Route 66 – The Mother Road


Viele glauben ja, die Deutschen hätten die ersten Autobahnen gebaut und das stimmt natürlich nicht. Wieder einmal waren die Amerikaner die ersten. Und weder wir noch sie haben ihre Autobahnen anfangs schön durchnumeriert, auch wenn Straßen wie die Route 66 die Vermutung nahelegen mögen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Route_66
http://www.arte.tv/de/backroads-amerikas-legendaere-strassen/7274638,CmC=7282958.html
http://www.welt.de/reise/article142397066/Diese-13-Strassen-sollte-jeder-einmal-erleben.html
http://www.skyscanner.de/nachrichten/die-10-beruehmtesten-strassen-der-welt
https://de.wikipedia.org/wiki/Autobahn

Bild: https://www.flickr.com/photos/jamiecat/11100401756

 

#066 – Route 66 – The Mother Road

Ich war gestern Abend mit einem Rudel Amerikaner essen und es gibt ein paar Themen, die, wenn Du als Deutscher in einem Rudel Amerikaner essen bist, garantiert aufkommen. Und eines dieser Themen, so sicher wie das Amen in der Kirchen – wie man so schön sagt – ist das Thema Autobahn, speziell das Thema Autobahn ohne Tempolimit. Das ist ein für Amerikaner vollkommen unfassbares Konzept, dass man die Erlaubnis hat, so schnell zu fahren, wie die Karre fahren kann.

In Realität geht das nicht, das wissen wir alle. Aber trotzdem. Die Amerikaner verbinden damit ein geradezu mythisches Bild von der German Autobahn und es fängt damit an, dass – auch viele Deutsche glauben das, denke ich mal – die Annahme herrscht, wir hätten die Autobahn erfunden – also die erste gebaut. Und das stimmt überhaupt gar nicht. Unsere erste Autobahn war übrigens die A55.

Diese Autobahn jedenfalls wurde 1938 gebaut und da gab es schon eine ganze Menge anderer Autobahnen auf der Welt. Und wer hat’s erfunden? – Die Amerikaner haben’s erfunden. Die haben nämlich das erste größte Interstate Highway Netz der Welt gebaut – die National Road, die ab Maryland in Richtung Westen gebaut wurde. Die Bauarbeiten fingen 1811 in Maryland an und 1839 kamen die in Illinois an.

Straßen gibt es ja in allen Arten und Formen und manche von denen haben Kultstatus. Zum Beispiel der Broadway in New York. Der ist 29 Kilometer lang und Broadway an sich gibt es in jeder amerikanischen Stadt. Das ist sowas wie Hauptstraße in Deutschland. Aber natürlich, der Broadway in New York ist der Platz an den man geht, wenn man im Theater, im Musical, in den Künsten, erfolgreich sein möchte.

Andere Straßen sind signifikant wegen der Menschen, die dort wohnen – die Downing Street zum Beispiel. Da wo der britische Premier wohnt. Oder wer es gerne etwas antiker haben will, wie wäre es mit Via Appia. So wie wir, Nummerieren auch die Amerikaner inzwischen ihre Highways durch und der Highway 1 ist eine Straße, die ich schon selber gefahren bin, die in Kalifornien an der Küste entlang fährt und den Ruf hat, die schönste Straße der Welt zu sein. Damit konkurrieren sie natürlich mit ein paar anderen wirklich spektakulär schönen Straßen. Halten wir einfach mal fest: Es ist eine verdammt schöne Straße mit Steilküsten, wild romantischer Landschaft und die lässt sich ganz besonders gut – je nachdem in welche Richtung man unterwegs ist – bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang fahren.

Und wenn wir so beim Durchnummerieren sind, kommen wir auch zu dem Highway, der der heutigen Sendung seine Inspiration geliehen hat, nämlich der Highway 66 oder Route 66 oder The Mother Road, wie er liebevoll genannt wird, auch Historic Route 66.

