisten aber gar nicht so richtig bewusst ist. Die Rede ist von den sogenannten Cluster Illusionen, die daher kommen, dass wir, wenn wir auf einen beliebigen Gegenstand, eine beliebige Szenerie blicken, mit dem Gehirn versuchen Muster zu erkennen. Und welche Muster in unserem Alltag sind nun wichtiger als Gesichter?

Psychologen und Forscher vermuten, dass einer der Ursprünge dieser Fähigkeit auch darin liegt, dass wir natürlich auch versteckte Menschen erkennen können sollten oder versteckte Lebewesen, weil Gesichter gibt es natürlich nicht nur bei Menschen.

Bekannte Beispiele für dieses Phänomen ist das Mars-Gesicht. Eine Felsformation in der Südonia Region des Mars, die durch ihren Schatteneinwurf wie ein Gesicht aussieht oder auch das bekannte Mondgesicht, alternativ auch gerne als der hase im Mond bezeichnet. Oder zum Beispiel das Grabtuch von Turin.

Diese Fähigkeit unseres Denkapparats, Strukturen und Linien zu finden ist auch die Grundlage für unser komplettes Schrift- und Bildwesen. Dass wir überhaupt aus farbigen Linien und Punkten, Bilder formen können, ist ja längst nicht selbstverständlich. Und da wären wir jetzt beim Anlass der heutigen Sendung, nämlich einer bestimmten Form der Grafik, die 1963 das Licht der Welt erblickt hat.

Die Versicherungsgesellschaft State Mutual Life Assurance Cos. of America wollte mit Anstecknadeln das Betriebsklima heben, sozusagen eine interne Marketingkampagne. So ein bisschen was für die Kultur tun und den Mitarbeitern einen Grund geben, lächelnd in der Arbeit rumzulaufen. Und sie haben dafür Harvey Balls, seines Zeichens Werbegrafiker mit dem Entwurf eines solchen Ansteckers beauftragt. Der Entwurf war 45 Dollar wert und Harvey zeichnete – Du hast es sicherlich schon erraten – den ersten Smiley der modernen Designgeschichte.

Worum er sich nicht weiter gekümmert hat, war das Zeichen rechtlich zu sichern. Und das hat dann 33 Jahre später, 1996, ein französischer Journalist nachgeholt, der zunächst mal in Frankreich ein Geschmacksmuster darauf angemeldet hat. Loufrani ist inzwischen Einkommensmillionär und hat Nutzungsrechte für das Smiley in über 80 Ländern.

Harvey Ball hat darum gekämpft als wahrer Vater des Smileys anerkannt zu werden und gründete die Viral Smiley Foundation, die den ursprünglichen Geist des Smiley propagieren sollte.

Aus der heutigen modernen Kommunikation ist das Smiley natürlich überhaupt nicht mehr wegzudenken. Sämtliche Chat-Programme, unsere E-Mail Kommunikation, in Webseiten, überall tauchen die kleinen Grinsemännchen auf. Die älteren unter den Hörern werden sich eventuell noch an die Musikbewegung Acid House erinnern, die den Smiley als Erkennungszeichen hatte und damit wahrscheinlich einen großen Anteil an der Verbreitung der Smileys hat.

Und einen Skandal gab es auch: Es war nämlich so, dass der Smiley auch für das Rauschmittel Ecstasy stand, eben im Zusammenhang mit Acid House. Eine ganze Weile lang wurde das ganze dann geradezu hysterisch von den Medien aufgegriffen, bis hin zu dem Punkt, dass es Warenhäuser gab, die aus Angst vor Imageschäden sämtliche Smiley-Artikel aus ihrem Sortiment genommen haben.

Und wenn wir jetzt schon wissen, wer den Smiley designtechnisch erfunden hat und wer ihn kommerzialisiert hat, bleibt noch die Frage offen, wer ihn denn zum ersten Mal in E-Mails in Form eines gedrehten Zeichens benutzt hat, also: 🙂 Das war der Informatiker Scott Fahlmann, der 1982 nach einem Piktogramm gesucht hat, mit dem er Witze im Netz kennzeichnen wollte.

Im Grunde alles alte Hüte, nur die Verwendung war immer neu. Denn unser Gehirn erkennt Kreis, Punkt, Punkt, Linie, Halbmond schon immer als Gesicht. Nur die Verwendung auf Buttons, Tabletten und in modernen Internetkontexten ist neu, aber das reicht ja, um sich darum zu prügeln, wer es erfunden hat, oder? In jedem Fall denke ich, hat Harvey Ball der Welt etwas hinterlassen, was sie schöner gemacht hat und wenn ich schon nach der berühmten Delle im Universum strebe, dann ist einen Smiley erfunden zu haben doch mit die schönste Delle, die man machen kann.

Bis bald.

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