85 Millionen Riechzellen


Irgendwann schnappte ich irgendwo auf, der Mensch hätte 85 Millionen Riechzellen. Aber, stimmt das eigentlich wirklich?

 

#085 Millionen Riechzellen

Da schaue ich heute ganz hoffnungsfroh in mein Trello, um die Notizen für die Folge 85 rauszuziehen. Und da steht ohne weitere Angabe von Links: 85 Millionen Riechzellen.

Da dachte ich mir “Bombe!” Anscheinend habe ich irgendwann mal irgendwo aufgesammelt, dass das die Anzahlen Riechzellen in der menschlichen Nase ist. Tja. Ist nur leider falsch.

Denn 85 Millionen, das wäre ja schon mal großzügig. Aber nach allem, was ich so finde, sind es wohl eher so um die 10 – 30 Millionen Riechzellen. Um das mal in Vergleich zu setzen: Ein Hund hat etwa 250 Millionen davon. Und ein Aal, der hat fast 1 Milliarde.

Insgesamt gibt es etwa 350 verschiedene Arten von Riechzellen und die werden ausgelöst von durch die Luft herangetragene Duftmoleküle. Die müssen ganz genau wie ein Schlüssel ins Schloss auf die jeweilige Zelle passen, um auszulösen. In Mischung ergibt sich dann eine Duftvielfalt von mehreren tausend Variationen von Gerüchen. Die werden dann direkt zum Gehirn geleitet bzw. erst mal zum Riechkolben, der so eine Art vorgelagertes Gehirnteil ist und dann über den Nervus Olfactorius zum Gehirn, dem Riechnerv.

Eine kleiner Wissensschnips am Rande: Es gibt eine Einheit, die heißt Olf. Und das ist die Maßeinheit, die die Stärke einer Geruchsquelle angibt, also die Geruchsbelastung, die von etwas ausgeht. Und 1 Olf ist die Geruchsbelastung, die von einem normalen Menschen, also einer erwachsenen Person mit einem Hygienestandard von 0,7 Bädern pro Tag und 1,8 Quadratmetern Hautoberfläche bei sitzender Tätigkeit ausgeht. Alles gerade abgelesen aus der Wikipedia.

Ermittelt wird 1 Olf durch eine Gruppe von besonders sensiblen Testpersonen. Die müssen speziell geschult sein und die beurteilen die Intensität von Gerüchen. Es kann ja alles mögliche riechen, zum Beispiel wie der Innenraum eines Autos riecht oder Gebäude riechen, Gegenstände riechen. Und dann gibt es eine Tabelle typischer Geruchsemissionen, die man auch in diesem Wikipedia-Artikel findet, wo zum Beispiel steht: Ein 12-jähriges Kind emittiert ungefähr 2 Olf. Das kann ich bestätigen. Ein Athlet nach dem Sport ist dann bei 30 Olf. Hängt wahrscheinlich vom Athleten ab. Eine Gummidichtung liegt bei 0,6 Olf pro Quadratmeter.

Gehen wir aber noch mal zurück zum Riechen. Unser Geruchssinn ist durch und durch faszinierend. Wir wissen zum Beispiel heute, dass unsere Partnerwahl wohl unter anderem durch unseren Geruchssinn beeinflusst wird. Es gibt Menschen, die können Krankheit riechen. Und man kann durch Geruch auch bestimmte Krankheiten tatsächlich diagnostizieren.

Und Geruch steht ja nicht für sich allein, sondern verursacht meistens auch noch weitere Reaktionen. So läuft uns beispielsweise ja das Wasser im Mund zusammen, sobald wir etwas leckeres riechen. Oder wir können alleine durch Geruch ausgelöst, sehr intensive Erinnerungen abrufen, etwa uns zurückversetzt fühlen in die gute Stube unserer Oma, sobald wir einen Apfelkuchen riechen.

Wissenschaftlich erwiesen sind auch andere Effekte, beispielsweise gleicht sich der Menstruationszyklus von Frauen, die zusammen leben, nach und nach an, sodass sie alle gleichzeitig menstruieren. Und das kommt vom Geruch.

Und in unserer Sprache ist der Geruchssinn natürlich auch gelandet. Zum Beispiel kann man auf die Nase fallen. Es ist etwas anrüchig. Man riecht etwas 3 Meilen gegen den Wind oder riecht den Braten. Man kann der Nase nach gehen, die Nase rümpfen oder selbige gestrichen voll haben, eine Nasenlänge voraus sein, stinkig sein, jemanden nicht riechen können, jemandem etwas auf die Nase binden. Es kann mir was stinken, man kann sich beschnuppern oder an die eigene Nase fassen, vielleicht eine goldene Nase verdienen. Wer weiß, wie das riechen würde? Irgendwas Olf pro Quadratmeter vermutlich. Oder sich verduften oder seine Nase in Dinge stecken, die einen nichts angehen.

Und damit soll es für heute auch mal wieder gut sein, mit Gerüchen. Die zwei Gerüche, die ich jetzt auf jeden Fall noch mal aktiv genießen werde ist frisch gemahlener Kaffee und vielleicht der leichte Leimgeruch eines frisch geöffneten Buches. Mal gucken.

Bis bald.

2 comments for “85 Millionen Riechzellen

  1. Gabriel
    Dezember 24, 2015 at 9:00 am

    Sorry, die Theorie von den synchronisierten Menstruationszyklen gilt nach aktuellem Stand der Forschung als nicht haltbar : https://en.m.wikipedia.org/wiki/Menstrual_synchrony

    • Dirk
      Dezember 24, 2015 at 9:19 am

      Danke für den Hinweis. In meinen Scripts für mein Psychologie Studium steht das noch drin…

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