Raketenflugzeug Heinkel HR 176


Heutige Flugzeuge sind ja schon wirklich schnell. Deutlich schneller geht es dann nur noch mit Raketenantrieb und solche Maschinen gab es schon in den 60ern…

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinkel_He_176
https://de.wikipedia.org/wiki/SpaceShipOne
https://de.wikipedia.org/wiki/Raketenflugzeug
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_rocket_aircraft

Bild: Von Unbekannt – http://www.flickr.com/photos/sdasmarchives/7585407468/, No restrictions, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22930906

 

 

#176 – Raketenflugzeug Heinkel HR 176

Ein Kollege von mir hat mal gesagt, wenn das Triebwerk groß genug ist, fliegt auch eine Hundehütte. Und bei Flugzeugen macht man sich ja oft gar kein Bild davon, wie vielfältig die Optionen sind, mit denen man solche Triebwerke bauen kann.

Da gibt es einmal die klassischen Motorentriebwerke – Propeller – die praktisch durch ihre Bauart den Winddruck nach hinten erzeugen.

Dann gibt es die Triebwerke, die wir meistens in Passagierflugzeugen finden – Jet-Triebwerke – die durch Verdichtung und Erhitzung arbeiten.

Und dann haben wir noch als dritte Option das Raketentriebwerk und das findet man in der kommerziellen Luftfahrt verdammt selten. Und auch bei Flugzeugen im militärischen Bereich, sind im Allgemeinen normalerweise Jet-Triebwerke in irgendeiner Form im Einsatz.

Das heißt aber nicht, dass es nicht versucht wurde oder versucht wird, denn Raketentriebwerke haben ein paar Vorteile: Keine der anderen Technologien erzeugt so schnell so massiven Schub. Damit lassen sich sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen, sehr hohe Höhen erreichen oder auch sehr schnelle Höhengewinne produzieren. Und dieser offensichtliche Vorteil sorgt natürlich in der militärischen Flugzeugforschung immer wieder mal für Flugzeugmodelle, die genau das versuchen. Und einer der früheren Versuche dieser Art ist die Heinke HE 176 – das erste funktionsfähige Flugzeug der Welt. Angetrieben von einem regelbaren Flüssigkeitsraketentriebwerk.

Der erste Flug dieses Flugzeugs fand am 20. Juni 1939 statt und das dürfte aufregend gewesen sein. Der Vorgängerprototyp, die HE 112, die war nämlich schon bei den Startvorbereitungen explodiert. Das muss also ein schöner Gedanke für den Piloten gewesen sein, mit einem Experimentalraketenflugzeug zu starten.

Mitentwickler des Flugzeugs war ein bekannter Name: Werner von Braun. Und sein Entwicklerteam hatte mit Heinke zusammengearbeitet, um dieses Flugzeug zu konstruieren. Alle Beteiligten waren sich sicher, einen großen Coup gelandet zu haben. Sie führten also den Prototyp und die Unterlagen dem Reichsluftfahrtministerium 1939 vor und das war nicht interessiert.

Die Unterlagen zu dem Flugzeug wurden also folgerichtig, da man ja nicht mehr daran weiterarbeiten durfte, vernichtet und der Prototyp wurde nach ein paar weiteren Testflügen in die Deutsche Luftfahrtsammlung in Berlin überführt. Und dort 1943 durch einen Bombenangriff zerstört. Auch die restlichen Unterlagen gingen während dem Krieg verloren, sodass wir von dem Flugzeug nur noch ganz wenige Zeugnisse haben. Es gibt ein paar Fotos, es gibt ein paar lückenhafte Filmaufnahmen, keine Unterlagen mehr und so weiß man zwar von diesen Testflügen, aber so richtig belegen und Ergebnisse dazu aufführen kann man eigentlich nicht mehr.

So richtig durchgesetzt haben sich Raketenflugzeuge jedenfalls nicht. Es gibt zwar immer mal wieder einzelne Vertreter. Gerade im Augenblick gibt es ein Flugzeug namens SpaceShipOne, das finanziert von niemand geringeren als Paul Allan, einem Mitbegründer von Microsoft, an einem Wettbewerb teilnahm. Und zwar gibt es einen Wettbewerb für den Ersten, der ein Fluggerät baut, das zwei Person oder ein entsprechendes Gewicht in eine Höhe von mehr als 100 Km befördern und mit demselben Fluggerät innerhalb von 14 Tagen auch wieder abholen könne. Das Flugzeug braucht ein Trägerflugzeug um zu starten und landet dann im Gleitflug.

Zum ersten Mal flog die Maschine dann 2003, landete dann auch im August 2003 eben im Gleitflug und zündete auch zum ersten Mal sein Raketentriebwerk, wobei eine Geschwindigkeit von Mach 1 überschritten wurde – also die Schallmauer durchbrochen wurde. Was ich interessant finde ist, damit war SpaceShipOne auch das erste privat konstruierte Flugzeug, das ohne öffentliche Mittel gebaut worden war, das die Schallmauer durchbrochen hat.

Und ja, später dann – nämlich 2004 – gewann diese Maschine auch den genannten Preis. Es gab eben die besagten zwei Flüge mit kleineren Problemen, aber nix großem. Maschine kam gut rauf. Maschine kam gut runter. Beide Male blieb der Pilot unversehrt, alles lief nach Plan und so konnte der Preis von 10 Mio. Dollar erfolgreich eingestrichen werden. Weil außerdem die 100 Km überschritten wurden – das ist die definierte Grenze zum Weltraum – gilt dieser Flug auch, als der erste bemannte private Weltraumflug überhaupt.

Mal sehen, wo das noch hinführt. Vielleicht schenken mir ja meine Kinder mal zum Renteneintritt oder so einen Urlaub in der Erdumlaufbahn und ich werde dann aus reiner Nostalgie Anerzählt-Folge 176 höre, wo ich erzählt habe, dass es Flugzeuge mit Raketenantrieb gibt und das erste bemannte private Flugzeug, die SpaceShipOne war.

Bis bald.

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