68 Milliarden US Dollar


Bis zu 68 Milliarden Strafe könnte der VW Abgasskandal das Unternehmen kosten und Millionen betroffener Fahrzeuge müssen zurückgerufen und umgerüstet werden. War das aber der größte Skandal seiner Art? Mitnichten.

http://www.welt.de/motor/article147762722/Was-Diesel-Besitzer-jetzt-wissen-muessen.html
http://www.welt.de/motor/news/article120641945/Skurrile-Rueckrufaktionen.html
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/rekord-rueckruf-wegen-takata-airbags-13602117.html
http://www.focus.de/auto/ratgeber/sicherheit/die-groessten-und-skurrilsten-rueckrufaktionen-heimliche-updates-wie-hoch-ist-die-dunkelziffer_id_4235066.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/us-anhoerung-zum-dieselgate-bei-vw-die-68-milliarden-dollar-drohung/12428914.html

 

#068 – 68 Milliarden US Dollar

Es gibt einen Automobilskandal, der uns jetzt schon seit einigen Monaten in Atem hält. Und zwar hat VW wohl getrickst, was die Abgaswerte anging. Und VW ist anscheinend auch nicht allein. Packen wir mal auf die Seite, dass ich es völlig unglaublich finde, wie ein Unternehmen von der Größe VWs die Energie aufbringt, einen derartigen Hack unterzubringen in seinen Fahrzeugen, sind die Dimensionen bemerkenswert.

Allein in Deutschland sollen mindestens 2,5 Millionen Fahrzeuge eventuell von einem Rückfruf betroffen sein und in Amerika ungleich mehr natürlich. Der finanzielle Schaden und der Imageschaden für VW ist enorm. Bei einer Anhörung in den USA stand als mögliche Strafzahlung die Summe von 68 Milliarden US Dollar im Raum. Boah!

Bei all diesen schwindelerregenden Zahlen hatte ich dann relativ schnell eine Frage im Kopf: Wo sind denn die im Vergleich zu sehen? Wie groß oder klein ist denn das, wenn man 2,5 Millionen Fahrzeuge zurückrufen und umrüsten muss? Klar ist das viel, klar ist das groß, aber gab es denn vielleicht schon dramatischere Geschichten? Und die gab es in der Tag.

Die bisher größte Autorückrufaktion zum Beispiel betraf den japanischen Zulieferer Takata. Die mussten 34 Millionen Fahrzeuge umrüsten, nachdem defekte Airbags gefunden worden waren. Das war die größte Rückrufaktion aller Zeiten. Da ist Nissan mit seinen gerade mal 2,5 Millionen Autos, die sie 2003 in die Werkstätten zurückholten, fast schon wieder klein und eher in der VW-Kategorie.

Toyota hat unter lautem Getöse und viel Aufmerksamkeit durch die Presse 2009 wegen loser Fußmatten, die sich mit den Pedalen verklemmen konnten, insgesamt 3,8 Millionen Fahrzeuge umgerüstet und enorme Strafzahlungen geleistet. Überhaupt scheinen Rückrufe völlig normales Business zu sein. Der chinesische VW-Partner FAW musste zum Beispiel 563 Autos wegen Hinterachsproblemen zurückholen. Oder Volkswagen musste 400.000 Jettas, die zwischen 2011 und 2013 gebaut worden waren zurückholen. Oder 41.600 Beattles, auch neueren Datums. Also, das scheint eigentlich eine eigene Abteilung zu verdienen bei VW und wahrscheinlich gibt es das auch.

Ein paar Stehblüten gibt es auch in der Geschichte der großen Rückrufaktion. So musste beispielsweise Anfang dieses Jahrtausends der Jeep Cherokee zurück in die Werkstatt, weil ein Fehler bei der Sitzheizung für eine ganz besonders potente Heizung sorgte. In Extremfällen hätte es bei der Temperaturregelung bei den Modellen von 2002 und 2003 zu einer derart exzessiven Hitzeentwicklung kommen können, dass die Ledersitze Feuer hätten fangen können. Und Mazda hatte das Vergnügen der gelben Sackspinne hinterherzujagen, die 2011 ganz besonders in Mazda 6 Modellen ihre Netze in die Tankentlüftung webten. Unter anderem wohl deswegen, weil diese Spinne gerne Benzingeruch schnüffelt. Und diese Netze verstopften das Ventil, der Tank konnte Risse bekommen und schlimmstenfalls platzen. Das ist natürlich dumm so. Das waren insgesamt 52.000 Autos aus amerikanischer Produktion.

Fragt sich natürlich auch, ob in einem anderen Land Mazda sich die Mühe gemacht hätte, diese Autos zurückzuholen oder einfach darauf gepokert, dass keiner von diesen Tanks jemals platzen würde. Aber Amerika ist bekannt für teuren Verbraucherschutz. Da geht man doch lieber kein Risiko ein.

Weniger spaßig, wenn gleich genauso skurril war ein Problem, dass 2011 Citroen hatte. Die hatten nämlich linkslenker Autos für den britischen Markt umgerüstet und dabei die Zuführungen für die Mechanik im Fußraum überdeckt und da gab es eine Stelle im Beifahrerraum. Wenn da der Fuß des Beifahrers fest draufgedrückt hätte, hätte er die Bremsen auslösen können. Das ist doof, wenn man so einen Mitbremser neben sich sitzen hat.

Vom Ablauf her ist das in Deutschland so geregelt, dass bei einer möglichen Gefahr für den Verbraucher, und das kann eine von allein zufallende Heckklappe genauso wie ein plötzlich auftretender Getriebeschaden sein, der auf einen systematischen Defekt zurückgeht, das Kraftfahrtbundesamt informiert wird. Und das Kraftfahrtbundesamt organisiert dann auch den eigentlichen Rückruf. Die Fahrzeughalter werden dann per Post informiert und es kann sogar soweit gehen, dass wenn es ein besonders schwerwiegender Vorgang ist, das Kraftfahrtbundesamt die Rückrufaktion überwacht und Verbraucher verpflichtet das Auto in die Werkstatt zu bringen.

Auch beim gerade anliegenden VW-Skandal wäre das übrigens der Fall. Da müssten wir als Volkswagenbesitzer – ich fahre einen Touran – die Kiste in die Werkstatt bringen, egal was. Und das geht soweit, dass theoretisch auch Strafen verhängt werden können, wenn wir dem nicht nachkommen. Yippieyayey!

Ein Grund mehr mich darauf zu freuen, mein Auto ein für allemal abzugeben, wenn nächstes Jahr mein Leasingvertrag ausläuft.

Bis bald.

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