Blogpost: Anerzählt “backstage” – Der komplette Workflow

Eigentlich sind Podcasts schnell und einfach zu machen. Alles was es braucht ist ein Mikrofon (wie z.B. in Handies verbaut), ein Blog und ein bisschen Know How und schon ist man “auf Sendung”. Eigentlich.

Aber jeder der sich mit dem Medium etwas länger beschäftigt weiß, dass es dann doch nicht ganz so einfach ist. Da ist zum einen die Tonqualität: Mikrofonierung, Interviewaufnahmen oder auch die Nachbearbeitung kann schon mal einiges an Aufwand schlucken. Dann wäre da noch die Veröffentlichung: wo und wie wird das Format idealerweise gehosted und beworben? Wie bleibt man mit seinen Hörern in Kontakt? Und noch bevor man all das im Griff hat, stellt sich eigentlich die Frage wen man denn eigentlich erreichen will und welches Format für das Podcastprojekt angestrebt werden soll.

Für den Anerzählt Podcast hatte ich mir im Vorfeld selbst ein paar Ziele gesetzt:

  • Ein leicht verdauliches Format, dass auch für Neulinge interessant ist.
  • Hohe inhaltliche Qualität
  • Hohe Ton- und Bearbeitungsqualität
  • Hohe Frequenz: täglich, ich will mich zu Struktur zwingen und gute Produktionsflows finden

Ich bin längst noch nicht da wo ich gerne hin will, aber zur Zeit kristallisiert sich ein Workflow und eine ganz brauchbare Produktionskette heraus. Hier also ein paar der technischen Hintergründe meines kleinen Projekts. Wenn Du selbst einen Podcast planst oder vielleicht einfach nur neugierig bist, ist das ja vielleicht interessant…

Sendeablauf und Planung (Preproduction)

Mein Podcast orientiert sich ja an der Episodenzahl, damit steht am Anfang immer eine Themenfindung. Google, Wikipedia, Wikia, geboren.am, etc. sind natürlich zentrale Startpunkte. Oft ist es auch andersrum: Ich weiß schon worüber ich gerne sprechen möchte (z.B. das Minnesota Starvation Experiment) und suche dann nur noch nach einer passenden Zahl.

Anfangs hatte ich einfach ein Google Doc in dem ich Episodenideen aufschrieb. Das wurde aber dann sehr schnell unübersichtlich. Deswegen stieg ich bald in meiner Planung auf ein anderes System um. Trello ist ein kostenloses Web Tool, mit dem man sogenannte Kanban Boards anlegen oder auch einfach nur verknüpfte Listen pflegen kann. Die Listen in meinem Board bilden die verschiedenen Arbeitsschritte ab. In der Themenplanung bringe ich Themenideen unter. Die Beschreibung der Karten enthält dann immer schon einen simplen Text und Links zu mehr Informationen. Grob habe ich immer um die 20 Folgen voraus geplant. Wenn mir unterwegs eine Idee kommt, trage ich die direkt hier ein.

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Am Anfang habe ich noch jede Folge aufgenommen, direkt nachbearbeitet und dann veröffentlicht. Das hatte aber leider den Nachteil zeitintensiv zu sein. Für eine Folge von 5 Minuten können so locker 40-50 Minuten Zeit von Recherche bis Veröffentlichung vergehen. So kam ich auf maximal eine aufgenommene Folge, denn länger als eine Stunde habe ich selten am Stück Ruhe. Damit war diese Herangehensweise völlig ungeeignet um täglich zu veröffentlichen.

Inzwischen mache ich das anders.

Recherche und Ideenfindung findet zwischendurch statt. Das kann mal an der Supermarktkasse, mal abends auf der Couch sein. Die Ideen landen per App im Trello board. Habe ich dann mal eine Stunde Zeit und Ruhe für Aufnahmen, öffne ich mein Trello und spreche so viele Episoden ein wie ich in einem Rutsch unterbringe. Eine Stunde Aufnahmezeit ist dann genug für 2-5 Episoden (je nachdem wie gut es mir von der Hand geht und wie viel Text ich mir schon notiert hatte). Diese Rohaufnahmen landen dann erst mal auf der Platte und warten auf spätere Bearbeitung.

 

Die Aufnahme (Production)

Technik ist wichtig. Es kann ja mal akzeptabel sein, mit dem Handy aufzunehmen oder in Telefonqualität. Aber eigentlich ist das dann auch eine Zumutung für unsere Hörer. Die gute Nachricht: Viel lässt sich schon durch gute Wahl der Mittel erreichen. So sind z.B. Headsets besser als die im Laptop eingebauten Mikros, ein ruhiger Raum ist besser als direkt neben der laufenden Waschmaschine zu sitzen etc.

Ich habe aber zusätzlich auch noch in Technik investiert. Bis Episode 42 habe ich mit dem M-Audio Producer USB (Affiliate Link) aufgenommen:

Die Qualität fand ich durchaus gut, allerdings macht dieses Mikro auch ein wenig unflexibel was die Aufnahmesituation angeht. Rumlaufen ist z.B. nicht wirklich möglich.

Außerdem war mir der Klang auch manchmal zu hallig. Ich habe einige Male auf Geschäftsreisen abends im Hotelzimmer aufgenommen. Leider sind da die Bedingungen nicht immer ideal. Das M-Audio nimmt da gerne mal zu viel vom Umgebungsgeräusch mit auf.

Darum habe ich irgendwann beschlossen, aufzurüsten. Die Aktion war nicht ganz billig, aber ich glaube man hört es deutlich. Mein jetziges Setup sieht so aus:

Beyerdynamic Headset + Scarlett Focusrite 2i4 USB Interface (Affiliate Links). Tolle Kombi und tatsächlich auch noch einigermaßen transportabel. Dadurch, dass bei dem Headset das Mikro direkt vor dem Mund fixiert und gerichtet wird, ist die Aufnahme sehr sauber.

 

Nachbearbeiten & Veröffentlichen – Die Postproduction

Meinen erster Podcast, Das Ferngespräch, habe ich damals softwareseitig noch mit Audacity aufgenommen und bearbeitet. Audacity ist Open Source und wirklich mächtig, hat aber auch einige Nachteile. Beispielsweise ist es nicht für Podcaster optimiert sondern für Musiker gedacht. Irgendwann ging ich dann auf die Suche nach einer guten Alternative. In der Szene ist Reaper mit der für Podcaster gebauten Erweiterung Ultraschall sehr beliebt, meins war die Software allerdings nicht auch wenn sie ganz klar mächtig ist.

Ich bin schließlich bei Hindenburg Journalist gelandet, eine Software, die für die Bedürfnisse von Radio und Podcast optimiert und ausgesprochen komfortabel ist. Bisher habe ich es nicht bereut.

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In Hindenburg schneide und vertone ich dann. Inzwischen experimentiere ich zunehmend mit eigenen Sounds und Geräuschen, allerdings bietet da natürlich auch die Creative Commons Szene viele großartige Möglichkeiten auf die ich gerne zurückgreife.

Die Bearbeitung einer Folge dauert mindestens drei mal so lang wie die eigentliche Aufnahme. Inzwischen mache ich eigentlich kaum noch “Äh” und “also”, aber natürlich gibt es Versprecher und ganze Passagen, die – wenn mit einigem Abstand gehört – unnötig sind. Im Normalfall haben meine Rohaufnahmen etwa 10-15 Minuten und nach der Bearbeitung bleiben 6-10 davon übrig.

Ich bearbeite gerne mal am Wochenende oder wenn ich beruflich unterwegs bin. Zugfahrten sind geradezu ideal geeignet 🙂

Wenn die Bearbeitung mit Hindenburg abgeschlossen ist, sind die Dateien eigentlich schon reif zur Veröffentlichung. Trotzdem schleuse ich als abschließenden Arbeitsschritt dann alles durch Auphonic, einem Dienst zur Verbesserung von Audiodateien. Bei Auphonic sind monatlich 2 Stunden frei, das reicht für meine Bedürfnisse tatsächlich fast schon aus… Auphonic sorgt dann auch dafür, dass mein Podcast automatisch auf meinen FTP Server, Soundcloud und Youtube geladen wird.

Sobald das passiert ist, lege ich noch den entsprechenden Eintrag im (WordPress-)Blog an. Den Feed und alle Veröffentlichungen verwalte ich mit dem Podlove Publisher. Keine Ahnung wie ich jemals ohne zurecht kam. Übrigens hat Podlove auch eine Analytics Funktion in der man genau sieht wie oft Episoden abgerufen werden. Allein dafür lohnt sich das Plugin. Updates sind regelmäßig, die Funktionalität stabil. Empfehlung!

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In WordPress habe ich außerdem die JetPack Erweiterungen aktiviert.

Die haben eine Funktion namens “Publicize”, die dafür sorgt, dass neu veröffentlichte Posts automatisch auf der Facebook Page und Google+ erscheinen. Twitter ist sozusagen meine “Homecommunity”, deswegen mache ich die Einträge derzeit noch per Hand. Im Lauf der Woche bin ich aber auf allen drei Seiten immer wieder aktiv.

 

So, das war er nun mein kompletter Workflow.

Ich hoffe, es war ein interessanter Einblick in den Anerzählt Podcast und vielleicht auch hilfreich für Deine eigenen Projektideen. Lass mir doch einfach einen Kommentar da oder ergänze diesen Post um Deinen eigenen Workflow/Ideen.

4 comments for “Blogpost: Anerzählt “backstage” – Der komplette Workflow

  1. tttt
    Oktober 13, 2015 at 2:15 pm

    Danke für den Text!

  2. N S
    März 31, 2016 at 12:17 pm

    Super hilfreich und interessant!

  3. Pingback: Täglich ein Podcast – Ein Workflow – Crowdio
  4. Juni 13, 2016 at 7:03 pm

    Das sind wirklich gute Tipps! Auch wenn ich es erst später entdeckt habe. Danke!

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