Lotus 1-2-3


Damals, als ich noch jung und Computer noch groß waren… damals waren Tabellenkalkulationen noch ein echtes Milliardengeschäft mit einigen Platzhirschen. Der etablierte Goldstandard war für einige Zeit eine Anwendung namens Lotus 1-2-3 und so etwas wie der Vorgänger der modernen Office-Suite.

https://en.wikipedia.org/wiki/123_(number)
https://en.wikipedia.org/wiki/1-2-3
https://de.wikipedia.org/wiki/Lucas-Folge
https://de.wikipedia.org/wiki/Lotus_1-2-3
http://www.zdnet.com/article/goodbye-lotus-1-2-3/

Bild: Odacir Blanco [Public domain], via Wikimedia Commons

 

 

 

#123 – Lotus 1-2-3

Die 123 ist eine sogenannte Lukaszahl und eine Lukaszahl ist ein Mitglied einer Zahlenreihe, nämlich der Lukasfolge. Und was ist nun wieder? Das ist eine Zahlenfolge, bei der ab der dritten Zahl, jede weitere Zahl aus der Summe der beiden vorangegangenen besteht. Und warum ab der dritten? Na, weil sie ein bisschen komisch anfängt. Sie fängt nämlich mit der 2 und der 1 an. 2 + 1 ist dann die 3. Aber dann haben wir eben die 3 + 1, die ergibt 4 und die 4+3 ergibt 7 und dann haben wir die 11 und dann die 18 und die 29 und die 47 und die 76 und eben die 123.

“Ach, die Freuden der Mathematik”, sagt man sich da als geneigter Hörer. Was kann man jetzt noch sagen? – Die Notfalltelefonnummer – von denen gibt es ja zwischen der 100 und der 999 eine ganze Menge – von Kolumbien ist eben auch die 1-2-3. Tja, und das heißt leider auch, wenn ein Kolumbianer in Großbritannien die Notrufnummer, die er kennt, wählt, landet er bei der Sprachansage. In Indonesien wäre es immerhin noch die Rufnummer, unter der man Stromausfälle melden kann und in Ägypten ist es die Telefonnummer für medizinische Notfälle.

Dann gibt es natürlich noch Filmtitel und Musiktitel, die 123 heißen und Buslinien, Straßenbahnlinien usw. die diese Nummer tragen natürlich auch. Ich habe allerdings zuerst an etwas ganz anderes gedacht, nämlich an Tabellenkalkulation. Denn damals, als ich mit den Computern anfing, war Lotus 1-2-3 der Goldstandard unter den Tabellenkalkulationen. Und Du wirst es nicht glauben: Tabellenkalkulation gehört mit zu den ersten Softwareprodukten, mit denen ich überhaupt gelernt habe umzugehen. Denn: Es gab in meiner doch schon sehr fortschrittlichen Schule damals Informatikunterricht. Und in diesem Informatikunterricht haben wir uns mit einer seltsamen Version von MathCalc rumgeschlagen. Das war so eine Art Tabellenkalkulation und die war unter anderem dem allerersten Spreadsheet Programm namens visi-calc nachempfunden.

Visi-calc war damals auf dem Apple 2, eines der ersten in Businessnutzung befindlichen Programme überhaupt. IBM trat in den Markt ein und hat natürlich versucht, sich als persönliche Businessmaschine zu positionieren und hat dann die Firma Lotus Software irgendwann aufgekauft. Und Lotus 1-2-3 war auf dem IBM PC sozusagen die erste Killer-App überhaupt. Lotus 1-2-3 steht dabei einmal für den Firmennamen des originalen Softwareherstellers Lotus Software und 1-2-3 für die 3 Hauptfunktionalitäten, die das Programm mitbrachte, nämlich 1 Spreadsheet, 2 Database und 3 Grafische Darstellung von Daten.

Lotus 1-2-3 trat damals einen regelrechten Siegeszug an und wurde dann auch über weite Teile gewandelt mit einer Datenbank namens D-Base und einer Textverarbeitung namens Word Perfect als eine komplette Business Software-Lösung vertrieben. 19 Jahre lang wurde Lotus 1-2-3 weiterentwickelt. Die letzte stabile Version wurde 2002 herausgebracht und trug die Versionsnummer 982. Allerdings hatte Lotus 1-2-3 ab den 90ern sehr mit Microsoft zu kämpfen. Mit der allgemeinen Akzeptanz von Windows 3 als Betriebssystem auf dem Destop-Markt, kam auch die Microsoft Office Lösung mit Excel und Word ins Spiel. Und Excel und Word war sehr schnell das dominante Textverarbeitungs- und Spreadsheet-System der damaligen Zeit.

IBM jedenfalls hat noch lange Zeit, Lotus 1-2-3 und die Nachfolgeprodukte – Lotus Symphony zum Beipsiel – direkt unterstützt und der Produkt Support für Lotus wurde erst vor gar nicht so langer Zeit – nämlich 2013 – endgültig eingestellt. Auch mit der Feststellung, dass es keine Nachfolgeprodukte mehr geben wird. Aber immerhin: 30 Jahre lang war es im Verkauf. Bis hinein in die Zeit, in der aus Desktop Spreadsheet Programmen, wie zum Beispiel Microsofts Excel, dann irgendwann Webversionen solcher Programme wurden und wir heute Spreadsheets relativ oft entweder mit den Google Apps oder mit den Online Versionen der Microsoft Office mitmachen. Dann wäre es doch irgendwie lustig, wenn es auch eine Online Version von Lotus 1-2-3 gäbe. Gibt’s aber nicht. Und so kann man sich eigentlich nur noch entweder an den Screenshots oder an den Lotus 1-2-3 Commercial ergötzen, der schön darstellt, wie begeistert damals die Businesswelt von einer einfachen Tabellenkalkulation sein konnte.

Bis bald.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: