96 – Geburt einer Heldin


1996 kam mit Tomb Raider ein echter Videospiel-Meilenstein heraus und mit ihm Lara Croft auf die Weltbühne…

Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Celebrity_city_Karima_Adebibe_as_Lara_Croft.jpg

Sound: https://www.youtube.com/watch?v=kKEmoDvPqvc

 

#096 – Geburt einer Heldin

Die 96 hätte mich um ein Haar inspiriert, heute über Peter Maffay zu sprechen, denn der hat ein Album, das so heißt. Außerdem habe ich nach der 96 gesucht und fand dann ein Gedicht und verschiedene Seiten über die gleichnamige Sexstellung. Und Du ahnst es vielleicht: Die, die da über die 96 schrieben, meinten meistens eigentlich die 69 und haben sich nur vertan.

Dann bin ich noch über die Info gestolpert, dass vollständig destillierter und reiner Alkohol aus praktischen Gründen normalerweise die 96%-Hürde nicht überspringt. In Deutschland ist sogenannter reiner Alkohol, also Ethanol, den Trinkalkohol hier ganz speziell ins Auge gefasst, normalerweise 95,6% und in Polen gibt es eine Variante davon, die 96% hat. Ja, theoretisch kann man den trinken; nein, der schmeckt nach nichts Spezielles mehr. Der ist geruchs- und geschmacksneutral. Nein, man sollte ihn nicht direkt voll ungefiltert zu sich nehmen; aber ja, man kann ihn natürlich zum Kochen und zur Produktion von Likören etc. hervorragend nutzen.

Aber was sonst kann man über reinen Alkohol sagen? Naja, nicht so richtig viel. Also, ich persönlich finde das Thema erschöpft sich dann doch sehr schnell. Und wie immer in solchen Fällen, bin ich dann weiter auf die Suche gegangen und habe nur angeguckt, was denn 1996 alles an bemerkenswerten Dingen passiert ist.

Und ‘96, ich war da immerhin schon 20 Jahre alt, da trat eine Figur in unser aller Leben, die die meisten wahrscheinlich kennen.

Sie wurde als Tochter eines Adeligen in England – genau genommen in Wimbledon – am 25. Dezember 1969 geboren. Damit ist sie schon mal sieben Jahre älter als ich und hat sich verdammt gut gehalten, möchte ich mal sagen. Aber, das vielleicht nur am Rande erwähnt.

Sie entdeckte sehr früh ihre Liebe zur Archäologie und unternahm ihre erste archäologische Reise noch als Jugendliche mit dem Familienfreund Werner von Croy und sie war ganz allgemein, wie es für aristokratische Kreise zu der Zeit üblich war, sehr gut unterrichtet und besuchte verschiedenste Eliteschulen und Privatschulen, unter anderem The Wimbledon Highschool für Mädchen, Alter 16 bis 18 oder die Gordonstoun Boarding-School, 18 bis 21 und zum Schluss die Swiss Finishing School.

Unsere Heldin ist ziemlich reich. Sie hat das komplette Vermögen ihrer Eltern geerbt, nachdem die wahrscheinlich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen und macht seither als Adrenalin-Junkie von sich reden. Und zum ersten Mal begegnete sie uns eben 1996, nämlich als Heldin des Computerspiels Tomb Raider.

Ich weiß es noch genau! Lara Croft, damals als dieses Spiel heraus kam, war eine Sensation. Es war die erste weibliche Hauptfigur in so einem Spiel. Es war ein Spiel von dem die einschlägigen Magazine damals behaupteten, es wäre überhaupt zum ersten Mal fast wie ein Filmerlebnis und die 3D-Szenerie, genau so wie die Perspektive hinter der Hauptfigur herzuschweben und immer diesen wippenden Pferdeschwanz zu sehen, war etwas völlig Neues und noch nie Dagewesenes.

Das Design von Lara Croft war damals von der bereits bekannten Comic-Buch Figur Tank Girl inspiriert und angeblich hätte der Designer Tobi Gard eine weibliche Figur geschaffen, um die üblichen Stereotype von weiblichen Charakteren zu persiflieren und ein Gegengewicht zu schaffen.

