ME 262 – das erste Serien Strahltriebflugzeug der Welt


Themenpate: @tifftoffo

Die Messerschmitt ME 262 war eine technologische Innovation von der Hitler sich eine Wende im Krieg erhoffte. Das modernste Flugzeug seiner Zeit und die schnellste Kampfwaffe der Nazis konnte aber zum Glück nicht so effizient eingesetzt werden wie erhofft…

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Messerschmitt_Me_262

Bild: Von Noop1958 – own work (transferred from de:File:Me 262 ILA 2006 Flugvorführung.jpg), GPLv3, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5502533

 

#262 – ME262

Die Messerschmitt ME 262 war das erste Stahltriebwerkflugzeug, das in Serie gebaut wurde und es war das modernste Flugzeug seinerzeit. Es stand in einer Reihe von sogenannten Wunderwaffen, an denen die deutschen Forscher in Vorbereitung auf den Krieg und auch während den Jahren des zweiten Weltkriegs systematisch gearbeitet hatten. Und im Vergleich muss das damals wirklich beeindruckend gewesen sein, was die deutschen Militärs da zusammengestellt haben.

Vergleichbar vielleicht mit dem was die heutige Militärforschung in den USA hervorbringt. Waffen, von denen niemand sich gedacht hat, dass sie existieren würden. Ungeahnte Geschwindigkeitsrekorde. Die Möglichkeit Tod und Vernichtung auf den Gegner hageln zu lassen, noch bevor er Gegenmaßnahmen ergreifen konnte.

Die Deutschen müssen als Militärmacht damals wirklich beängstigend gewesen sein. Gerade wegen Dingen wie den V1 und V2 Raketen, der Forschung an der Atombombe, den Flugzeugen, mit denen sie auftrumpften und andere Waffen mehr.

Die ME262 war im April 1941 als erstes Versuchsflugzeug fertiggestellt. Insgesamt wurden über 1.400 Maschinen gebaut und 800 wurden während den Kriegsjahren von Deutschland als Waffen, als Kampfflugzeuge eingesetzt. Es gab eine Kontroverse darüber, ob jetzt dieses Flugzeug eher ein Bomber oder ein Jagdflugzeug werden sollte. Hitler hatte sich nämlich ausdrücklich einen Blitzbomber gewünscht und hoffte, den in diesem Flugzeug gefunden zu haben. Aber mangels Sicht auf den Boden und bestimmter anderer Flugeigenschaften war die ME262 eigentlich eher als ein Jagdflugzeug zu gebrauchen.

Interessant ist bei dieser Maschine auch, dass sie theoretisch eine kriegsentscheidende Rolle hätte spielen können, wenn denn praktisch alle Entscheidungen richtig getroffen worden wären. So war es in der Praxis so, dass zwar 800 Maschinen im Krieg wirklich eingesetzt wurden, davon aber selten mehr als 100 gleichzeitig flugbereit waren. Das lag zum einen an ständigen Angriffen der Alliierten und zum zweiten an der Treibstoffknappheit und zum dritten und fatalsten an einer gewisser Knappheit an ausgebildeten Piloten.

Ich denke mal, in der Rückschau können wir einfach dankbar sein, dass die Deutschen ihre Logistik und ihre Geheimhaltung und die Geschwindigkeit der Forschung nicht ganz so im Griff hatten, wie sie sich das ausgemalt hatten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Hitler damals die Atombombe, die V1, die V2 Rakete und diese Flugzeuge in ausreichender Menge mit ausreichender Besatz von Anfang an zur Verfügung gehabt hätte.

Der Themenpate für die heutige Episode, der Twitternutzer @tifftoffo hat sich in einer Notiz eine kritische Betrachtung der ME262 gewünscht. Und das kann jetzt natürlich verschiedenste Formen annehmen. Da fangen wir doch mal damit an, dass die großen technologischen Errungenschaften oder beinahe-Errungenschaften aus Nazi-Deutschland allesamt im Kriegseinsatz genutzt wurden. Die haben nunmal keinen zivilen Nuklearreaktor, sondern eine Atombombe versucht zu bauen und sie haben diese Flugzeuge nicht als Überschallzivilflugzeuge, sondern als Kampfflugzeuge konzipiert.

Angereichert mit der passenden Propaganda rund um die Wunderwaffen, die den Endsieg herbeiführen sollten und die Gewissenlosigkeit, mit der diese Waffen eingesetzt wurden, das alleine reicht ja schon, um diesen bitteren Beigeschmack zu haben, dass manche der Errungenschaften, auf denen heutige Technologien fußen aus jener Zeit stammen.

Andererseits kann man auch sagen, dass das Militär auch heute immer noch eine große Rolle bei der Entwicklung von wichtigen Technologien auch dann später für Ziviltechnologien spielt.

  • Hätten wir das Internet ohne Militärgelder? – Nein.
  • Wie sieht es mit Verschlüsselung aus? – Gut, brauchen wir sowieso erst in dem Umfang, seitdem wir das Internet haben.
  • Telefon? – Wohl kaum.
  • Sprengstoff? – Ich glaube irgendwie nicht, dass der Sprengstoff zum Bau von Tunneln entwickelt wurde, sondern wahrscheinlich doch eher dafür, um Kanonenkugeln auf Feinde abzufeuern.

Aber das ist natürlich auch nicht der einzige Punkt, der kritisch ist. Der andere Punkt, der einfällt ist die Tatsache, dass große Teile der Waffenindustrie der damaligen Nazi-Deutschen Produktionskette von Zwangsarbeitern durchgeführt wurde; oft unter menschenunwürdigen Bedingungen, natürlich darauf ausgelegt, dass auch möglichst viele der ausgebeuteten Arbeiter bei dieser Ausbeutung ihr Leben ließen.

Nach dem Krieg fielen die ME262 Pläne und die übrig gebliebenen Flugzeuge natürlich in Alliiertenhand. Dort flossen dann die von den Deutschen entwickelten Konzepte in deren eigenen Industrie ein und führten dann dazu, dass sich die verschiedenen Flugzeugtypen und Waffentypen doch ziemlich ähnlich sahen.

Außerdem wissen wir ja alle, dass eine Menge deutscher Physiker und Ingenieure letztlich in den USA Einfluss auf die dortigen Entwicklungen nahmen. Damit fanden dann auch verschiedene Waffengattungen und Schlüsseltechnologien eine Art logische Fortführung, nur eben dann unter Kontrolle der USA und eben nicht in den Händen eines totalitären Regimes, wie das von Nazi-Deutschland.

Der Mythos von den Wunderwaffen, an denen Nazi-Deutschland damals gearbeitet hatte, oft natürlich überhöht, oft auch gar nicht ganz gerechtfertigt, ausgeschlachtet für Propagandazwecke, der lebt fort bis heute. Er ist übergegangen in die modernen Verschwörungstheorien und Vorstellungen darüber, was in Nazi-Deutschland alles in die Wege geleitet worden sei, bishin zu der Idee, dass es Nazi-Basen auf dem Mond und versteckte Nazi-Stützpunkte in der Antarktis geben könnte, die immer noch existierten.

Hollywood sieht da drin verständlicherweise ein gefundenes Fressen, aber auch in Computerspielen, in Romanen, in Comics lassen sich diese Artefakte immer wieder finden.

Bis bald.

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