Die 331 Tage Regel


Flüge bucht man am Besten so früh wie möglich… Wann genau ist denn “so früh wie möglich”?

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Planning an Award Ticket a Year Out? Here’s When Airlines Load Their Schedules

Bild: CC0, https://pixabay.com/en/trip-airplane-plane-ticket-flights-40005/

 

 

#331 – Die 331 Tage Regel

Egal, welches Thema man sich genau ansieht: Immer oder zumindest mal fast immer findet sich eine Community von Leuten, die sich bis ins Detail mit allen Untiefen einer Fragestellung beschäftigt haben. So ist es auch mit so etwas spannendem, wie dem Buchen von Flugreisen.

Wenn Du kein Vielflieger bist, dann könnte es ja sein, dass Du Dir das eigentlich ganz einfach vorstellst: Man geht zu einer Webseite, man ruft die Flugverbindung auf. Diese Flugverbindung wird zu Preisangeboten, man klickt auf buchen und fertig ist die Laube. Richtig? Falsch! – Denn hier beginnt der Wahnsinn, den eigentlich niemand so richtig durchdringt. Außer vielleicht die Fluggesellschaften selber und eben besagte Nerds.

Es ist nämlich schon mal so, dass es einen Unterschied macht, wo man denn diesen Flug bucht. Denn Fluggesellschaften verkaufen Kontingente von Tickets an Wiederverkäufer zu unterschiedlichen Preisen, sodass diese Wiederverkäufer auch wieder unterschiedliche Preise anbieten können.

Dann gibt es verschiedene Buchungsklassen, also Economy, Business und First, klar. Das wirkt sich natürlich auf den Preis aus. Und dann gibt es aber auch noch verschiedene Unterklassen. Das hat zunächst mal nichts damit zu tun, welches Essen man serviert bekommt oder wie viel Fußraum man bekommt, sondern einfach nur mit dem Preis. Das heißt, innerhalb von Economy gibt es verschiedene Ticket-Preis-Kategorien. Das heißt, eine Fluggesellschaft macht schlicht und ergreifend eine Mischkalkulation und bietet die Sitze in ihren Fliegern zu unterschiedlichen Preisen an. Das hängt natürlich dann auch damit zusammen, wie viel Nachfrage auf einer bestimmten Strecke herrscht; welchen Preis eine Fluggesellschaft bei ausgebuchter Maschine wirklich einbringen will usw.

Und dann gibt es obendrauf noch alle möglichen Rabattmöglichkeiten. Wenn zum Beispiel jemand mit einer Vielfliegerkarte einer Fluggesellschaft ankommt und sich dann upgraden lässt, oder irgendwie den Preis senkt oder irgendwelchen zusätzlichen Dienste einkauft, dann ist das ein Rabatt. Der verändert natürlich auch den Preis.

Um es also kurz zu machen: Es ist kompliziert. Denn die meisten Vielflieger versuchen ja nicht nur notwendigerweise den niedrigsten Preis zu erreichen, sondern dabei auch noch einen Ticket-Preis zu erreichen, der zwar niedrig ist, aber möglichst viele Meilen – also Statuspunkte – bringt, mit denen man dann später wieder Rabatte erzielen kann.

Ich schwöre Dir: Es gibt Webseiten, die nichts anderes machen, als einem diese Mathematik auseinander zu friemeln und es gibt Leute, die die verschiedenen Rabattsysteme, Meilensysteme und Ticketstufen verschiedenster Airlines in- und auswendig kennen. Die wissen dann irgendwann nicht nur, welche Tickets in welcher Kombination das beste Preis-/Leistungsverhältnis haben, sondern die wissen dann zum Teil auch, wann diese Tickets verfügbar werden. Fluggesellschaften geben nämlich Tickets zum Teil zu bestimmten Zeitpunkten frei und diese Tickets haben dann unterschiedliche Konditionen.

Jedenfalls: Wenn man sich damit beschäftigt, dann begegnet man irgendwann einer Art Mauer – einer zeitlichen Schallschutzwand. Einer Grenze, über die hinaus man anscheinend nicht buchen kann – oder zumindest bei den allermeisten Fluggesellschaften nicht buchen kann. Und das ist die sogenannte 331 Tage Regel. Und diese Regel, so kann man in Vielfliegerforen lesen, die gilt seit Anbeginn der Zeit.

