78 – Tarot


Tarot ist ein Spiel, das Mystiker wie Wissenschaftler fasziniert und auf eine jahrhundertealte Geschichte blicken kann, wenn auch nicht auf Jahrtausende wie manche Esoteriker behaupten. Ein schönes Deck ist ein echtes Kunstwerk und besteht im Normalfall aus 78 Karten.
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#078 – Tarot

Ich bin Serienfan. HBO Serienfan ganz besonders. Und eine meiner liebsten Serien, auch aus dem Hause HBO war die Serie Carnivale.

Carnivale war nicht sehr erfolgreich, wurde nach zwei Staffeln eingestellt und hatte ein sehr mystisches Setting. Es spielte in den 30er Jahren in den USA während dem sogenannten Dust Bowl. Und die Dust Bowl, auch die Dirty 30s, war eine Serie von Staubstürmen, die massiv die damaligen Ernten vernichtet haben und die US und kanadischen Prärien in Staubwüsten verwandelt haben.

Die Szenerie von Carnivale spielt in einem Wanderzirkus. Das waren damals praktisch Freakshows. Das heißt, alles mögliche konnte man da bestaunen. Von den zweiköpfigen Tieren über irgendwelche superstarken Typen usw. Meistens eine Art melting pot, Sammelstelle für gescheiterte Existenzen.

In Carnivale nun geht es um den großen Kampf zwischen Gut und Böse. Eine der Schlüsselfiguren in dieser Serie ist ein junges Medium, die ihr Geld mit Kartenlegen verdient. Und was für Karten legt man da? Selbstverständlich Tarotkarten.

In Hollywood-Filmen oder -Serien sieht mal ja gerne mal jemanden Karten legen und der große Moment ist, wenn eine Karte gezogen und aufgedeckt wird und der Tod oder der Gehängte darauf abgebildet sind. Woher genau Tarotkarten kommen, ist weitgehend ungeklärt. Mystiker und Esoteriker weisen auf eine angebliche ägyptische oder hebräisch, kaballistische Tradition hin und diese Karten wären von tausenden und abertausenden von Jahren in Benutzung. Es ist aber so, dass so richtig nachweisbar die Geschichte der Karten, der Spielkarten bis etwa ins 14. Jahrhundert in Europa reicht und davor gibt es auch schon Spielkarten, aber es ist nicht genau klar, ab wann sich eigentlich eine tarotähnliche Struktur herausgebildet hat.

Hinzu kommt, dass es DAS Tarot im Grunde gar nicht gibt. Was kann man nur mit Tarot alles machen? Im Allgemeinen wird es überwiegend zur Vorhersage der Zukunft oder zur Beschreibung der Gegenwart verwendet. Das ist die mystische Nutzung davon. Man kann es auch noch einsetzen als ein Werkzeug in der Psychologie und geschichtlich gesehen, gab es einige sehr berühmte Psychologen, die sich mit Tarots und ihrer Wirkung auf Menschen oder der Herkunft aus menschlichen Vorstellungen beschäftigt haben. Allen voran C.G. Jung, der bekannt dafür war, dass er auch das ein oder andere aus dem esoterischen und okulten Spektrum genauer unter die Lupe genommen hat.

Warum kann es in der Psychologie einsetzen? Weil Tarotkarten unwahrscheinlich gut dafür geeignet sind, Muster hervorzubringen. In Tarot sind letztendlich alle diese Bilder Interpretationsgegenstände. Es gibt bestimmte Regeln, wie denn nun die Karten gelegt werden müssen und selbst, wenn man den ganzen mystischen Klimbim entfernt, kann man sich selten dem Gefühl entziehen, irgendwie Bedeutung in diesen Karten zu sehen. Das ist ein fundamental psychologischer Effekt, der Auftritt.

Dabei gibt es verschiedenste Tarot Decks auch noch für verschiedenste Zwecke. Insgesamt ist Tarot 78 Karten groß. Das heißt, es gibt 78 Spielkarten und die werden eingeteilt in die große Arkana – das sind 22 durchnummerierte Trümpfe, von 0 bis 21 – und die kleine Arkana, das sind 56 Farbkarten, 10 Zahlen und vier Bildkarten, jeweils in vier Farben.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden Tarotkarten hauptsächlich zum Spielen verwendet. Parallel dazu wurden diese Decks auch zur Vorhersage von zukünftigen Ereignissen oder zur Deutung von irgendwelchen Dingen verwendet, aber der Hauptzweck war spielen. Geht man heute in den Laden und kauft sich ein Tarotdeck, dann bekommt man meistens ein Marseille Tarot. Da sind die alten traditionellen Motive auf den Tarot Karten; ein Rider Waite Tarot, das 1910 veröffentlicht wurde und immer noch eines der Standard Decks ist oder ein Crowley Tarot, auch oft Thoth genannt.

Das Crowley Tarot ist dann oft das “schwarz magische Tarot”, weil Aleister Crowley natürlich als selbsternannter Schwarzmagier seinen Ruf hier auch mitbegründet hat. Ich finde das als Tarot – also, wenn man sich die Motive darauf anschaut – eines der schönsten Tarot Decks. Wunderschön gestaltet, sieht das Deck immer noch sehr modern aus. Und das Crowley Tarot ist ein Traum, wenn man sich mit kabbalistischer Symbolik, Numerologie und allem möglichen anderen esoterischen Bimbam beschäftigen will, denn jedes einzelne Bild der ganzen Serie ist ein wahrer Schatz von zwei, drei, vier, fünf Bedeutungen.

Ein anderes wunderschönes Tarot Deck, dass ich habe, stammt von der Lieblingskünstlerin meiner Liebsten – Stephanie Law. Die hat sich mehrere Jahre damit beschäftigt, ein wunderschönes Tarot Deck zu gestalten mit Symbolik aus der Fantasy. Es gibt ein ganzes Begleitbuch, das die Symbolik der einzelnen Karten erklärt und die Karten muss man gar nicht unbedingt legen; man kann sie stundenlang meditativ anschauen und ein Detail nach dem anderen bewundern. Oder bewaffnet mit der Beschreibung darüber nachdenken, was das denn für einen selber vielleicht auch heißen könnte.

Als jemand, der dem wissenschaftlichen Weltbild verwachsen ist, glaube ich nicht daran, dass Karten die Wahrheit oder die Zukunft von irgendwas vorhersagen können, aber trotz allem ist es als meditatives Spiel, als eine Beschäftigung, als ein Kunstwerk oder einfach nur eine interessante Möglichkeit, seine Gedanken zu strukturieren, ein tolles Werkzeug. Und spielen kann man damit auch. Vielleicht auch die sinnvollste aller Anwendungsmöglichkeiten.

Bis bald.

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