In der deutschen Wikipedia ist es etwas harmloser formuliert. Dort heißt es nämlich: Es war eine Frau als Charakter in dem Spiel, weil viele von den akrobatischen Moves, die die Designer im Kopf hatten, schlicht nicht so richtig zu männlichen Charakteren zu passen schienen. Die hatten halt damals noch nicht die Fantasie, um sich Assassin’s Creed vorzustellen. Aber es war ja auch noch nicht so viel da, damals. Wir hatten ja nix ‘96.

Lara Croft ist auf jeden Fall eine Spielfigur und Tomb Raider ein Spiel, dass die moderne Popkultur geprägt hat. Ich hielt Lara Croft ja immer wie eine weibliche Variante von Indiana Jones, aber ich bin vielleicht auch einfach nur ein Banause. Tatsache ist: Tomb Raider ist ein extrem erfolgreiches Spielformat. Es gibt insgesamt acht Videospiele, es gab mehrere Filme dazu, es gibt traditionell immer auch ein Lara Croft Double, also eine Schauspielerin, die im typischen Lara Croft Outfit rumläuft und auf einschlägigen Veranstaltungen auftaucht und auch bekannt ist für diese Rolle.

Und trotzdem scheint Lara Croft immer noch ihren eigenen Status zu haben. Beispielsweise hält Lara Croft sechs eigenständige Guinness-Rekorde. Einer davon ist die bekannteste weibliche Videospiel-Figur aller Zeiten zu sein.

Sie hat auch einen eigenen Stern auf dem Walk of Fame. Nicht den Walk of Fame in Los Angeles – so frech war sie dann doch nicht. Sie wurde verewigt in San Francisco, wo es anscheinend auch einen Walk of Fame gibt und in Derby wurde eine ganze Straße 2010 nach Lara Croft benannt.

Und damit können wir es jetzt auch gut sein lassen. Lara Croft – eine Heldin meiner Jugend; ein Meilenstein der Computerspiel Geschichte; immer noch Stoff für Filme und Video-Games. Irgendwie ein Erfolg oder? Wäre da nicht die Tatsache, dass sie einfach unnatürlich aussieht: Riesenbrüste, knappes Outfit, ständig rumspringend war sie natürlich die Film- und Spiel gewordene Männerfantasie schlechthin. Und der ursprüngliche Designer machte da auch gar keinen Hehl drum, die Figur so designt zu haben, dass sie in erster Linie männliche Spieler ansprechen sollte. Sind wir mal ehrlich: Zumindest damals und wahrscheinlich auch heute noch, machen natürlich Männer einen großen Teil der Käuferschaft von Action-Spielen aus.

Lara Croft lieferte hier natürlich vollumfänglich. Soweit sogar, dass später in späteren Teilen Laras Brüste verkleinert wurden, damit die Proportion realistischer würden. Auch die Outfits haben sich verändert. Nach und nach trägt Lara auch mal etwas längere Sachen. Angeblich, so steht es in der Wikipedia zu lesen zumindest, weil der Hersteller und Franchise-Owner gerne auch weibliches Publikum mit dem Spieltitel ansprechen möchte.

In dem Zusammenhang fände ich es mal interessant, ob Tomb Raider als Spiel auch funktionieren würde, wenn Lara nur eine Nebenrolle bekäme und ein wahlweise männlicher Akteur die Hauptrolle spielen würde. Ich wäre völlig fein damit, wenn man Tomb Raider heraus brächte und bei Start einfach auswählen kann, ob man mit Indiana Jones oder mit Lara Croft spielen möchte. Ich meine, das Setting könnte dasselbe sein: Nazis in einem Archäologie-Setting überführen irgendwo in Kambodscha, durch den Dschungel springen, mystische Artefakte einsammeln – das ist doch total kompatibel.

Und wenn das dann irgendwann leer genudelt ist, naja, dann kann man ja immer noch Actionfiguren rausbringen. Statt der Barbie kauft man dann einfach eine Lara. Und statt dem Ken einen Indie. Das fände ich doch auch voll in Ordnung.

Bis bald.

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