Die ersten Buchungssysteme nämlich hatten keine Jahreszahlenfelder und deswegen musste man Tickets maximal 365 Tage vor Abflug im System hinterlegen. Außerdem gibt es verschiedene gesetzliche Regelungen, die zum Beispiel vorsahen, 30 Tage lang die Buchungsdaten zwischen den Flügen vorzuhalten. Und wenn man dann so ein bisschen rum rechnet und ein paar Tage Puffer gibt, dann ergibt sich eine magische Grenze: 330 Tage vor Abflug nämlich würden Fluggesellschaften ihre Tickets in den Systemen freigeben.

Das heißt, wenn man 331 Tage vorher da sitzt und in dem Moment, an dem eben diese Tickets freikommen, nämlich um 0.01 Uhr, dann kann man wenigstens ganz kurz die billigsten verfügbaren Tickets genau dort buchen. So die Überzeugung.

Und diese Überzeugung ist so verfestigt, dass verschiedene Ticketbuchungssysteme auch wirklich diese Grenze einhalten und man dort kein Ticket kaufen kann, das länger als 330 Tage in der Zukunft liegt. Und das klingt ja auch super, oder? Alles was Du tun musst ist, festlegen, wann der nächste Urlaubstrip ansteht; Dir einen Kalendereintrag 331 Tage vorher setzen und um 0.01 Uhr – Zack! – den billigsten Preis buchen, den Dir Deine Fluggesellschaft anbietet. Et Voilá hast Du einen traumhaften Preis erzielt – garantiert! Also, zumindest für den Hinflug. Dasselbe musst Du natürlich ein paar Tage später auch für den Rückflug machen. So die Theorie.

Stimmt allerdings nicht so ganz. Zwei Dinge, die da dagegen sprechen: 1. Es ist nicht so, dass die Fluggesellschaften alle 330 Tage einhalten. Da gibt es zum Teil eklatante Unterschiede. Was aber schon stimmt ist, es ist immer in diesem Jahreszeitraum. Kaum eine Fluggesellschaft auf diesem Planeten greift weiter in die Zukunft als ein Jahr. Und das hat einen ganz einfachen, banalen Grund: Soweit kann man nicht in die Zukunft planen. Schon, wenn man ein Jahr als Frist annimmt, ändern sich die Details der meisten Flüge zwei- bis dreimal bis es dann soweit ist; inklusive Abflugzeit, Gate, manchmal sogar dem Tag, an dem geflogen wird. Es ist einfach verdammt komplex, Flugpläne aufzustellen und es wird nicht einfacher, wenn man weiter in die Zukunft schaut.

Und diese 331 Tage sind, wenn man sich mal die verschiedenen Veröffentlichungszeiten der Airlines anschaut, fast schon die Ausnahme. In der Liste, die ich mir gerade anschaue, machen das überhaupt nur zwei Airlines, nämlich American und Delta. Alle anderen haben irgendeinen anderen Zeitpunkt gewählt. Irgendwas zwischen 330 und 360.

Und das zweite Problem: Fluggesellschaften buchen normalerweise nicht alle Tickets auf einmal ein. Und nein, da sind nicht immer die billigsten Tickets auch sofort verfügbar. Das heißt, es lohnt einen zweiten Blick und es lohnt sich, die Gepflogenheiten der eigenen bevorzugten Airline dann auch am besten zu kennen.

Kleines Fazit also: Es bleibt kompliziert, Flüge zu buchen. Es mag sein, dass frühes Buchen den Preis senkt, aber super frühes Buchen hilft nicht notwendigerweise. Und die 331 Tage Regel? Die macht einen guten Aufhänger für den Anerzählt, aber existiert so eigentlich nicht. Ich weiß nicht, ob man das Urban Myth nennen kann oder heutzutage lieber Fake News, ist jedenfalls total postfaktisch, was einem da in Vielfliegerforen alles erzählt wird.

Bis bald.

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