94 – Silvester


Silvester ist das Fest vor Neujahr und gleichzeitig Namenstag von Silvester I., Bischof von Rom, der der Überlieferung nach den Kirchenstaat begründete…

Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Silvester-I_Dedek.jpg

 

#094 – Silvester

Die heutige Folge fällt in die Kategorie ”künstlerische Freiheit”. Sie hat nämlich einfach nichts, also wirklich gar nichts mit der Zahl 94 zu tun, außer vielleicht dadurch, dass es 1994 auch schon ein Silvester gab. Ich wollte nämlich einfach mal einen guten Rutsch wünschen und weil ja heute Silvester ist, mich statt mit der 94, mich mit Silvester beschäftigen.  

Der Name Silvester – übrigens mit i geschrieben und nicht mit y, anders als der Vorname, den man sehr wohl mit y schreiben kann, der Name also – kommt vom gleichnamigen Papst. Es ist nämlich der Namenstag von Papst Silvester. Und Papst Silvester ist jetzt nicht einfach ein Heiliger oder irgendein Seeliger, sondern wir sprechen von dem Papst, der den römischen Kirchenstaat begründet hat. Denn der Legende nach soll Papst Silvester I. den damals kranken, römischen Kaiser Konstantin den Großen vom Aussatz geheilt und danach getauft haben.

Woher wissen wir das? Wir wissen das aus einer Urkunde, die in der damaligen Zeit überliefert wurde, nämlich der Konstantinischen Schenkung. Lass uns mal kurz bei dieser Konstantinischen Schenkung bleiben – die ist nämlich spannend.

Die Konstantinischen Schenkung besteht aus zwei Teilen. Das ist eine Urkunde, die angeblich Kaiser Konstantin verfasst haben soll. Der erste Teil ist eine Konfession, also ein Glaubensbekenntnis. Der zweite Teil ist eine Donatio – eine Schenkung. Der Confessio-Teil beschreibt eben, dass Kaiser Konstantin am Aussatz erkrankt war und als Christenverfolger eben damit sozusagen eine Strafe Gottes erfahren hat.

Die römisch heidnischen katholinischen Priester raten ihm, im Blut unschuldiger Kinder zu baden. Der lässt also deswegen Mütter und Kinder in den Palast bringen, ist aber dann von dem Wehklagen und Weinen so gerührt, dass er es nicht über’s Herz bringt und sie wieder nach Hause schickt. Als Lohn dafür, weil es ja so eine gute Tat war, erscheinen ihm im Traum die Apostel Petrus und Paulus und verweisen ihn an Papst Silvester I., der ihm helfen könnte, den Aussatz wieder loszuwerden.

Papst Silvester wird in den Palast gebracht und was er macht ist, er tauft Kaiser Konstantin und durch die Taufe wird der gleichzeitig geheilt. Und hier geht es eben über in den zweiten Teil der Donatio. Kaiser Konstantin ist nämlich so dankbar, wird dort erklärt, dass er dem römischen Bischof den Vorrang über alle anderen Kirchen einräumt. Das war insofern wichtig, weil es ja Patriarchate in Konstantinopel, Antiochia, Alexandria und Jerusalem gab, die um diese Position stritten.

Aber die Schenkung geht noch weiter. Der Papst ist ab jetzt mit den kaiserlichen Insignien und Vorrechten ausgestattet. Das heißt, er trägt ein Diadem, er hat einen purpurnen Mantel, ein Zepter und er hat ein Prozessionsrecht. Und davon kann man sich jetzt alleine nichts kaufen. Wofür man sich aber dann etwas kaufen kann ist, der auch noch überlassene Herrschaftsanspruch über ganz Italien und den gesamten Westen. Konstantin überlässt ihm auch den Lateranpalst und verlegt seinen eigenen Regierungssitz von Rom nach Konstantinopel.

Die Konstantinische Schenkung ist also das Urdokument der katholischen Kirche und begründet den Herrschaftsanspruch des Papstums und des Vatikans. Umso schöner, dass wir inzwischen wissen, dass es eine Fälschung ist, die 800 Jahre später entstanden ist. Der gute Konstantin wurde auch nicht von Papst Silvester getauft, sondern auf dem Sterbebett von dem Bischof Eusebius von Nikomedia getauft. Aber wir wissen zumindest inzwischen, dass er sehr wohl aufgeschlossen dem Christentum gegenüber war und durchaus viele Privilegien an Papst Silvester verteilt hat. Beispielsweise bekam schon Silvesters Vorgänger große Teile der Landschenkungen.

Silvester jedenfalls ist der erste Papst, der ohne den Märtyrertod zu sterben heiliggesprochen wird. Und Silvester ist der Papst, der die erste Petruskirche erbauen ließ.

Seit wann nennen wir jetzt nun das Jahresende Silvester? Das geht jetzt auf das Jahr 1582 zurück. Damals wurde nämlich durch die gregorianische Kalenderreform der letzte Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember verlegt, den Todestag von Papst Silvester I. Dass man am letzten Tag des Jahres feiert war aber keine Erfindung dieser Kalenderreform. Das war schon länger etabliert und jetzt fand dieses Fest zufällig dann am Namenstag Silvester statt.

Alternative Namen gibt es auch. In manchen Teilen Deutschlands heißt der Tag, sozusagen als Gegenstück vom Neujahrstag auch Altjahr oder Altjahrsabend oder das alte Jahr. Dass wir an Silvester gerne rumzündeln ist auch nichts Neues. Das haben schon die alten Römer gerne gemacht. Die haben riesige Feuer abgebrannt und wir vertreiben jetzt mit Feuerwerk die bösen Geister – so heißt es. Oder wir haben einfach Spaß beim Rumzündeln.

Ich freue mich ja als Neufrankfurter schon drauf hier zu sehen, was an Silvester da so feuerwerksmäßig geboten ist. Das war ja in meinem alten Wohnort in Moosburg eher durchwachsen. Da kam Silvesterfeuerwerk immer in Wellen. Die erste Welle waren Eltern mit kleinen Kindern, die für die kleinen Kinder um 20 Uhr Feuerwerk gemacht haben. Dann kam die Welle der Betrunkenen, die um 22 Uhr meinten jetzt nicht mehr warten zu wollen. Dann kommt die zweite betrunkene Welle, nämlich die, die so breit sind, dass sie um ungefähr 13 Minuten vor Mitternacht denken, es ist schon Mitternacht und anfangen koordiniert alles abzubrennen, was so an pyrotechnischen Vorräten existiert. Dann kommt das eigentliche Feuerwerk gegen Mitternacht und das geht über in Böllerschüsse, den Rest der Nacht.

Ich bin mal gespannt, wie das hier in Frankfurt so ist. Ob diese Wellen sich hier dann wiederfinden. Ich wünsche Dir jedenfalls einen guten Rutsch, feier schön rein ins neue Jahr!

Bis bald.

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