Häftling 239 – Shaker Aamer


Guantanamo Bay ist ein Schandfleck der westlichen Welt. Über 750 Menschen waren dort schon inhaftiert und über 90 sind immer noch eingesperrt, viele von ihnen erwiesenermaßen schuldlos. Häftling 239 heißt mit richtigem Namen Shaker Aamer und war 14 Jahre lang unschuldig inhaftiert. Und in Guantanamo Bay heißt das Folter, Erniedrigung und Rechtlosigkeit… Alles Dinge, die wir doch eigentlich nicht gut finden, oder?

http://www.focus.de/politik/ausland/14-jahre-unschuldig-in-guantanamo-gewalt-kaelte-schlafentzug-haeftling-239-erzaehlt-von-seiner-gefangenschaft_id_5151787.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenenlager_der_Guantanamo_Bay_Naval_Base

Bild: By JTF-GTMO – <a href=”//commons.wikimedia.org/wiki/File:ISN_239%27s_Guantanamo_detainee_assessment.pdf” class=”mw-redirect” title=”File:ISN 239’s Guantanamo detainee assessment.pdf”>File:ISN 239’s Guantanamo detainee assessment.pdf</a>, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15315088

 

 

#239 – Häftling 239 – Shaker Aamer

Für das heutige Thema darf ich Florian danken oder wie er auf Twitter heißt: @florian666 . Es geht nämlich um Häftling 239 oder besser gesagt, um Shaker Aamer, der als Häftling 14 Jahre lang unschuldig in Guantanamo Bay saß. Er hatte nämlich einen folgenschweren Fehler begangen, als er wenige Tage vor den Anschlägen am 11. September nach Afghanistan gereist war und dort dann von Kopfgeldjägern festgenommen und an die Amerikaner als Terrorist verkauft wurde.

Seine Frau und seine Kinder leben in Großbritannien und Aamer hatte eigentlich vor, Geschäfte in Afghanistan zu tätigen. Das Geld saß nicht wirklich locker und als Unternehmer hatte er die Hoffnung, dass er mit seinem kulturellen Hintergrund unter Umständen eine neue Einnahmequelle erschließen konnte. So wie er war – wie wir heute wissen –  ein Großteil der bisherigen Häftlinge, insgesamt gab es über 700 Häftlinge in Guantanamo Bay, eigentlich ohne terroristischen Hintergrund, dorthin verbracht worden.

Jetzt muss man sich das einmal vor Augen halten: Du bist unschuldig in einem Land, das in Kriegshandlungen reingezogen wird und Du wirst dort auf offener Straße praktisch entführt und dann an Amerika verkauft als möglicher Terrorist und landest dann in einem Lager, in dem Folter an der Tagesordnung ist. Dabei meine ich wirklich Folter! Nicht einfach nur – und das ist schon schlimm genug –  “Waterboarding”, wie wir in unseren Medien immer mal mitbekommen haben. Nein, Folter wie Schläge auf Hoden, tagelanges gefesselt sein in völliger Dunkelheit, Nahrungsentzug, mit dem Kopf in Kloschüssel geschlagen werden und so weiter. Guantanamo Bay finde ich, ist eine dieser Dinge, die alles in Perspektive rücken können.

Wir sind heutzutage immer einmal sehr schnell dabei, den Islam als Grund allen Übels wahrzunehmen. Wenn wir die Zeitung aufschlagen, wird auch unverkennbar deutlich gemacht, wie unmenschlich die Russen, wie abartig irgendwelche afrikanische Regime, wie gewissenlos die türkischen Machthaber und so weiter agieren. Wir vergessen einmal ganz gerne dabei, das hier im Endeffekt ein Militärlager mit Folterern bestückt wurde, Folterern in Uniform, unschuldige Menschen von Kopfgeldjäger gekauft wurden, um in diesem Lager eingesperrt zu werden. Jetzt, wo dieses Lager nach wie vor existiert und auf weiteres erst einmal nicht abgebaut werden kann, weil niemand auch die unschuldigen Insassen von Guantanamo Bay aufnehmen möchte. Genau das ist nämlich das Kernproblem in Guantanamo.

