E290 gesprudelt, nicht geschüttelt.


Ein Themenvorschlag von Hörer @tifftoffo führt uns heute in die Welt der Lebensmittelzusatzstoffe zu einem wahren Wunderstoff, der Kohlensäure und dem Kohlendioxid.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffdioxid

Bild: Pixabay, CC0, https://pixabay.com/en/trinkbecher-drinking-water-493686/

 

#290 -E290 gesprudelt, nicht geschüttelt.

Die heutige Folge hat mal wieder einen Themenpaten. Und den kennen wir auch schon von anderen Themen. Der Twitternutzer @tifftoffo dachte sich, wir haben schon lange keine Lebensmittelzusatzstoffe mehr besprochen und schlug vor über E290 zu reden. Und meine Herren! Ist das ein vielseitiger Stoff. Und Geschichte hat er auch. Ich bin mir auch sicher, Du kennst E290, allerdings unter einem anderen Namen.

Die geläufige Bezeichnung ist nämlich Kohlendioxid, abgekürzt CO2 und das begegnet uns in ganz vielen verschiedenen Anwendungsfällen. Fangen wir mal ganz vorne an: Als Säugetier atmest Du Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. Wärst Du eine Pflanze, dann nimmst Du Kohlendioxid auf und wandelst es durch Photosynthese in Kohlehydrate und Zucker um und dabei wird Sauerstoff frei. Für Kohlendioxid gibt es allerdings auch noch andere Quellen als den Atem, zum Beispiel entsteht es beim vergären. Das ist auch der Grund, warum Bier sprudelt.

Entdeckt wurde Kohlenstoffdioxid als eines der ersten Gase überhaupt und zwar im 17. Jahrhundert vom flämischen Chemiker Johan Baptista von Helmont. Der hat irgendwann mal beobachtet, dass Holzkohle, die verbrannt ist, hinterher weniger Material ist als vorher. Er schloss dann auch folgerichtig, dass da wohl ein unsichtbarer Stoff entstanden war, den er dann ganz poetisch Spiritus sylvestre nannte. Das heißt soviel wie „Wilder Geist“.

Danach hat sich ein Arzt damit beschäftigt, Joseph Black und hat den Stoff etwas genauer unter die Lupe genommen. Der hat dann zum Beispiel erkannt, dass Kohlendioxid schwerer als Luft war und Verbrennungsvorgänge stoppen konnte. Und da sind wir dann auch bei einer heutigen Anwendung von Kohlendioxid. Es wird nämlich als Isoliergas beim Schweißen benutzt oder zum Löschen von Bränden. Es verdrängt nämlich Sauerstoff und ohne Sauerstoff = kein Feuer.

Eine andere Anwendung, die sicherlich jeder von uns kennt ist Kohlendioxid in Limonaden und in Wasser. Da kommt es jetzt nicht natürlich vor, sondern da muss es beigemengt werden. Ich habe zum Beispiel einen Sodastream daheim, also so ein System, in den man in Druckflaschen geliefertes Kohlendioxid einschraubt und dann Wasser aufsprudeln kann.

Die Entdeckung, dass das geht verdanken wir Joseph Priestley, der 1772 das erste Sodawasser der Menschheit hergestellt hat. Ob er dann auch gleich auf die Idee gekommen ist, das Zeug zu trinken, weiß ich nicht, aber bis heute sprudeln wir unsere Getränke gerne auf. Joseph Priestley hatte allerdings noch kein Verfahren, dass irgendwie massentauglich gewesen wäre. Der musste noch, um Kohlendioxid zu erzeugen, erst mal Schwefelsäure in eine kalkhaltige Lösung leiten und dann das Kohlendioxid in einen Becher mit Wasser auflösen.

Das haben wir heute natürlich etwas besser im Griff und das verdanken wir Humphrey Davy und Michael Faraday. Ja, der vom Faraday’schen Käfig. Die haben nämlich irgendwann entdeckt, dass man Kohlendioxid durch Druckerhöhung verflüssigen kann. Und in flüssiger Form lässt sich Kohlendioxid auch einfacher transportieren. Et voilá, die Druckflasche war geboren. Und da stellte sich dann auch eine weitere Anwendung ein.

Wenn sich nämlich Kohlendioxid in flüssiger Form schlagartig ausdehnen darf, dann entsteht Trockeneis. Das ist nichts anderes als festes Kohlendioxid und zwar kaltes, festes Kohlendioxid. Das kann man jetzt super zum Kühlen verwenden, aber wofür es auch noch nützlich ist, ist in der Disco für nette Effekte zu sorgen. Denn beim Auftauen entsteht ein typischer weißer Nebel, den Du bestimmt schon mal in Discos oder bei Theatervorführungen oder irgendwelchen Shows gesehen hast.

Aber damit sind wir noch lange nicht am Ende angekommen, was man mit Kohlendioxid alles anfangen kann. Es kann nämlich auch noch als Dünger herhalten. Treibhäuser die mit Kohlendioxid geflutet sind sorgen dafür, dass Pflanzen schneller wachsen und besser gedeihen, weil sich bestimmte Stoffe anreichern, die dann düngende Wirkung haben.

Und Kohlendioxid ist ein Treibhausgas. Früher hat man Kohlendioxid außerdem noch in der Medizin vermehrt eingesetzt – als Narkosemittel. Bis zu einer gewissen Dosierung hat es nämlich eine betäubende Wirkung und führt in gewissen Konzentrationen auch zu einer vorübergehenden Bewusstlosigkeit. Nutzt man heute nicht mehr, aber früher war das ein probates Betäubungsmittel.

Sehr wohl noch eingesetzt wird es allerdings bei Tieren. In Schlachthöfen um Schlachttiere zu beruhigen und vorzubetäuben oder im Fall von Geflügel auch als zugelassene Schlachtmethode. Das ist dann dasselbe Funktionsprinzip, mit dem sich Menschen auch manchmal versuchen umzubringen, indem sie Autoabgase in einen geschlossenen Raum leiten oder ähnliches. Die Idee ist einfach so viel CO2 um sich herum zu haben, dass Sauerstoff verdrängt ist und man ist erst betäubt, dann bewusstlos, dann setzt das Atemzentrum aus. Gott sei Dank ist da Kohlendioxid in Form von Kohlensäure, also E290 deutlich weniger gefährlich.

Jedenfalls sehe ich meinen Wassersprudler jetzt dann doch mit etwas anderen Augen. @tifftoffo sei Dank!

Bis bald.

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