Inzwischen ist dieser Highway gar nicht mehr am Stück erhalten. Das ist eine separate Straße, eine historische Straße, die nur in Teilen manchmal zufällig mit den bestehenden Autobahnen überlappt. Aber es war lange, lange, lange die wichtigste Autobahn der Vereinigten Staaten und führte einmal quer durch von Chicago Illinois durch Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico, Arizona bishin zu Santa Monica in Kalifornien – insgesamt 3.940 Kilometer und es ist eine Straße über die Lieder gesungen, Filme gedreht, Serien gemacht und Gedichte geschrieben wurden.

Die Namensgebung der Route 66 war eine eigene Kontroverse als die Straße gebaut wurde. Verschiedene Offizielle in den verschiedenen Staaten, die die Autobahn durchkreuzte, kloppten sich darum, wie das Ding denn nun heißen sollte und Begründungen für den Namen der letztlich gewählt wurde waren so Dinge wie: Das ist eine Schnapszahl, die ist schön auszusprechen, kann man sich gut merken. Außerdem wurde festgehalten, dass 66 in der Numerologie eine Zahl ist, die für Wohlstand und Erfolg steht.

Ja, alles das waren offizielle Begründungen für diesen Namen. Das heißt, der wurde aus symbolischen Gründen gewählt, nicht etwa weil man da so gut durchzählen konnte und es schon 65 andere Autobahnen gegeben hätte.

Die Straße war und ist aus ganz vielen Gründen bemerkenswert. Einmal ist die historische Route 66 immer noch der Ort, an dem sich viele interessante Gebäude und Landmarken finden lassen. Aus zeitgeschichtlicher Sicht war die Route 66 die Hauptmigrationsstraße der Vereinigten Staaten, speziell während dem zweiten Weltkrieg war es eine der Hauptmigrationsachsen von der einen Küste zur anderen Küste Richtung dem Westen Amerikas.

In den 50ern dann war die Route 66 der Haupthighway für all diejenige, die in Los Angeles oder in Kalifornien allgemein Urlaub machen wollten. Denn die Straße führte unter anderem durch die Painted Desert, den Gran Canyon, Meteorkrater durch und an der Straße entstanden sozusagen die ersten kleinen Geschäfte für Reisende – Mom and Pop Businesses. Kleine Werkstätten, Tankstationen, Shops mit Snacks und so weiter und so fort.

Und die Route 66 stand Pate für die ersten Fast Food Restaurants. Der allererste McDonald’s Drivethrough wurde damals in San Bernadino in Kalifornien an der Route 66 gebaut und war ein direkter Erfolg. Für uns ist die Route 66 manchmal präsent, ohne dass wir uns dessen so richtig bewusst sind. Wenn Du wie ich Pixar Fan bist, dann hast Du vielleicht den Film Cars gesehen. Cars stellt sehr anschaulich dar, wie 1.) Kleinstädte an der Route 66 sich veränderten, als die Straße geschlossen oder verlegt wurde und 2.) wie es denn dort ausgesehen haben mag zu Hoch-Zeiten der Route 66.

Die Amerikaner sehen jedenfalls ihre Route 66 als ein Nationalmonument an. Es ist eine Historic Sight. Es ist auf allen möglichen Listen. Vom Nationalpark Service gibt es einen Trip Guide, mit dem man sich diese Straße und ihre interessanten Sights erschließen kann. Und ich überlege hin und wieder mal, ob es nicht wenigstens zum Teil einen Motorradtrip wert wäre. Das würde bestimmt mal Spaß machen.

Und um jetzt mal die Kurve zum Anfang dieser Episode zu kriegen: Wir sind doch das Land mit den Autobahnen, wo es eigentlich unsere mythische Autobahn? Die A9? Die A5? Vorschläge werden gerne entgegengenommen. Wenn sie eine schöne Nummer hat, mache ich auch mal gerne eine Episode daraus. Und bis dahin, wünsche ich Dir noch einen wirklich schönen restlichen Tag.

Bis bald.

1 comment for “Route 66 – The Mother Road

  1. Dezember 9, 2015 at 7:37 pm

    Ich hätte ja die A7 gesagt: einmal durch Deutschland und immer weiter.

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