Obama, als er an die Macht kam, als einer der ersten Amtshandlungen verfügte die Schließung von Guantanamo Bay und das Verlagern des Gerichtsstandes. Seither scheitert das Schließen von Guantanamo Bay, unter anderem daran, dass sich in den USA niemand bereit erklärt, Insassen von Guantanamo Bay in den USA, auf Grund und Boden der USA in Gefängnisse zu stecken und alle anderen Ländern weigern sich, die eigentlich unschuldigen Insassen in Guantanamo Bay, in entweder in ihre eigenen Ländern zurückreisen zu lassen oder aber Asyl zu gewähren und sie aufzunehmen. Deswegen sitzen immer noch 91 Menschen in Guantanamo Bay. Es gibt nur wenig Aussicht darauf, in nächster Zeit freigelassen zu werden. Freilassungen, wie die jetzt von Shaker Aamer, gibt es nur peu á peu.

Häftling 239 hat viele viele Geschichten zu erzählen und hat es auch schon getan. Geschichten von Kommandos, die in seine Zelle stürmen, weil er den verbotenen Akt begangen hat, einen Apfelstängel mitzunehmen oder von stundenlangem Verhör in denen er eigentlich nicht wusste, was die richtige Antwort gewesen wäre oder sicherlich wahrscheinlich keine richtige Antwort existiert hätte. Oder Kältefolter: Tagelang am Boden festgekettet zu sein in Kälte und einfach vor sich hin zu frieren. Das sind die Erzählungen, die in anderen Ländern über unsere westlichen Werte erzählt werden. Denn es sind nicht nur die Amerikaner die daran schuld sind, auch wir haben den ein oder anderen Häftling da drin zu verantworten. Wir sind auch diejenigen, die sich im Moment gerade weigern Asyl zu gewähren oder Leute zurück aufzunehmen. Wir wären wahrscheinlich selbst ganz gerne beim Verhören, Foltern und Ausspionieren dabei, aber es ist viel bequemer, wenn es die Amerikaner für uns machen, dann sind wir wenigstens nicht die, mit dem Dreck am stecken.

Donald Trump und einige andere, die verantwortlich sind für die Folterungen und für das Errichten des Lagers und den Betrieb des Lagers, sind inzwischen angeklagt. Angeklagt mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit, angeklagt dafür, dass sie gegen ihre eigenen Prinzipien und Gesetze eigentlich verstoßen. Nur wirklich verhandelt und verurteilt, das scheint irgendwie niemand zu werden. Es sind irgendwie auch verständliche Reaktionen, oder? So einen Terroristen oder jemand unter Terrorismusverdacht, wie Donald Trump gesagt hat; er wird auf jeden Fall Guantanamo Bay weiter betreiben und sie weiter foltern lassen, die Insassen. Er wird noch viel schlimmeres machen, wenn er dann einmal an der Macht wäre. Da kann man sich schon einmal freuen.

Für Aamer auf jeden Fall, ist jetzt ein neues Leben angebrochen. Er baut eine Beziehung zu seinen Kindern auf, sein jüngster ist jetzt 13 Jahre alt. In dem Artikel, den Florian mir verlinkt hat für diese Geschichte, da meint er, der Augenblick, als vor kurzem sein Sohn ihn zum ersten Mal umarmt hat, war für ihn der glücklichste in seinem Leben. Eigentlich ist er gar nicht so sauer auf Amerikaner und auf den Westen, sondern er hasst militante Islamisten, denn die hätten das schließlich alles eingebrockt.

Da muss ich einmal sagen, das mit dem “Brainwash” hat anscheinend schon einmal ganz gut funktioniert. Denn ich, ich an Aamers Stelle, fänd uns alle zum kotzen, ich hätte Hass auf den Westen, Hass auf die Amerikaner, Hass auf die Folterknechte, die in Guantanamo ganz legitim schalten, walten und Menschen unterdrücken dürfen. Da habe ich irgendwie gar kein Verständnis für und kann gar nicht anders, als mich fremdschämen.

Bis bald.

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