RR245 – Zwergplaneten


Themenpatin: “nosupermom”, @anea1963

Ich bin ja noch in einer Welt aufgewachsen in der Pluto ein Planet war. 2006 dann wurde ihm dieser Status aberkannt und er war plötzlich nur noch ein Zwergplanet. Alles nur weil es eben auch andere Objekte auf seiner Bahn gab.
Neben Pluto gab es bisher noch 3 weitere bekannte Zwergplaneten, bis wir im September 2015 einen weiteren gefunden haben: RR245.

Bild: By ESO/L. Calçada and Nick Risinger (skysurvey.org) – http://www.eso.org/public/images/eso1142a/, CC BY 4.0,https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17153692

 

Fehlerteufelhinweis:
Astrodicticum simplex ist ein Astronomieblog, geschrieben von Florian Freistetter. Der ist Astronom und weiß deswegen viel besser als ich wovon er in Sachen Astronomie allgemein und Zwergplaneten speziell spricht. Und da habe ich auch gelernt, dass RR245 entgegen der verbreiteten Pressemeinung in Wirklichkeit kein Zwergplanet ist (oder noch nicht). Hier hat er schon mal einen Blogpost dazu geschrieben.

Außerdem habe ich noch einen Artikel von Spektrum der Wissenschaft hinzugefügt, der ebenfalls etwas näher auf das Thema eingeht.

Vielen Dank, Florian, für den Hinweis und Blogempfehlung an alle Astronomiefans!

 

#RR245 – Zwergplaneten

Heute geht es mal wieder um Astonomie! *Jubel*

Das ist nämlich eines von meinen 245 Lieblingsthemen, und zwar heute speziell um den Zwergplaneten RR245 oder naja, vielleicht nicht unbedingt um den Zwergplaneten, sondern mal ganz generell um die Frage: Was ist eigentlich ein Planet und was ist bitte ein Zwergplanet?

Themenpatin für die heutige Folge ist jedenfalls die Twitternutzerin nosupermom oder auch @anea1963, die dieses Thema vorgeschlagen hat.

Es geht um den Zwergplaneten RR245 und den hat man vor kurzem entdeckt. Forscher haben ihn gefunden und haben sich ein Loch in den Bauch gefreut, weil dieser Zwergplanet auch noch nah genug und groß genug an uns dran ist, dass wir ihn auch wirklich von der Erde aus studieren können. Das ist nämlich die Erkenntnis #1.

Wir wissen zwar inzwischen alles mögliche über den Kosmos; wir können weit, weit, weit hinaus schauen und irgendwelche Quasare und Galaxien in hunderten Millionen Lichtjahren Entfernung wahrnehmen. Und trotzdem wissen wir nur sehr wenig und Begrenztes über die Objekte in unserer Nähe, speziell die nicht so direkt beleuchteten Objekte sind ein Problem für uns. Dabei sind es gar nicht mal so wenige Objekte.

Wir haben so grundsätzlich diese vage Vorstellung – die nehmen wir praktisch noch aus der Schule mit raus – dass das Sonnensystem diese wohl aufgeräumte Sammlung von Kugeln ist, die alle in schönen, geordneten, elliptischen Bahnen um die Sonne kreisen. Und da gibt es ein Problem: Das ist nämlich nicht so ganz korrekt.

Vielleicht hat der ein oder andere da noch in Erinnerung, dass es da draußen so etwas wie die Oortsche Wolke gibt. Das ist übrigens aber nicht die einzige Sammlung von irgendwelchen Objekten rund um unser Sonnensystem. Es gibt mehrere Gürtel und mehrere Sammlungen von Objekten der unterschiedlichsten Größe und Zusammensetzung und manches davon hat die Größe von Planeten.

RR245 ist jetzt nun so ein Ding. Der ist 700 Kilometer im Durchmesser und der braucht ca. 700 Jahre, um einmal um die Sonne herumzufliegen. Er ist der fünfte seiner Art. Bisher hat man nämlich nur vier identifiziert: Haumea, Makemake, Eris – Aahhh! Da gibt es eine Episode für: Die Episode 5 – hört mal rein, woher Eris seinen Namen haben könnte. Und dann hätten wir Pluto. Ja – DER Pluto. Der Pluto, den wir mal eigentlich als einen vollwertigen Planeten angesehen haben und jetzt in der Zwergkategorie firmieren lassen.

Da mag sich der geneigte Hörer fragen: “Warum ist denn das jetzt überhaupt plötzlich ein Zwergplanet? Der wird doch nicht geschrumpft sein in den letzten Jahren”. Und das stimmt auch. Diese Einstufung, was ein vollwertiger Planet und ein Zwergplanet ist, hat gar nichts wirklich mit der Größe zu tun, zumindest nicht primär. Denn um ein richtiger vollwertiger Planet zu sein, müssen drei Kriterien erfüllt sein:

Erstens muss es ein Objekt sein, dass sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne bewegt.

Kriterium Nummer 2 ist, dass die Masse groß genug sein muss, dass sich das Objekt im hydrostatischen Gleichgewicht befindet. Das heißt soviel wie, es muss ungefähr kugelförmig sein – also von allen Seiten gleichermaßen angezogen werden und genügend Masse haben, dass sich daraus dann eine Kugel bildet. Das gilt auch für RR245, gilt aber nicht für alle Objekte, die vielleicht eine ähnliche Größe haben könnten und da draußen irgendwo in einem dieser vielen Asteroiden und Trümmergürteln unterwegs sind.

Und jetzt kommt der schwierige Punkt und das ist die Prüfung, bei der Pluto irgendwann durchgefallen ist. Bzw. als diese Definition gefunden wurde, stellte man fest, dass Pluto ihr nicht genügt. Nämlich das dritte Kriterium für einen vollwertigen Planeten ist, dass er das dominierende Objekt seiner Umlaufbahn ist. Das heißt, er hat diese Umlaufbahn durch sein Gravitationsfeld von allen weiteren Objekten geräumt. Jetzt ist es bei Pluto aber so, dass er eben nicht der alleinige Herrscher seiner Umlaufbahn ist. Nach und nach tauchten, als diese Regel mit dem dominierenden Objekt noch nicht existierte, Objekte in der Bahn auf, die zum Teil mindestens genauso groß, wenn nicht sogar größer wirkten als Pluto.

Eris, einer dieser Zwergplaneten, ist sogar fast größer. Und da sind wir bei zwei Sachen: Das Eine ist, dass man Pluto ursprünglich leicht überschätzt hat in Sachen Masse. Das heißt, als ich vorhin gesagt habe: “Der wird doch nicht geschrumpft sein”, habe ich nur halb gescherzt. Zwar ist Pluto nicht geschrumpft, aber wir haben ihn überschätzt. Und Eris ist eben fast größer. Und dann kann man leider obendrein noch streiten, ob sich Pluto denn jetzt nun wirklich auf einer ordentlichen Umlaufbahn um die Sonne befindet. Der ist nämlich ziemlich geneigt in seiner Bahn und da kann man dann als ausgebildeter Astronom, der ich jetzt nur nicht bin, geteilter Meinung sein, ob er das noch gelten lässt oder nicht.

Manch einer sagt nämlich “Eigentlich gehört der Pluto zu einem der Objekte im sogenannten Kuipergürtel”. Das ist wieder so eine Trümmerwolke, die da draußen existiert. Und zum besagten Kuipergürtel gehört auch RR245. Der ist jedenfalls so weit draußen, dass er außerhalb der Bahn Neptuns kreist. Und im Augenblick ist er ungefähr 9,7 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt. Eine unvorstellbare Entfernung! Damit man es vielleicht ein bisschen besser greifen kann: Das Licht braucht von der Sonne bis zu RR245 fast neun Stunden.

In dem Kuipergürtel, aus dem unser RR245 stammt, haben wir inzwischen ca. 2.000 Objekte gefunden. Viele davon auch über 100 Kilometer groß. Oh je! Da hoffe ich doch mal, dass die alle schön brav auf ihren geordneten Bahnen bleiben, wie es bisher eben so der Fall zu sein scheint.

Jetzt fehlen noch zwei kleine Schritte. Der erste Schritt ist: RR245 muss offiziell zu einem Zwergplaneten ernannt werden, weil bisher weiß man das gar nicht so genau. Das hängt davon ab, ob er denn jetzt nun wirklich schwer und groß genug ist, damit er sich in einem hydrostatischen Gleichgewicht befindet.

Und der zweite Schritt ist: Er braucht einen mindestens genauso coolen Namen wie Pluto oder Eris oder all die anderen griechischen Götter, die da draußen rumschwirren. Denn RR245 kann sich ja kein Mensch auf Dauer merken.

Bis bald.

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